Jason Evert, Matt Fradd: Geschmiedet, um zu kämpfen

Die Freiheit neu entdecken

Theodor W. Adorno und Max Horkheimer übten in "Dialektik der Aufklärung" im Jahr 1944 eine philosophisch grundierte und neomarxistisch kolorierte Kritik an den Mechanismen, Formen und Produkten der Kulturindustrie. Was Aufklärung und Unterhaltung genannt war, wurde als Massenbetrug gekennzeichnet. Heute, achtzig Jahre später, streiten zwei christliche Autoren auf andere Weise für Emanzipation vom Mainstream, für Aufklärung und für Freiheit. Jason Evert und Matt Fradd haben ihr bemerkenswertes Buch vorwiegend an junge Männer adressiert. Sie kämpfen gegen die Pornografie, gegen all ihre Versuchungen und Verlockungen und zeigen Wege zu einem gelingenden, glücklichen Leben auf.

Der Titel mutet kämpferisch an. Beide Autoren wissen sich auch einig darin, Hilfen für einen geistigen und geistlichen Kampf anzubieten, für die Würde des Menschen einzustehen, insbesondere für die Würde der Frau, aber auch für die Würde des Mannes. Nicht nur der mitunter verstörende Sexualkundeunterricht – von dem Abgrund der sogenannten frühkindlichen Sexualerziehung ganz zu schweigen – verunsichert, irritiert und verwirrt Jugendliche, sondern auch Medien transportieren den Lobpreis eines postmodernen Körperkultes, in dem die Begierde und das hemmungslose Ausleben der Lüste verherrlicht wird.

Evert und Fradd ermutigen zu einem "Kampf gegen die Begierde", im Wissen darum, dass es falsch ist, "Frauen zu benutzen – sei es online, in ihrer Vorstellung oder in der Realität". Männer, die auf ihre "sexuellen Eroberungen" stolz seien, bezeichnen sie als die "verweichlichsten". Unsere Kultur brauche aber "Männer, die bereit sind, energisch gegen die Reize eines verweichlichten Lebens zu kämpfen". Was martialisch klingt, ist christlich gemeint. Die Autoren sind überzeugt, dass die Gefolgschaft gegenüber dem Mainstream, der Lust, Glück und Genuss verheißt, auch jenen schadet, die besinnungslos sich davon verführen lassen. Es gelte, dem "Trugbild der Begierde" zu widerstehen, innerlich sich zu erneuern, "um sich selbst in Liebe zu verschenken". Selbsthingabe sei ohne Selbstbeherrschung nicht möglich. Die Widerstandskraft gegen eine "pornografisierte Kultur" soll gestärkt werden: "Im Gegensatz zu dem, was die Welt uns glauben machen will, sind die Pornos nicht weltoffen, aufgeschlossen und lebendig, sie sind stumpfsinnig. Es sind die Heiligen, die frei sind!" Matt Fradd und Jason Evert üben hiermit nicht nur Kritik an Filmen, sondern an einer dekadenten Kultur, in der Menschen instrumentalisiert und auch missbraucht werden. Die Bildung des Herzens und der Gefühle findet nicht mehr statt, sondern Rauschzustände werden dargeboten. Das gute Leben erscheint in Gestalt von lustvollen Exzessen und wird damit zu einer Karikatur. Eine umfassende Verwahrlosung wird sichtbar. Menschen huldigen einem Körperkult, der von innerer Schönheit nichts weiß.

Empfohlen werden "Keuschheit" und "Reinheit", also damit auch ein religiös fundierter Lebensentwurf, der gegen die weithin präsenten Lustangebote der Welt steht. Wahre Heilige wüssten, dass sie selbst zuinnerst Sünder sind. Angeboten wird der Weg, der zur Einsicht in die Identität führt, die der Bestimmung des Menschen entspricht und gegen die Vorgaben der Gesellschaft steht. Der junge Mann muss sich nicht fortlaufend verändern. Niemand muss den vermeintlichen oder tatsächlichen Erwartungen in der Welt entsprechen, sondern furchtlos entdecken, dass er Sohn Gottes ist und dazu berufen, das "Herz einer jeden Frau zu schützen": "Es reicht nicht aus, Frauen nicht zu benutzen. Wir sind dazu aufgerufen, ihre Ehre zu verteidigen." Das klingt vielleicht altmodisch. Wer aber darüber nachdenkt, wird erwägen, wie schadhaft, wie inhuman es tatsächlich ist, wenn – und hierzu zählt auch die Ideologie der sexuellen Revolution in den 1970er-Jahren – ein Frauenbild entworfen und als Ideal vorgestellt wird, das die Frau als scheinbar befreit ansieht, als eine Person, die nur noch Objektcharakter hat.

Der Weg, den Evert und Fradd vorschlagen, erfordert Zeit, Geduld und kleine Schritte. Sie empfehlen eine schrittweise erfolgende Befreiung von kleinen "Lastern", etwa die Vermeidung von Zynismus, "verschwendeter Zeit vor Bildschirmen, vulgärer Sprache oder entwürdigender Musik", ebenso von "Filmen, die mehr Dunkelheit als Licht zu dir bringen". Sie ermutigen zum Gebet: "Wenn du mit Unreinheit kämpfst, bitte um Reinheit. Wenn du mit Verzweiflung kämpfst, bitte um Hoffnung. Wenn du mit Egoismus kämpfst, bitte um ein selbstloses Herz. Wenn du mit einer Sucht kämpfst, bete um Befreiung. Zugegeben, Tugenden brauchen Zeit, um sich zu entwickeln."

Die "Reinigung" und Erneuerung des Geistes wird dauern. Evert und Fradd sind sich der Unzeitgemäßheit ihrer Ratschläge bewusst. Verstörende Bilder sind allgegenwärtig. Die Autoren zeigen einen lichtreichen Pfad, um die Würde des Menschen neu zu entdecken und haben auch einen ganz einfachen Tipp dafür – nämlich gute Bücher zu lesen: "Außergewöhnliche Inspiration erhält man, wenn man etwas über Menschen lernt, die ein außergewöhnliches Leben geführt haben. Wenn du etwas über Heilige lernst, wirst du nicht nur ihre Heiligkeit, sondern auch ihre Menschlichkeit entdecken."

Dieser nachdenklich machende Wegweiser zur inneren Freiheit ist vielleicht auf besondere Weise für junge Menschen, besonders für junge Männer, geeignet, die nach dem Sinn des Lebens fragen und Orientierung in ihrem Alltag suchen.

Geschmiedet, um zu kämpfen
Johanna Latzel (Übersetzung)
Geschmiedet, um zu kämpfen
33 Tage in Richtung Freiheit
144 Seiten, broschiert
Originalsprache: Englisch
Be&Be 2023
EAN 978-3903602953

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