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1968: Das Herz der Revolte

Rudi Dutschke, dessen Tod sich 2019 zum 40. Mal jährt, steht wohl wie kaum eine andere Figur der deutschen Innenpolitik für das Chiffre "1968". Dabei stammte der durch seinen vor allem im Freien Berlin bekannt gewordene Aktivist der Studentbewegung eigentlich aus der Mark Brandenburg. Er war kurz vor dem Mauerbau in den Westen geflohen und begann ab 1961 ein Soziologie-Studium an der Freien Universität Berlin. Schon 1963 engagierte er sich für die "Subversiven Aktion". 1965 im SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, der das deutsche Pendant zu den US-amerikanischen Students for a Democratic Society (SDS) und eine Abspaltung der Situationistischen Internationale war, wenn auch deutlich linksradikaler. Dutschke war quasi der Bob Dylan der APO, der Außerparlamentarischen Opposition, und organisierte beispielsweise auch den Internationalen Vietnamkongress in Berlin mit.

"Herz der Revolte"

Im Nachwort von Jürgen Miermeister, ein Zeitgenosse und Freund Dutschkes, wird er als "Charismatiker und Herz der Revolte" bezeichnet, der eines tragischen Todes einem Rockstar gleich in der Badewanne starb. Denn die Folgen des Attentats eines Bild-Lesers führten zu epileptischen Anfällen, von denen einer tödlich verlief. Dutschke war erst 39 Jahre alt und hatte dennoch schon ein politisches Werk hinterlassen, das seinesgleichen sucht. Ein Zerrissener sei er gewesen, so Miermeister, zwischen Jesus und Che Guevara, denn er war zwar für Veränderung, aber gegen Gewalt. Umso tragischer, dass ausgerechnet einer, der den Frieden für die Welt - inklusive des Trikonts - wollte, eines so schrecklichen Todes sterben musste. In vorliegender Sammlung einiger seiner Aufsätze, Reden und Tagebuchnotizen kann man ein authentisches Bild von dem Straßenkämpfer und Revolutionär gewinnen, das auch die Revolte von 1968 in einem breiteren Spektrum darstellt. Denn Dutschke war nicht nur der Aktivist der Sechziger Jahre, sondern auch ein Vorläufer und Wegbereiter der Grünen.

Denker zwischen zwei Staaten

Der vorliegende Band, von Dutschke selbst geplant, zeigt ihn als eigenständigen Denker zwischen zwei deutschen Staaten. Anfangs ein unangepasster junger Christ in der DDR, später ein Einiger der resignierenden und sektiererischen Linke. Die hier vom Wagenbach-Verlag gesammelten Texte sind seltene Dokumente, die noch über den Kontext der 68er-Bewegung hinausreichen. Die vorliegende Sammlung einiger seiner zahlreichen Schriften und seine Doktorarbeit zu Wladimir Lenin und Lukács sind ebenfalls beim Wagenbach-Verlag erschienen. Dutschke starb 1979 in Aarhus an den Spätfolgen eines Attentats, das im April 1968, vor 50 Jahren, auf ihn verübt worden war.


von Juergen Weber - 26. Mai 2018
Geschichte ist machbar
Rudi Dutschke

Geschichte ist machbar


Texte über das herrschende Falsche und die Radikalität des Friedens
Wagenbach 2018
128 Seiten. broschiert
EAN 978-3803127877

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