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Nicholas Meyer: Flucht in die Zukunft Time After Time

05. April 2026
von Juergen Weber

H. G. Wells (1866–1946) veröffentlichte 1895 seinen Roman Die Zeitmaschine. Der gleichnamige Film aus dem Jahr 1960 von George Pal nimmt darauf Bezug und wird in vorliegender „Fortsetzung" zitiert. In der Hauptrolle als H. G. Wells spielt Malcolm „Clockwork Orange" McDowell einen verwirrten Professor mit Ambitionen.

Hommage an Wells' Zeitmaschine aus den späten Siebzigern

„Ich war auf der Suche nach einem Helden, der nicht muskelbepackt und in Spandex gekleidet war. Ich suchte jemanden, der intellektuell begabt war. Ich wollte keinen Macho. Ich war bereit, gegen den Typen zu rasten, wenn ich konnte.", so Star-Trek-Regisseur Nicholas Meyer über seine Idealbesetzung für H. G. Wells.

Als der Schriftsteller und Erfinder im London des Jahres 1893 seinem Freundeskreis seine neueste Erfindung vorstellt, ist er noch zu unsicher und schüchtern, sie auch wirklich einzusetzen. Aber als sein „Freund" Dr. John Stevenson, der in einen Frauenmord verwickelt zu sein scheint, sich mittels Wells' Maschine in die Zukunft der Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts absetzt, bleibt ihm keine andere Wahl. Er verfolgt natürlich seinen ehemaligen Freund, der von Scotland Yard bereits als Jack the Ripper identifiziert wurde. Der Serienmörder, der mit der Zeitmaschine ins Jahr 1979 entwischt, setzt seine blutigen Taten auch in der Zukunft fort, und so ist es für Wells leicht, seine Spur aufzunehmen. Zudem findet er schnell eine ansprechende Assistentin, die dermaßen in ihn verliebt ist, dass sie als emanzipierte Frau sogar auf die Emanzipation verzichten würde. Denn diese scheint im Jahre 1979 bereits verwirklicht. Ja, sogar der Sozialismus scheint Realität geworden zu sein, wie Wells für die Zukunft vermutet. Als er sich allerdings darin befindet, wird er eines Besseren belehrt.

Tolle Besetzung und Kultcharakter einer vergessenen Perle

Nicholas Meyer liefert in seinem Regie-Debüt eine liebevolle Hommage an historische Science-Fiction wie Die Zeitmaschine ab und fügt noch eine Reihe anderer Genres hinzu: Neben Science-Fiction finden wir auch Elemente der Romantik-Komödie, des Thrillers, der Komödie, des Krimis und gesellschaftliche Kritik. Für die Rolle von Jack the Ripper sah das Studio den Rockstar Mick Jagger vor, aber Meyer war davon gar nicht angetan und fand eine ideale Besetzung in David Warner (Das Omen). Mit Mary Steenburgen als Amy Robbins hatte er ein ebenso glückliches Händchen, denn sie spielt ihre Rolle als verliebte Bankdirektorin so charmant, dass man beinahe selbst gern eine Zeitreise antreten möchte. Allerdings heiratete sie Malcolm zwei Jahre nach den Dreharbeiten und zeugte zwei Kinder mit ihm.

Als Location für die Zukunft – die Gegenwart spielt wie gesagt in London – wurde übrigens nicht New York, sondern San Francisco gewählt. Der Originaltitel Time After Time könnte auch als Prophezeiung für die Rezeption des Filmes wahrgenommen werden. Denn nachdem der Film falsch vermarktet wurde, spielte er zwar nicht die erwarteten Einspielergebnisse ein, wuchs aber durch die Verbreitung durch Videotheken stetig an und gilt heute als einer der eigenwilligsten Science-Fiction-Filme des Genres. Time After Time ist er also gewachsen und bekommt heute endlich den Stellenwert, den er verdient: als wunderschönes Mediabook bei Plaion, mit Booklet und vielen Extras.

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Flucht in die Zukunft
Nicholas Meyer (Regie)
Flucht in die Zukunft
Laufzeit: ca. 112 Minuten
Plaion 2026