Martin Bösch: Finanzwirtschaft

Finanzwirtschaft optimal vermittelt

Die Frage nach der Berechtigung eines weiteren Buches über die betriebliche Finanzwirtschaft darf im vorliegenden Fall mit einem eindeutigen JA beantwortet werden. Bereits beim ersten Durchblättern zeigt dieses Lehrbuch einen besonderen methodisch-didaktischen Charme. Die Anschaffung dieses Werkes erweist sich schon nach Durchsicht weniger Abschnitte als eine Investition, welche einen Economic Value Added erzielt, d. h. einen wesentlichen Vorteil gegenüber alternativen Publikationen:

Der Verfasser hat an der LMU in München studiert, danach das Ph.D.-Programm an der University of Virginia, Charlottsville, belegt und sich anschließend an der LMU habilitiert. Diese Erfahrungen haben sicher zum Gelingen beigetragen, die Vorteile amerikanischer mit denjenigen von deutschen Lehrbüchern zu kombinieren. Amerikanische Lehrbücher zu Corporate Finance verzichten oftmals auf eine allzu akademische Sprache, sie kommen schnell zum zentralen Punkt und sind anwendungs- sowie kapitalmarktorientiert. Hingegen vermitteln entsprechende deutsche Lehrbücher nicht selten eine Fülle von Detailwissen zu Finanzierungs- und Investitionsfragen und perfektionieren die Systematisierung von Sachverhalten.

Martin Bösch lehrt seit 18 Jahren als Professor für Betriebswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Finanzwirtschaft an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Davor war er Geschäftsführer einer Transaktionsbank. Diese wichtige Verbindung von Theorie und Praxis schlägt sich wohltuend in seinem Werk nieder. Es ist dem Verfasser gut gelungen, eine umfassende Darstellung der Theorie der Finanzwirtschaft mit aussagekräftigen praktischen Anwendungen aus dem Unternehmensbereich professionell miteinander zu verbinden.

Auch die für das Finanzmanagement wichtigen und oftmals in finanzwirtschaftlichen Standardlehrbüchern vernachlässigten Themengebieten werden aufgegriffen bzw. vertieft, z. B. die Unternehmung im Kontext mit dem Kapitalmarkt und im internationalen Zusammenhang sowie die Anwendung von Excel in der Finanzwirtschaft.

Hervorzuheben ist vor allem auch das überzeugende methodische Konzept: Lernziele jeweils am Beginn sowie Zusammenfassungen (unter der Rubrik "Was Sie unbedingt wissen und verstanden haben sollten") am Ende eines Abschnitts, kleinere Übungen innerhalb des laufenden Textes und Übungsaufgaben bzw. Fragen jeweils am Ende eines Abschnitts (mit entsprechenden Lösungen auf der Website zum Buch) erleichtern die Auseinandersetzung selbst mit komplexen Sachverhalten und unterstützen die individuelle Lernzielkontrolle. Anhand von ausgewählten Übungsaufgaben wird zusätzlich demonstriert, wie Excel zur Lösung von finanzwirtschaftlichen Fragestellungen eingesetzt werden kann. Des Weiteren wird das Verständnis für die Zusammenhänge durch zahlreiche Abbildungen und Tabellen optisch unterstützt. Darüber hinaus können Dozenten alle Abbildungen aus dem Buch für den Einsatz in ihren Vorlesungen und Seminaren downloaden.

Mathematik wird dosiert und nur dann verwendet, wenn eine Formel bzw. eine kurze Gleichung mehr Klarheit bringt als eine lange Beschreibung des Sachverhalts. Zu den finanzmathematischen und statistischen Formeln wird gezeigt, wie das Anwendungsprogramm Excel als Lösungstool eingesetzt werden kann.

Das Lehrbuch ist in vier Teile gegliedert:

Teil 1 (Grundlagen) gibt einen Überblick über die unterschiedlichen Interessengruppen einer Unternehmung und die Parameter der Unternehmenswelt. Danach werden die zentrale Rolle des Cashflows bei der Beurteilung von Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen und die Stellung der Unternehmung innerhalb des Kapitalmarkts untersucht sowie die finanzwirtschaftlichen Kernbegriffe, wie Zins, Wert, Kapitalwert und Risiko, eingeordnet.

Teil 2 (Finanzierung) thematisiert das gesamte Finanzgeschehen im Rahmen der Eigen- und Fremd- bzw. der Innen- und Außenfinanzierung, einschließlich Rating und den sog. Basel-Regulierungen. Da Finanzmittel nicht nur von den Eigenkapitalgebern in die Unternehmung, sondern auch umgekehrt aus der Unternehmung zurück zu den Kapitalgebern fließen, wird auch die Rückzahlung von Finanzmitteln an die Eigenkapitalgeber in Form von Gewinnausschüttungen, Aktienrückkäufen oder im Zuge von finanzwirtschaftlichen Sanierungsmaßnahmen behandelt. Eine weitere wichtige Fragestellung der Finanzierungspraxis bilden die Kosten der Kapitalbereitstellung. Folgerichtig wird auch auf die Finanzierungskosten und deren Determinanten, jeweils für die einzelnen Formen der Kapitalbeschaffung, vertieft eingegangen. Nur zu wenigen finanzwirtschaftlichen Parametern hätte man sich noch die eine oder andere Ergänzung gewünscht. So hat sich beispielsweise in den letzten Jahren mit dem Crowd Funding eine Finanzierungsvariante herausgebildet, auf die der Autor noch hätte eingehen können.

Teil 3 (Investition und Unternehmenswert) knüpft an dem Kalkül an, dass Unternehmungen auf Dauer nur dann erfolgreich sein werden, wenn sie gute Investitionsprojekte realisieren. Somit geht es im Wesentlichen um die Fragen, welche Investitionen nach welchen Kriterien durchgeführt werden sollen und unter welchen Voraussetzungen die Investitionen den Unternehmenswert erhöhen. Hierzu werden schwerpunktmäßig die traditionellen dynamischen Verfahren, einschließlich der dazugehörenden Einzelfragen wie die Bildung des WACC, das Vorgehen bei der Cashflow-Schätzung und die Möglichkeiten zur Berücksichtigung der Unsicherheit, behandelt. Ein weiterer Schwerpunkt widmet sich den Verfahren zur Bestimmung des Unternehmenswertes. In diesem Kontext werden u. a. die Wirkungen veränderter Finanzierungsstrukturen und die Rolle der Besteuerung untersucht. Abschließend befasst sich ein Abschnitt über Mergers & Acquisitions mit der Darstellung wichtiger M&A Problemstellungen, zumal Fusionen und Beteiligungen eine zunehmend bedeutende Rolle in der strategischen Ausrichtung von Unternehmen spielen.

Teil 4 (Ausgewählte Fragen der Finanzwirtschaft) geht von der betrieblichen Praxis aus, dass Unternehmungen vorwiegend über eine Umsatzplanung gesteuert werden. Im Mittelpunkt steht die Finanzanalyse auf der Basis von Kennzahlen. Dabei wird dargestellt, wie Wachstums- und Erfolgspotenziale sowie die finanzielle Lage, Profitabilität und Risiko beurteilt werden. Da zahlreiche Unternehmungen einen erheblichen Teil ihrer Umsätze auf ausländischen Märkten generieren und dort auch investieren, werden in einem abschließenden Abschnitt die wichtigsten finanzwirtschaftlichen Problemstellungen, mit denen sich international tätige Unternehmen auseinandersetzen müssen, behandelt. Im Wesentlichen geht es hierbei um drei unterschiedlichen Typen von Währungsrisiken: Transaktionsrisiken, ökonomischen Risiken und Translationsrisken. Dabei werden auch Wege aufgezeigt, diese Risiken abzusichern. Ein weiterer Abschnitt befasst sich mit der Portfoliotheorie und im Zusammenhang damit vor allem mit der Darstellung und Interpretation der Rendite und des Risikos von Einzelanlagen sowie mit Besonderheiten gemischter Portfolios. Abschließend wird vor allem die Kritik von Behavioral Finance am Postulat eines effizienten Kapitalmarkts referiert.

Die Grundstruktur und der Aufbau des Buches sind in der vorliegenden 5. Auflage weitgehend unverändert beibehalten worden, jedoch wurde das Werk vollständig überarbeitet, sämtliche Daten und Abbildungen wurden aktualisiert und der vierte Teil um die Abschnitte "Portfoliotheorie und CAPM" sowie "Kapitalmärkte und Behavioral Finance" erweitert.

Fazit: Dieses Lehr- und Lernbuch kann nach wie vor allen BWL-Studenten in Bachelor- als auch in Master-Studiengängen sowie Studierenden an weiterbildenden Akademien zur vorlesungs- bzw. seminarbegleitenden Ergänzung und Vertiefung, nicht zuletzt auch zur gezielten Vorbereitung auf Klausuren im Fachgebiet "Finanzwirtschaft", bestens empfohlen werden. Auch Praktiker des Controllings sowie des Finanz- und Treasury-Managements können diesem gelungenen Werk eine Fülle von wertvollen Einsichten und Anregungen entnehmen.

Finanzwirtschaft
Finanzwirtschaft
Investition, Finanzierung, Finanzmärkte und Steuerung
658 Seiten, broschiert
EAN 978-3800669066

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