Umwelt

Die wirtschaftlichen Folgen von Hochwasser, Stürmen, Dürre und Lawinen

Extreme Wetterereignisse führen uns vor Augen, wie verletzlich wir, unsere Infrastrukturen und die Natur, von der wir abhängen, sind. Unter extremen Wetterereignissen versteht man Hochwasser (z.B. im August 2002 in Deutschland, Tschechien und Österreich), Stürme (z.B. Lothar im Winter 1999), Dürre (z.B. Sommer 2003 oder 2005 in Spanien) und Lawinen (z.B. Lawinenwinter 1999).

Das vorliegende Buch fragt aus Sicht der Wirtschaft, mit welchen Ereignissen wir in Zukunft rechnen müssen, welche Folgen für die Wirtschaft zu erwarten sind, wie sich die einzelnen Branchen am besten schützen liessen und welche Taten von der Politik gefordert sind. Das Risiko Naturereignis, mit dem der Mensch schon immer leben musste, rückte in den letzten Jahren angesichts des Klimawandels vermehrt in das Blickfeld der Wirtschaft, allen voran natürlich der Versicherungsbranche.

Vereinfacht gesagt, geht man bei der Risikoanalyse wie folgt vor:
1. Feststellen der Eintretenswahrscheinlichkeit
2. Berechnung der möglichen Schadenshöhe
3. Analyse der Schutzmöglichkeiten
Unter Punkt drei können verschiedene Strategien verfolgt werden: Man kann versuchen, die Eintretenswahrscheinlichkeit zu minimieren oder man kann Schäden im Fall des Eintretens zu vermeiden versuchen. Selbstverständlich sind nicht immer beide Strategien möglich. Die Eintretenswahrscheinlichkeit von Erdbeben kann nicht beeinflusst werden, aber die Schäden können verringert werden, indem erdbebensicher gebaut wird. Bei Wetterereignissen stehen aber beide Strategien offen: Wir können Einfluss auf das Klima nehmen, was wir heute bereits im negativen Sinn tun und wir können die Schäden aufgrund von Wetterereignissen verringern, indem wir z.B. bauliche Massnahmen ergreifen. Eine weitere Möglichkeit, sich vor den Folgen eines Ereignisses zu schützen, ist die Abwälzung des Risikos. Hier kommen die Versicherungen zum Zug.

Das Buch, das den Blick auf Deutschland, Österreich und die Schweiz richtet, wobei Österreich etwas übervertreten ist, besteht aus drei Teilen:

In Teil A, Grundlagen, geht es um Definitionsfragen, die Erhebung und Analyse von Daten, die Quantifizierung der wirtschaftlichen Schäden, den gesellschaftlichen Umgang mit den Risiken, das Risikomanagement und den Dialog zwischen Forschung, Politik und Wirtschaft. Interessant ist beispielsweise das Kapitel von Stefan P. Schleicher und Karl W. Steininger. Die beiden Professoren für Volkswirtschaftslehre an der Universität Graz zeigen, wie schwierig die wirtschaftliche Analyse von extremen Wetterereignissen ist. Das Konzept des Bruttoinlandprodukts BIP eignet sich gemäss ihren Aussagen nicht für eine Aussage über die wirtschaftlichen Folgen eines Ereignisses, da es auf Flow-Grössen (Messung der gehandelten Güter) beruht. So kommt es, dass ein extremes Wetterereignis einen positiven Effekt auf das BIP hat, weil es hohe Investitionen notwendig macht. Das BIP berücksichtigt bestehendes Vermögen wie z.B. Häuser nicht, die ja wiederhergestellt werden müssen. Eine angemessene Erhebung der wirtschaftlichen Folgen eines extremen Wetterereignisses scheitert an fehlenden Daten. Hier ist Handlungsbedarf.

In Teil B, Analyse von betroffenen Wirtschaftsektoren, werden einzelne Wirtschaftssektoren, die die Folgen besonders zu spüren bekommen, genauer beleuchtet. Hierzu gehören insbesondere der Tourismus sowie die Forst- und Landwirtschaft.. In anderer Art und Weise ist die Versicherungsbranche betroffen, der ebenfalls ein Kapitel gewidmet wird. Exemplarisch für Schäden an der Infrastruktur wird die Energie- und Wasserversorgung aufgegriffen Etwas aus dem Rahmen dieses Teiles fällt das Kapitel über das Rote Kreuz, ist es doch ein Dienstleistungsunternehmen, das vor allem nach einer Katastrophe aktiv wird. Am Schluss eines jeden Kapitels werden jeweils Kernstrategien der Anpassung an extreme Wetterereignisse, z.B. die Bildung von grösseren Gefahrengemeinschaften zur Risikoverminderung, und Handlungsmöglichkeiten der Politik, z.B. - wen wundert es - die Einhaltung des Kyoto-Protokolls.

Teil C fasst die Ergebnisse zusammen und blickt in die Zukunft. Hier wird nochmals auf die zu erwartenden Klimaveränderungen eingegangen, wobei festgestellt wird, dass eine Prognose und damit auch eine Aussage über das Auftreten extremer Wetterereignisse schwierig ist. Dass die Treibhausgaskonzentration zunimmt und klimatische Veränderungen bewirkt, kann man wohl als gesichert bezeichnen. Unsicher ist die Art der Veränderungen, insbesondere die regionale. So gibt es beispielsweise Schwefeldioxidemissionen, die einen der Erwärmung entgegengesetzten Effekt haben. Trotz aller Unwägbarkeiten geht man davon aus, dass Starkniederschläge, Hochwasser, Hangrutschungen sowie Hitzeperioden häufiger auftreten.

Die oben stehende Risikoanalyse anwendend, kann also gesagt werden:
1. Die Eintretenswahrscheinlichkeit wird zunehmen
2. Die Schadenshöhe kann zwar nicht vorausgesagt werden, sie kann aber erheblich sein, wie das Hochwasser 2002 gezeigt hat
3. Die Schutzmöglichkeiten sind vielfältig: Einfluss auf die Eintretenswahrscheinlichkeit (z.B. Umsetzung des Kyoto-Protokolls), Verringerung der Schadenshöhe (z.B. bauliche Massnahmen, Anpassung der Sortenwahl in der Landwirtschaft)
Extreme Wetterereignisse werden wohl in Zukunft ein Hochrisiko der Gesellschaft sein.

Das Buch richtet sich in erster Linie an Politiker und Vertreter der betroffenen Wirtschaftssektoren, also an diejenigen, die Massnahmen ergreifen müssen. Den Autoren ist es gelungen, die Brücke zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis zu schlagen. So erfährt der Leser, was der Stand der Forschung ist und kriegt gleichzeitig Handlungsempfehlungen für die Politik und Praxis.

Extreme Wetterereignisse und ihre wirtschaftlichen Folgen
Karl W. Steininger (Hrsg.)
Christian Steinreiber (Hrsg.)
Christoph Ritz (Hrsg.)

Extreme Wetterereignisse und ihre wirtschaftlichen Folgen


Anpassung, Auswege und politische Forderungen betroffener Wirtschaftsbranchen
Springer 2005
245 Seiten, gebunden
EAN 978-3540234777

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