Extraordinary Records

Vinyl der besonderen Art

"There is nothing like the feeling of holding a vinyl record, of coaxing it out of its sleeve, blowing off the dust and placing it under the needle", schreibt kein Geringerer als Produzent Giorgio Moroder im Vorwort. Und tatsächlich: jeder kennt dieses unbeschreibliche Gefühl und die Spannung, die sich aufbaut, kurz bevor man den ersten Ton vernimmt.

Rund wie die Welt: das Vinyl

Gleich von Anfang an geht es zur Sache in dieser außergewöhnlichen Publikation, die allein dem Vinyl gewidmet ist. Dem farbigen und dem schwarzen Vinyl, um genau zu sein. Denn aus technischen Gründen ist das PVC-Granulat, aus dem Schallplatten bestehen, zwar zumeist schwarz, es gibt aber auch unzählige bunte Versionen. Das Gerücht farbiges Vinyl klinge schlechter, ist in das Land der Märchen zu verweisen, denn der einzige Grund für die Schwärze ist die Dickflüssigkeit der schwarzen Farbe. Für die Qualität des Klangs ist allein die Sorgfalt beim Pressvorgang ausschlaggebend, nicht die Färbung, so Alessandro Benedetti in seiner Einleitung, die bestätigt, dass farbige Vinylscheiben sogar wertvoller sind, weil sie in viel kleineren Auflagen gepresst werden. Von Deep Purple gebe es zum Beispiel pink- und fliederfarbene Platten, von Pink Floyd allerdings nur farbige, die wenigsten davon rosa. Verstehe einer die Welt, scherzt Benedetti gut gelaunt, denn er dürfte wohl einige farbige Schallplatten besitzen (ca. 8'000 Stück, darunter ca. 1'200 farbige).

Auch den sog. "X-Ray" Platten ist ein eigenes Kapitel gewidmet. Sie wurden in der ehemaligen UdSSR auf Röntgenbildern gepresst. Die sozialistische Planwirtschaft hatte keinen Rock'n'Roll vorgesehen und so entstanden die Pressungen westlicher, dekadenter Popmusik meist im Samisdat, also dem Untergrund. Diese Schallplatten zeigen deutliche Zeichen des vorherigen Zweckes, etwa Bilder von Kiefern, Wirbelsäulen oder Totenschädeln. Wäre doch eine gute Idee für Black Sabbath gewesen, oder? Aber ja, es gibt beinahe (fast) alles auf X-Ray, was die westliche Dekadenz damals hervorgebracht hat.

Von Unusual über Shaped, Etched bis Picture Disc

Ein anderes Kapitel wird aus monochromem Vinyl bestritten. Die ersten farbigen Schallplatten waren 1904 erschienen, rot war einmal sogar der Standard, bei World Records. Auch das Grunze-Urgestein Sub Pop veröffentlichte ihre Singles vornehmlich in Farbe. Das nächste Kapitel nennt sich dann "unusual Vinyl", also ungewöhnliches Vinyl, das nicht nur aus einer monochromen Farbe besteht, sondern polychrom ist. Die Rede ist hier von sog. Picture Discs und ein besonders schönes Beispiel stellt der Punk-Sampler "The Label (Sofa)" dar, besser bekannt unter dem Kosenamen "Medusa": bunte Schlangen umkreisen ein weibliches, geschminktes Gesicht, das beinahe dreidimensional erscheint.

Als "unusual" ist aber in jedem Fall auch die Sparte "etched Vinyl" zu beschreiben. Das sind Platten, die nur auf einer Seite bespielt wurden und/oder mit Ecken und Kanten aus dem Rahmen einer "normalen" runden Disc fielen. Etwa "Your're n Love" von Ratt, die die Form eines Herzen hat, das von einer Ratte gedreht wird.

Das vorliegende Buch kann natürlich unmöglich ein kompletter Katalog seltener oder farbiger Vinylplatten sein, sondern lädt vielmehr ein zu einem Ausflug in eine ungewöhnliche, schöne und gleichzeitig schimmernde Welt. 500 Eyecatcher, darunter Schallplatten in knallbunten Pressungen, sowjetische Raubkopien auf Röntgenbildern bis hin zu fluoreszierenden Platten und solchen mit Hologrammen. 

Extraordinary Records
Extraordinary Records
472 Seiten, gebunden
Deutsch, Englisch, Französisch
Taschen 2024
EAN 978-3836595001

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