Equals: Im Verborgenen leben
"Pour vivre heureux, vivons cachés", stand kürzlich auf einem Transparent einer Demonstration in Paris, die sich gegen das ungefragte Globalisieren unserer Lebenswelten richtete: "Um glücklich zu leben, leben wir im Verborgenen" und genau dieses "vivons cachés" spielt auch in Drake Doremus Film "Equals", der sich an Science Fiction Vorlagen wie "1984" oder "Brave New World" orientiert, eine wichtige Rolle. Denn was wären Silas (Nicholas Hoult) und Nia (Kristen Stewart), die beiden Protagonisten, ohne Jonas (Guy Pearce) und Bess (Jacki Weaver), die selbst "im Verborgenen leben" und dort ihre Gefühle pflegen, um auch anderen "Betroffenen" zu helfen?
Zukunft: Gefühle als Krankheit
Nach einem Atomkriege wurde das Leben neu organisiert. Da Gefühle für all das verantwortlich gemacht werden, was zum Krieg führte, werden diese abgestellt. Wer dennoch welche hat oder zeigt, muss zum Arzt, was einen unweigerlich zu dem berühmten Satz eines österreichischen Politikers führt, wer Visionen habe, der solle doch besser zum Arzt gehen und sich dort heilen lassen. In "Equals" gibt es vier Stadien von SOS: Switched On Syndrome. Die 4 SOS-stages sind je nach Fortschritt immer bedenklicher und müssen medikamentös behandelt werden. Wer dies nicht tut, wird abgeführt und die anderen aufgefordert "Just continue your work", wie es passiert, als jemand abgeführt wird. Als dann aber zu viele "Jumpers" - Menschen die zu viele Gefühle haben und sich in ihrer Verzweiflung aus den oberen Stockwerken stürzen - vom Himmel fallen, wird es Zeit, etwas zu tun. Wer andere sieht, die Emotionen haben oder selbst welche spürt, muss sofort Meldung machen oder zum Arzt gehen.
Sepsis auf Knopfdruck
Silas und Nia werden beide gleichzeitig von der "Krankheit" befallen und entdecken schnell, dass sie mehr füreinander empfinden als nur Freundschaft, ihre Berührungen sind erst zaghaft und zärtlich und verlangen alsbald nach mehr. Die grau-weiße Atmosphäre und das Licht, in das der Film getaucht wird, zeigen uns eine Zukunft, die vor allem eines ist: septisch. So verschwindet etwa das Bett und das Essen hinter Wohnwänden, "Eat-Sleep-Live" sind die drei wählbaren Stufen der verschiebbaren Wände, mit denen die eigenen Wohnung auf Knopfdruck umgebaut werden kann. Das Kino ist zu einer großen Propagandamaschine in einem riesigen Saal verkommen. Der Job von Silas und Nia besteht im Photoshoppen auf überdimensionalen Bildschirmen. Ein Trost ist, dass das Essen auch in dieser Zukunft immer noch nach Essen aussieht, aber plötzlich schmeckt es anders. Und Silas empfindet etwas unter der Dusche, Schmerzen sind auch Gefühle. "The cure is right around the corner, but at least it’s not contagious." Die Dusche als Bewusstwerdungsprozess war schon bei Hitchcock beliebt. Das revolutionäre Gefühl der Liebe in einer synthetisch-septischen Welt: Equals - Euch gehört die Zukunft, jetzt auf BluRay und DVD bei Koch Media Home Entertainment
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