Deutschland in rechtsradikaler Hand
Das neue Buch des Schriftstellers Martin Schäuble ist eine hauptsächlich für Jugendliche geschriebene, aber auch für Erwachsene höchst interessante Dystopie, die einem beim Lesen wegen ihrer Realitätsnähe unter die Haut geht.
Die Handlung spielt etwa zwei bis drei Jahre in der Zukunft. Eine der AfD sehr ähnliche Partei namens "Die nationale Alternative" hat mit absoluter Mehrheit die Wahl gewonnen und die Regierung gebildet. Die Wehrpflicht ist wieder eingeführt, Flüchtlinge heißen offiziell Invasoren, Deutschland ist aus der EU ausgetreten, hat sich politisch und wirtschaftlich isoliert. Die D-Mark ist wieder Zahlungsmittel, das Kopftuchverbot wird streng gehandhabt und es gibt neue, national bereinigte Lehrpläne an den Schulen. Genauso wie man es im Programm der AfD lesen kann. Obwohl es bei Houllebecqs "Die Unterwerfung" die Islamisten sind, die in Frankreich an die Macht kommen, zeichnet Schäuble bis auf ein hoffnungsvolles Ende zunächst ein ähnlich düsteres Bild, das gar mit dem Fall Franco A., selbst zu des Autors eigener Überraschung, von der Realität überholte wurde.
Zu den handelnden Personen: Da ist Anton, der gerade seinen Wehrdienst absolviert, politisch stramm rechts eingestellt ist, auf der Linie der "Nationalen Alternative". Durch seine Homosexualität und die Tatsache, dass sein Partner Noah ein Regierungskritiker ist, ist er erpressbar und kann einen Geheimauftrag, den er bekommt, nicht ablehnen. Eine radikale Splittergruppe der Regierungspartei schickt ihn als angeblichen Flüchtling in ein Flüchtlingslager, damit er dort einen Anschlag verübt. Die Begegnung mit den Flüchtlingen verändert ihn ganz allmählich, besonders die Begegnung mit der jungen äthiopischen Flüchtlingsfrau Fana, die vor dem Hunger und dem Elend in ihrer Heimat nach Deutschland geflohen ist und deren Weg von ihrem Leben in Äthiopien bis in das Lager Martin Schäuble sensibel und detailliert erzählt. Er lässt sie immer abwechselnd mit Anton und Noah zu Wort kommen und erzeugt damit eine ganz besondere Authentizität der drei Personen, ihrem Umgang mit den Verhältnissen und ihrer jeweiligen Veränderung.
Das Buch ist gründlich recherchiert. Man spürt, dass Schäuble sich nicht nur in Äthiopien auskennt, sondern auch die Politik der Rechten studiert hat. Er hat sein Buch jenen 71 Menschen gewidmet, die in Österreich in einem Lastwagen auf der Flucht erstickten. Sie tauchen in seinem Buch auf, überleben dort aber.
Ein politischer Thriller für Jugendliche und Erwachsene, wie er aktueller nicht sein könnte.
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