Jürgen Weber, Utz Schäffer, Christoph Binder: Einführung in das Controlling

Gute Zeiten für das Controlling

Krisen bestätigen die alte Faustregel "Schlechte Zeiten für das Unternehmen sind gute Zeiten für das Controlling". In einer Krise – sei es eine konjunkturbedingte Rezession, eine starke Finanz- und Wirtschaftskrise wie vor ca. 15 Jahren oder der massive weltweite Einbruch der Wirtschaftsaktivitäten bedingt durch die Corona-Pandemie und den Krieg in der Ukraine – sind die zentralen Kompetenzen der Controller besonders gefragt. So sind beispielsweise im Reporting die Auswirkungen der Krise auf das Unternehmensergebnis und den Cashflow zeitnah zu berichten. Des Weiteren sind besonders kritische Entwicklungen aufzuzeigen und mit Hilfe des Cash Managements eine ausreichende Liquidität sicherzustellen. Alle Stufen der Supply Chain sind zu analysieren, neu zu bewerten und zu optimieren und nicht zuletzt gilt es, auf der Basis kostenrechnerischer Analysen einen harten Sparkurs zu forcieren. Wollen Controller auch weiterhin als Business Partner auf Augenhöhe des Managements wahrgenommen werden, sollten sie sich jedoch nicht nur mit den negativen Entwicklungen befassen, sondern auch die Chancen in der Krise identifizieren und dafür zu sorgen, dass Maßnahmen ergriffen werden, um diese auch zu nutzen. Auch für die Zeit nach Corona winkt dem Berufsstand der Controller eine große Chance. Der Befund einer jüngeren Blitzumfrage des WHU Controller Panels machte deutlich: "Unternehmen mit einem effektiven Krisenmanagement sind gleichzeitig durch eine höhere Chancenorientierung in der Krise, aber eben auch durch eine bessere Vorbereitung auf die Krise charakterisiert. Eine Einsicht, die in den vielen fetten Jahren nicht gänzlich verloren gegangen ist, aber doch im Alltag regelmäßig zu kurz kam. Dabei können Controller gerade hier viel zur Party beitragen, etwa, wenn es darum geht, die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) des Unternehmens zu erhöhen und die Balance aus kurzfristiger Effizienz, Flexibilität und digitaler Transformation neu auszutarieren."

Die Breite der Aufgaben und die Anforderungen an das Zusammenspiel zwischen Controllern und Managern spiegelt sich auch in der neuesten Auflage des auflagenstärksten Controlling-Klassikers von Jürgen Weber und Utz Schäffer wider. Beide Autoren forschen und lehren als Professoren an der WHU-Otto Beisheim School of Management – eine der renommiertesten Hochschulen für Betriebswirtschaft und Management in Deutschland – und sind insbesondere im IMC (Institut für Management und Controlling) der Hochschule aktiv, teils in leitender Funktion. Mit der Rationalitätssicherung der Führung als dem originären Inhalt und Kern des Controllings verfolgen die Verfasser weiterhin ihren schon früher eingeschlagenen konzeptionellen Ansatz. Neben den üblichen Aktualisierungen und Anpassungen zeichnet sich die vorliegende neue Auflage vor allem durch eine besonders intensive Überarbeitung der Ausführungen zum externen und internen Rechnungswesen aus. Daneben wurden die vielfältigen Implikationen der sich anbahnenden Digitalisierung des Controllings an verschiedenen Stellen des Buchs vertieft, von den informationstechnischen Grundlagen bis hin zu neuen Rollen der Controller. Das Werk richtet sich nach wie vor insbesondere an Studierende und Praktiker, welche sich in die einzelnen Controlling-Themen einarbeiten wollen. Hierzu wird das gesamte Spektrum des Controllings in theoriebasierter und praxisbezogener Weise dargestellt sowie in vier Hauptteile und 17 Kapitel gegliedert.

Im Teil I werden die konzeptionellen Grundlagen des Controllings erarbeitet und insbesondere der Bezug zur Führung durch Ziele hergestellt. Dabei wird der Bogen von kontext- und kulturabhängiger Controllerpraxis zu verschiedenen Controllingkonzeptionen und controllingrelevanten Theorien der Accounting-Forschung gespannt. Es wird aber auch die in diesem Buch verfolgte Sichtweise näher erläutert, d.h. ein verhaltensorientierter Ansatz, der mit der praktischen Entwicklung der Controllership in weitgehende Übereinstimmung gebracht werden kann. Die Teile II und III befassen sich zum einen mit der Informationsversorgung (Grundlagen der Informationsversorgung; Externes Rechnungswesen; Kosten-, Erlös-, Ergebnis- und Leistungsrechnung; Kennzahlen und Kennzahlensysteme; Verrechnungspreise und Berichtswesen) und zum anderen mit der Planung und Kontrolle in den Bereichen des operativen, taktischen und strategischen Managements. Im Mittelpunkt stehen dabei die einschlägigen Instrumente, etwa Budgetierung, Deckungsbeitragsrechnungen, Nutzschwellenanalysen, Investitionsrechnungen sowie Stärken-Schwächen-, Produkt-Lebenszyklus-, Produkt-Markt-Portfolio- und Technologie-Portfolio-Analysen. Ebenso werden auch verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse ("Behavioral Controlling") einbezogen. Entsprechende Verhaltensaspekte werden zu Recht dann wiederholt thematisiert, wenn diese die Wahrnehmung und den Erfolg der Planung und Kontrolle wesentlich beeinflussen können. Bei derartigen kognitiven Begrenzungen geht es um ein breites Spektrum von Verhaltensverzerrungen und -fehlern, beispielsweise im Kontext mit "overconfidence, egocentric, confirmation und optimistic bias" oder im Zusammenhang mit "illusion of control", "groupthinking" "risky shift" und "mental accounting". Der Teil IV behandelt abschließend grundsätzliche Fragen der Gestaltung und Organisation des Controllerbereichs sowie vertiefende und aktuelle Gestaltungsfragen der Controllership, einschließlich einer Diskussion über den Erfolg der Controller.

Auch die Neuauflage besticht durch ihre methodisch-didaktische Ausgestaltung. Hierzu zählt u.a. das großzügige an amerikanische Lehrbücher erinnernde Layout mit erläuternden, zielführenden Marginalien und einem Zweispaltensatz, der den Text besser lesbar macht. Zur verständlichen Aufbereitung selbst komplexer Zusammenhänge bzw. zur Vertiefung von Einzelthemen dient eine Fülle von Abbildungen bzw. Abschnitten, Kurzbeiträge (u. a. Auszüge aus der relevanten Literatur), Zusammenfassungen sowie gezielte weiterführende Literaturhinweise, jeweils zum Ende eines jeden Kapitels. Über QR-Codes direkt im Buch und über das Online-Portal sp-mybook.de kann auf zahlreiche Spreadsheets, die den Tabellen zugrunde liegen, sowie auf Video-Clips zu zentralen Themen und auf weiterführende Texte für die vertiefende Lektüre zugegriffen werden. Durch interessante Praxisanwendungen bzw. Fallstudien aus bekannten Unternehmen, etwa Beiersdorf, BSH Bosch und Siemens Hausgeräte, Continental, DHL, Henkel, Lufthansa, Metro, RWE, SAP, Steuler-Firmengruppe, thyssenkrupp und VW, werden praktische Erfahrungen integriert sowie Hilfestellungen für konkrete Anwendungen geliefert. Zu Recht hat das Werk mit der vorangegangenen Auflage 2021 den Lehrbuchpreis des Verbands der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) gewonnen, eine Auszeichnung, die jährlich an ein herausragendes innovatives Lehrbuch verliehen wird.

Zeitgleich mit der Neuauflage des Lehrbuchs ist auch die fünfte Auflage des begleitenden Übungs- und Fallstudienbuchs erschienen. Zu dessen Autorenteam gehört auch Christoph Binder (Professor an der ESB Business School der Hochschule Reutlingen, eine der führenden internationalen Business Schools in Deutschland), der vor allem seine mehrjährigen Erfahrungen aus seiner überwiegend international ausgerichteten Beratungstätigkeit bei McKinsey & Company in die Entwicklung der Praxisfälle eingebracht hat. Diese Auflage enthält u.a. eine interessante neue Fallstudie zum Nachhaltigkeitsmanagement bei der CHT-Gruppe, einer weltweit agierenden Unternehmensgruppe für Spezialchemikalien. Daneben wurden insbesondere einige Übungen und Fallstudien aktualisiert.

Das Übungsbuch gliedert sich in vier Teile:

Im Teil A "Einzelaufgaben" werden 19 voneinander unabhängige und in sich geschlossene Übungen und Beispiele, einschließlich Lösungen, angeboten. Anhand von verhältnismäßig einfachen Zahlenbeispielen lässt sich die praktische Anwendung der verschiedenen Controlling-Instrumente üben und ein erstes Verständnis für deren Einsatzmöglichkeiten sowie für deren Stärken und Schwächen gewinnen. Bei diesen Übungsaufgaben geht es vor allem um die Erstellung von Cashflow- und Kapitalflussrechnungen, um Liquiditäts-, Ergebnis-, Kosten- und Break-Even-Analysen sowie um Budgetierungs- Investitions- und Portfolioentscheidungen.

Teil B "Fallstudie X-presso AG" präsentiert eine durchgängige Fallstudie. Am Beispiel der X-presso AG, einem fiktiven international agierenden Konzern mit zwei Tochterunternehmen, die Kaffee- bzw. Kaffeemaschinen herstellen und vertreiben, lassen sich auf der Grundlage realistischer Markt-, Kosten- und Investitionsannahmen die wesentlichen Instrumente des Controllings im Zusammenhang bearbeiten. Anhand von 13 Fallstudienaufgaben werden Mengenrelationen, Kosten, Preise, Liquidität und Renditen untersucht und die verschiedenen Controlling-Tools, beispielsweise zur Berechnung des BEP, ROCE, CFROI und CVA sowie zur Ableitung von Strategien und Budgets, praktisch angewandt. Dieser Buchteil gliedert sich in zwei Abschnitte: zuerst werden sämtliche Aufgaben vorgestellt, danach findet sich ein Lösungsvorschlag für jede einzelne Aufgabenstellung. Dabei handelt es sich nicht notwendigerweise um die eine richtige Lösung, sondern um einen möglichen Weg zur Bearbeitung bzw. Lösung der Aufgabenstellung. Der Schwierigkeitsgrad und der Bearbeitungsumfang der jeweiligen Aufgaben werden durch eine spezielle Symbolik angezeigt.

Die durchgängige Fallstudie des Teils B wird im Teil C "X-presso Case Study" um eine englischsprachige Version ergänzt. Damit werden die Verfasser der Tatsache gerecht, dass Englisch sowohl in der Lehre als auch in der Controllerpraxis eine immer größere Rolle zukommt. Studierende können sich somit auf der praktischen Ebene gezielt in die englische Fachsprache einarbeiten und den angemessenen Umgang damit erlernen.

Der vierte Teil D "Praxisfälle" stellt eine Reihe namhafter deutscher und internationaler Unternehmen mit komplexen Anwendungsfällen aus ihrer Unternehmenspraxis vor, u.a. Ernst & Young, HUGO BOSS, GARDENA, Bayer, Henkel, Nestlé, Lufthansa, Volkswagen, Daimler, BCG und Alfred Kärcher. Ziel dieser Praxisfälle ist es, den Einsatz ausgewählter Controlling-Instrumente in der Unternehmenspraxis aufzuzeigen und dabei auch auf die unterschiedlichen Herausforderungen aufmerksam zu machen, welche bei der praktischen Umsetzung theoretischer Controlling-Konzeptionen entstehen können.

Im Doppelpack mit dem Controlling-Lehrbuch ist dieser Übungsband für Praktiker und Studierende des Controllings nach wie vor gleichermaßen uneingeschränkt zu empfehlen. Auch Akademie- und Hochschuldozenten des Fachgebiets Controlling können aus dieser "Fundgrube der Controlling-Praxis" eine Fülle von Anregungen sowie praxisnahe Anschauungs- und Übungsbeispiele für den einschlägigen Vorlesungs- und Seminarbetrieb entnehmen.

Einführung in das Controlling
Einführung in das Controlling
Lehrbuch / Übungen und Fallstudien mit Lösungen
598 / 526 Seiten, broschiert

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