Der unerträgliche Mensch
Drei ehemalige Kollegen gehen miteinander zum Angeln - zwei Psychiater und ein Psychologe, der sich unter Psychiatern nicht anerkannt fühlt. Als in Bächen angelnde Fliegenfischer verachten sie Leute, die mit stinkenden Ködern auf Karpfen aus sind und fürchten Publikum, das von Brücken herunter Beifall klatscht oder lacht, wenn ein Wurf daneben geht und im Gebüsch landet. Doch nicht nur in Äußerungsformen des Prestigedenkens und sportlichen Ethos von Anglern erhält der Leser Einblick aus erster Hand. Paulus Hochgatterer ist Psychiater und kennt seine Berufsgenossen bestens.
So legen der Ich-Erzähler und seine Gefährten ihre Assoziationen und Phantasien offen; und daraus entsteht eine ebenso hintergründige wie - zumindest anfangs - auch amüsante Geschichte. Realität und Phantasie des Ich-Erzählers mischen sich, zunächst fast unmerklich, im Laufe der Zeit jedoch zunehmend; das wirkt völlig organisch und gekonnt. Am Ende steht ein spannendes Finale, das sich, nachdem man das Geschilderte schon für Realität hielt, schließlich - und zur Erleichterung des Lesers - auflöst und als Phantasie entpuppt. So wird das kleine Buch auch zu einer Studie über den Wahnsinn und der Leser ist froh, nicht Zeuge eines wirklichen Abgleitens, sondern nur des Spiels mit dem Abgrund geworden zu sein. Vielleicht aber ist das Spiel auch eine Flucht aus etwas Unerträglichem und vielleicht ist das Unerträgliche der Mensch.
Das letzte 2002 erschienene Buch Hochgatterers wurde von der Kritik zu Recht als "eigenwillig" angesprochen; eigenwillig, beeindruckend und unbedingt lesenswert ist auch sein neuestes.
Spätes Glück für Tom Ripley
Im letzten Roman von Patricia Highsmiths berühmter Reihe findet der Titelheld zuerst zu einer Art Läuterung und dann zu einem späten Glück.
Ripley Under WaterZähflüssiges Orange
Der vielstimmig erzählende Roman umkreist Arzu, eine eigenwillige, unabhängige Frau und ihre unklare Beziehung zu Kenan. Die beiden bedeuten einander viel, kommen aber doch nie zusammen.
Turuncunun KıvamıMiteinander reden, miteinander leben
Michael Beleites ermutigt in seinem herausfordernden Buch zu einer Revitalisierung des Landlebens, zu einem „lebensgemäßen Umgang mit der Erde“ sowie zur „Stabilisierung bzw. Wiederherstellung menschenwürdiger Lebensbedingungen“.
Dorf-EthosWas wir nicht sehen
Ein junger Buchhalter bricht aus seiner Routine aus, verlässt Heim, Frau und Kind und streunt ziellos durch die Großstadt. Am Ende des Tages schließt er sich einer Gruppe Obdachloser an und merkt in den Gesprächen mit diesen Leuten, wie seine bisherige Welt aus den Fugen gerät.
Der Gott der anderen„Überlebensnotwendige“ Fragen nach dem Sinn der Welt
Philosophie „als Vergnügen, die Welt zu verstehen und dem Verstehen gemäß zu handeln“. Der Schlüssel dazu liegt nach Steinvorth in autotelen Handlungen und Erlebnissen.
Was Philosophie war, ist und sein kann