Eine zerbrechliche Stimme
Wer hat nicht schon den Wunsch verspürt, mit dem Autor eines Buches, das einem aus der Seele gesprochen hat, in Kontakt zu treten? In der Briefnovelle "Ein unbekannter Freund" von Iwan Bunin (1870-1953), dem ersten russischen Nobelpreisträger von 1933, steht dieser Wunsch am Anfang. Gehegt wird er von einer Frau im mittleren Alter, deren drei Kinder sie nicht mehr brauchen und die sich vom Alltag erstickt fühlt. 14 Briefe schreibt sie innerhalb eines Monats an einen Schriftsteller, und genau diese 14 Briefe sind auch alles, was der Leser zu lesen bzw. der Hörer zu hören bekommt.
Natürlich hofft sie auf eine Antwort. Und natürlich bleibt diese aus. Die Gründe für das Schweigen des Schriftstellers bleiben ganz im Dunkeln. Gerade deshalb versucht die Protagonistin - beseelt vom naiven Glauben, im Autoren einen Seelenverwandten, wenn nicht gar mehr zu finden -, mal flehend und bittend, mal vorwurfsvoll und anklagend ("Ihre Grausamkeit"), ihn zu einer Reaktion zu bringen.
Auf subtile Art wird dabei ihre eigene Not greifbar, ihre Einsamkeit und das daraus entspringende Mitteilungsbedürfnis. Der Interpretin Susanne Lothar gelingt es dabei bestens, ihre wechselnden Stimmungen wiederzugeben. Dass sie die Figur niemals vollends der Lächerlichkeit preisgibt, dass man stets schwankt zwischen Mitleid und nur leiser Belustigung, liegt an der Zerbrechlichkeit dieser Stimme, die einen die innere Not dieser Frau genau so spüren lässt wie der leere Blick eines Trauernden.
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