Blut im Einwanderervorort
Die Mörder kamen im frühen Morgengrauen. Sie richten Jimmy Foro, den Besitzer eines kleinen, rund um die Uhr geöffneten Ladens, und zwei seiner kurdischen Mitarbeiter regelrecht hin. Kommissar Erik Winter, soeben vom Winter und Frühling im spanischen Marbella nach Göteborg zurückgekehrt, steht vor einer ungeheuren Blutlache im bläulich kalten Licht des Ladens des Einwanderervororts Hjällbo und vor vielen Fragen: Wofür sind diese Männer bestraft worden? Wo steckt der kleine Junge, der angeblich alles gesehen hat? Weshalb hat der Taxifahrer, der kurz nach der Tat den Laden betreten hat um Zigaretten zu kaufen, von den Tätern nichts mehr bemerkt? Geht es um Rauschgift?, um Menschenhandel?, um Prostitution? Kurz danach wird ein weiteres Opfer, wiederum in einem Meer von Blut, entdeckt.
In seinem achten Fall gestaltet sich für Winter und sein Team die Aufklärungsarbeit äußerst zäh. Die Ermittler stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Alle Opfer waren Einwanderer aus dem Nahen Osten. Sprachbarrieren, Misstrauen vor staatlichen Organen, Angst vor Abschiebung und Ablehnung jeglicher Kooperation mit der Polizei führen zu Schweigen in der Immigrantenszene und machen jegliche Nachforschungen fast unmöglich. Eine einzige Hoffnung hat Winter zur Aufklärung dieses Falles, er muss den kleinen Jungen finden, der Zeuge dieser Morde sein könnte. Der ungewöhnlich heiße Sommer in Göteborg, die langen Mittsommernächte und das Mittsommerfest, das die Kollegen zusammen mit ihren Familien feiern, werden zum showdown dieses Falles.
Zwar unterscheidet sich Erik Winter aus dem industriellen Göteborg von der Figur seines Kollegen Kurt Wallander aus dem ländlich Ystad deutlich: Winter ist kein kranker, alter, einsamer und draufgängerischer Wolf, sondern fast ein Snob, der mit einer Ärztin verheiratet ist, zwei Mädchen hat und sich um diese kümmert, teure Armani-Anzüge trägt, einen fünfzehn oder fünfundzwanzig Jahre alten Glenfarclas trinkt und gerne John Coltrane mit dem Sänger Johnny Hartmann hört. Aber ähnlich wie Wallander sieht auch Winter die düsteren Seiten der schwedischen Gesellschaft, voller sozialer Widersprüchlichkeiten und tiefer Abgründe und stellt sich die Frage nach der Richtigkeit seines Handelns.
Das Buch ist spannend, liest sich flüssig und ist in einer klaren Sprache geschrieben. Es ist jedoch ein Roman des nachdenklichen Dialogs, des genauen Hinhörens von Aussagen und Interpretierens von (Ver-)Schweigen und kein Roman spektakulärer Aktionen. Die Gespräche und Verhöre mit den Angehörigen, Verdächtigen und Zeugen werden in wörtlicher Rede, oftmals nur in kurzen Sätzen, wiedergegeben - so auch das brainstorming zwischen Winter und seinem Mitarbeiter. Tagebuchähnliche Einschübe eines Erzählers, spiegeln das Leid und das Schicksal, die Flucht und die vielen widrigen Umstände der Asylanten auf ihrem Weg nach Europa wider.
Es ist sicher kein Zufall, dass der neueste Roman von Henning Mankell ("Der Chinese") mit einem Massenmord in der schwedischen Provinz beginnt. Beiden Autoren, Mankell und Edwardson, geht es häufig um die Abgründe unserer Parallelgesellschaft. Familie ist oftmals nur eine politische Metapher und die Morde im Milieu stehen nicht selten für Herrschaft, Missbrauch und Versklavung sozialer und ethnischer Gruppen.
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