Kunst

Zappa: Never a Hippie. Always a Freak.

"I was never a Hippie, I was always a freak, but never a Hippie", meint Frank Zappa über seinen Beitrag zur Kulturgeschichte der Sechziger. Jazz, Rock, Folk und Klassik gehörten zum Repertoire des Bürgerschrecks Frank Zappa, der sogar auf der Bühne seinen Kot gegessen haben soll. Der leider mit 52 Jahren viel zu früh verstorbene Künstler wird in unvergessenen Interviews, seltenem Archivmaterial und einem bewegenden Storytelling auch einem jüngeren Publikum vorgestellt, das sich an das alles weder erinnern noch dabei gewesen sein kann: auch Franz Zappas Karriere begann nämlich in dem magischen Jahr 1967.

Opfer der Zensur

Interviewt zu werden ist die unnatürlichste Situation der Welt, meint Zappa in einem Interview, er hatte das Business zu diesem Zeitpunkt schon 17 Jahre überlebt und das war damals keineswegs einfach, denn seine Sachen wurden niemals im Radio gespielt, jedenfalls nicht in den USA. Die Zensur beanstandete seine Texte und sah in allem sexuelle Anspielungen, auch wenn es gar keine waren. So etwa in einem Song in dem aus "pad" (eigentlich: Block) "sanitary napkin" assoziiert wurde, obwohl Zappa in dem Song eigentlich nur eine Kellnerin bei ihrer Arbeit beschrieb. Als der Interviewer ihm dann vorwirft ein Ausbeuter der Revolution zu sein, bleibt Zappa aber sehr ruhig, denn natürlich hat er trotz allem auch sehr viel Geld mit seiner Musik verdient. Ihn deswegen aber gleich als Ausbeuter zu beschimpfen, ist dennoch denkbar unangebracht, spiegelt aber auch den Geist seiner Zeit wider, die zwar Helden haben wollte, sie aber pausenlos demontierte. "We’re only in it for the money" hieß etwa das dritte Album von Franz Zappas Band Mothers of Invention und es war eine Persiflage auf Sgt. Pepper’s Lonely Heart Club Band von den Beatles. Klar, dass ein Journalist dieses Thema aufgreifen musste, um Zappa ebenfalls Ausverkauf vorzuwerfen.

Famous but unkown

Mit 15 hatte er mit Musik angefangen, aber erst mit 21 seinen ersten Rock'n Roll Song geschrieben. Damals Musiker zu werden, hieß, zum "scum of the earth" zu gehören, denn keiner wollte damals diese Musik hören oder hätte dafür credits vergeben. Auch der Vorwurf, dass er zum Hippie-Establishment gehöre, sei aus der Luft gegriffen, denn vom Komponieren könne man besonders in den USA zu dieser Zeit nicht leben, kontert Zappa seinen Interviewer. Frank Zappa erzählt dann auch von einem Auftritt in Berlin wo ihn die radikalisierten StudentInnen mit Ho Ho Ho Tschi Minh Rufen begrüßten und ihn erst spielen lassen wollten, wenn er sich solidarisch mit ihnen und ihren linken Anliegen erklären würde. Aber seine Band drehte die Musik einfach so laut auf, dass die antifaschistischen Faschisten einfach zurückgeblasen wurden, erzählt Zappa. "Oooh Oooh, how I love you sugar, I get so hard now I could die", heißt es in einem anderen Test, aber der größte Hit wurde das sarkastische "Bobby Brown", das in Norwegen sogar zur bestverkauften Single der Zeit avancierte, die Leute tanzten damals Schleicher dazu, amüsiert sich Zappa, hätten sie den Text verstanden, wären sie wohl anders mit dem Song umgegangen. "I’m famous but people don’t actually know what I do", so Zappa über Zappa.

"I only do it for music"

Auf den Vorwurf der Obszönität rechtfertigt er sich mit den Worten: "I use my mother tongue at the upmost of it’s capacity". Es gebe eigentlich keine obszönen Worte, das sei nur eine Erfindung von Regierung und Religion, um uns dumm zu halten. "I can hardly sleep at night, 'cause I worry 'bout my penis dimension", dichtet Zappa und meint, er sehe sich selbst ehr als Dirigent denn als Chef der Band. Der Bürgerschreck führte selbst eigentlich ein sehr bürgerliches Leben, er hatte eine Frau, die er gerne mit "mean little sucker, she's an excellent boss" titulierte und vier Kinder sowie ein Eigenheim. Zappa hatte auch Leute aus seiner Band gefeuert, weil sie Drogen nahmen. Er war auch der erste, der das Thema Groupies öffentlich ansprach, "das schönste Ergebnis der Sechziger seien eigentlich die Groupies gewesen, meint er unverhohlen kokett. Einmal hätte ihn sogar der Papst persönlich zu einem Konzert in den Vatikan eingeladen, aber er lehnte es ab. Er wollte für keine Veranstaltungen von politischen Organisationen spielen, auch nicht für die Kommunisten. Seinen letzten Kampf führte er gegen Tipper Gore und deren PMRC sowie die Zensur (Censorship) unter der "fascist theocracy under Reagan" (O-Ton Zappa). Einen wohlverdienten und sehr warmen Empfang bereiteten ihm seine tschechischen Fans nach der Wende, Präsident Vaclav Havel inklusive. "It’s not important being remembered" meinte Zappa in seinem letzten Interview vor seinem Tod. Exzentrisch ja, Genie vielleicht, antwortete er kokett auf die Frage der Journalistin. Ein Film, den man allein wegen Zappas cooler Stimme schon lieben wird.

Eat That Question
Thorsten Schütte (Regie)

Eat That Question


Arsenal 2017
Laufzeit: 89 Minuten, 46 Minuten (Bonus-Material)
EAN 4015698009279

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