Berührungen
Mit "Dokunma Dersleri" (Berührungskursus) hat der 1977 geborene Schriftsteller Yalçın Tosun sein drittes Buch vorgelegt. Wieder handelt es sich um eine Zusammenstellung von teilweise sehr kurzen Geschichten, und der Autor bleibt seinen beiden ersten Büchern auch stilistisch treu. Teilweise greift er auf dieselben Erzählmittel zurück, wie die abwechselnde Schilderung derselben Geschichte aus der Perspektive zwei verschiedener Ich-Erzähler.
In "Berührungskursus" nimmt sich Tosun in mehreren Geschichten explizit des Themas homoerotischer Beziehungen an. Einfühlsam schildert er die Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen, wenn sie sich bewusst werden, dass sie anders sind als andere, den Spott, dem sie ausgesetzt sind, wenn sie sich nicht in die für sie vorgesehene Geschlechterrolle fügen mögen oder können, auch die Sprachlosigkeit der Eltern, wenn sie die von ihren eigenen abweichenden Neigungen ihrer Kinder spüren. Die Eltern-Kind-Beziehung bzw. die Beziehungslosigkeit zwischen Eltern und Kindern, Verständnislosigkeit, die Unfähigkeit zueinander Kontakt aufzunehmen und einander nahe zu sein ist ein wiederkehrendes Thema in den Erzählungen dieses Bandes. Tosun prangert Heuchelei und Verlogenheit in und außerhalb der Familie an, ohne jedoch den moralischen Zeigefinger zu erheben.
Ein lesenswertes Buch über zwischenmenschliche Berührungen und Beziehungen, das zu denken gibt.
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