Liebe durchleuchtet
Blättert man durch die ersten Seiten dieses Buches, sticht die Abbildung eines Hirnes mit eingefärbten Regionen ins Auge. Wirft man dann noch einen Blick auf die letzten Seiten, wo Literaturhinweise sowie 357 Anmerkungen und Quellenangaben untergebracht sind, könnte man meinen, hier liege eine trockene wissenschaftliche Abhandlung jenseits jedes Praxisbezugs vor. Wer diesen Schluss zieht, irrt. Bas Kast hat einen Beziehungsratgeber erster Güte verfasst.
Mit Wissenschaft hat das alles trotzdem viel zu tun. Kast hat - mit der Unterstützung zweier Rechercheurinnen - etliche Studien, die dem Phänomen Liebe gewidmet wurden, gesichtet und allgemeinverständlich aufbereitet. Ohne sich lange kritisch mit der Methodologie der jeweiligen Studie auseinanderzusetzen - dies hat er, so darf man hoffen, im Vorfeld bei der Auswahl der Studien getan -, konzentriert er sich auf die Ergebnisse. Die Leserinnen und Leser erfahren zum Beispiel, was die Wissenschaft zur Kunst der Verführung sagt, ob die Schönheit tatsächlich so wichtig ist, wer zu wem passt, wie Eifersucht entsteht, wieso sich viele Paare strammen Schrittes auf eine Scheidung hinbewegen und was die glücklichen Paare anders machen. Dabei bleibt der Autor nicht auf Distanz, sondern appelliert geradezu und spricht direkt an: "Je gründlicher Sie die apokalyptischen Reiter [Kritik, Verteidigung, Verachtung, Rückzug und Machtdemonstration] aber aus Ihrer Partnerschaft verbannen, desto konstruktiver werden Sie Ihre Konflikte beilegen können." (s. 189) oder "Das Ignorieren des Partners sollte aber unter keinen Umständen zur Regel werden." (s. 168) oder "Bei Schwierigkeiten, die sich nicht lösen, sondern nur teilen lassen, ist Ihre Anteilnahme die grösste Hilfe, die Sie Ihrem Partner geben können." (s. 174)
Nebenbei stellt Kast so manche "Wahrheit" richtig. Es müsste nämlich nicht das "verflixte siebte Jahr", sondern "das verflixte vierte Jahr" heissen. Auch hält er fest, dass es nicht die Selbstoffenbarung, also die totale Öffnung gegenüber dem Partner, ist, die eine Beziehung festigt, sondern dass der Schlüssel in ganz normalen Alltagsgesprächen liegt. Lange wurde als besonders zentral angesehen, wie man im Streit miteinander umgeht. Aus dem Streit kann zwar vieles über den Zustand und die Chancen einer Beziehung abgeleitet werden, es sind aber wiederum die banalen Alltagsgespräche, die nach den heutigen Erkenntnissen entscheidender sind: "Die Meister der Ehe zeigen, […], ihre Zuwendung nicht nur in Spezialsituationen, sondern wann immer es geht, also beispielsweise auch beim Kaffeetrinken, Geschirrspülen oder bei einem unscheinbaren Einkauf im Supermarkt." (s. 175)
Bas Kast, der bezeichnenderweise Psychologie und Biologie studiert hat, ist es gelungen, auf der Basis wissenschaftlichen Materials einen praktischen Ratgeber zu verfassen, der zudem mit der nötigen Lockerheit geschrieben ist. Dies ist sein zweites Buch. Auf sein nächstes darf man sich freuen.
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