Die Reifeprüfung
"You're the first thing for so long that I've liked. The first person I could stand to be with. My whole life is such a waste. It's just nothing", gibt der College-Absolvent Benjamin Braddock (Dustin Hoffman) seiner Verzweiflung Ausdruck. Er ist zwischen der 42-jährigen Mutter Robinson und ihrer neunzehnjährigen Tochter Elaine hin- und hergerissen, als er Letzterer endlich dieses Geständnis macht. Aber kommt es bereits zu spät?
Hast du keinen Aschenbecher?
The Graduate – so der amerikanische Originaltitel – brach 1967 im Jahr seines Erscheinens nicht nur Tabus, sondern überwand sie auch. Gleich in einer der ersten Szenen wird Old Hollywood zitiert, wenn Anne Bancroft, die von Simon & Garfunkel besungene "Mrs. Robinson", den abgedunkelten Raum des Jugendzimmers von Benjamin betritt. Aber ihre Frage ist nicht die, die Bacall 1948 in To Have and Have Not Bogart stellte ("Anybody got a match?"), sondern eine nach einem Aschenbecher. Diesen gibt es logischerweise in einem Jugendzimmer nicht, und so äschert sie in seinen Papierkorb, was Benjamin ziemlich verwirrt, aber auch herausfordert. Benjamin ist gerade zum "Sportler des Jahres" gekürt worden und auf der Suche nach Bestimmung für sein Leben. Die im Film rund 20 Jahre ältere Mrs. Robinson, eine Freundin seiner Eltern, weiß um seine Verwirrung und macht sich diese zunutze. Als er sie in ihrem Haus besucht, versucht sie, ihn zu verführen, und tritt nackt in das Jugendzimmer ihrer Tochter Elaine, wohin sie ihn gelockt hat. Dort hängt ein Porträt von Elaine an der Wand, in dessen Glas sich die nackte Mutter spiegelt und ihn auffordert, sie anzufassen. Es bleibt vorläufig bei dem Angebot. Doch der Verlockung kann sich Benjamin auf lange Sicht nicht entziehen. "Are you trying to seduce me, Mrs. Robinson?" war lange Zeit ein Code unter Eingeweihten, für die der Film eine erste Offenbarung bezüglich des später gehypten MILF-Sujets wurde. Dabei war der Altersunterschied zwischen den Schauspielern Hoffman und Bancroft nur sechs Jahre (!).
Swimmingpool-Sommerfilm voller Raffinesse
Die Reifeprüfung ist nicht nur aufgrund seiner subjektiven Kameraführung ein Meilenstein der Kinogeschichte und könnte auch mühelos in eine Serie der Swimmingpool-Sommerfilme eingereiht werden, darunter: Swimmingpool (1969) mit Alain Delon und Romy Schneider, La Piscine (2003) oder auch A Bigger Splash (2015). Denn Die Reifeprüfung glänzt durch viele für die damalige Zeit geradezu revolutionäre Einfälle. Darunter die Überblendung vom Schwarz eines Hotelzimmers, wo Ben auf Mrs. Robinson liegt, zu dem Pool, in den er auf seine Luftmatratze hüpft.
Unvergesslich, wie Benjamin sich beim ersten Stelldichein ein Hotelzimmer mit der Nummer 568 nimmt und beinahe vergisst, die Nummer an Mrs. Robinson weiterzugeben, so nervös ist er. Wichtig auch das Gespräch mit seinem Vater, das ebenfalls im Pool auf der Luftmatratze liegend stattfindet: "Naja, ich würde sagen, ich träume so vor mich hin", auf die Frage, was er mit seinem Leben eigentlich vorhabe.
Sehr bezeichnend für das Verhältnis zu seinen Eltern ist auch die Szene mit dem Taucherkostüm, die ihn – mit subjektiver Kameraführung – in den hintersten Winkel des Pools führt, wo er still verharrt, um den Erwachsenen zu entkommen. Der große Showdown, der eingangs schon angedeutet wurde – dass Benjamin sich nämlich doch für die Tochter und nicht die Mutter entscheidet –, ist zudem so spannend gestaltet, dass man den Tabubruch beinahe vergisst: Denn Benjamin entführt die Braut nicht vor, sondern nachdem sie verheiratet ist. "There's a great future in plastics" (Plastik ist die Zukunft) wurde ebenso zu einem geflügelten Filmzitat wie die oben schon angesprochenen Lieder von Simon & Garfunkel des Soundtracks.
Die 3-Disc-Special-Edition (UHD, Blu-ray, CD) zum beinahe 50-jährigen Jubiläum bietet viele Extras und den Originalfilm erstmals in 4K UHD.
Extras: 3-Disc-Special-Edition UHD, Blu-ray, CD; Looking Back – Ein Film der 60er Jahre, Interviews mit Romanautor Charles Webb und mit Dustin Hoffman, Szenenanalyse, Die Rolle der Musik im Film, Interview mit Lawrence Turman, Dokumentation über Mike Nichols, Die Reifeprüfung – 25 Jahre später, Students of the Graduate, Audiokommentare, Behind the Scenes, Gallery, 48-seitiges Booklet. Auszeichnungen regnete es bereits ein Jahr später: Oscar 1968 für Mike Nichols (Beste Regie), Golden Globe 1968 für Mike Nichols, Anne Bancroft, Katharine Ross, Dustin Hoffman.
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