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Moritz Stetter: Die Knef 101 Jahre Die Knef

08. Mai 2026
von Juergen Weber

„Von nun an geht's bergab", der lapidare Stehsatz aus einem ihrer Chansons wird zum Kapitelbrecher in dieser abwechslungsreichen und bunten Biographie der deutschen Sängerin, Schauspielerin und Schriftstellerin Hildegard Knef. Dabei war der ironische Kommentar zu ihrer Karriere alles andere als zutreffend, denn bei der „Neff", wie sie in den USA hieß, ging es immer wieder rauf und runter. Bergab und bergauf…

Hildegard: Bergauf und Bergab ein Leben lang

Geboren vor 101 Jahren und aufgewachsen im nationalsozialistischen und dann zerbombten Berlin lernte die junge Hildegard, dass es nur einen Weg gab, dem RAD zu entkommen: Sie muss Schauspielerin werden. Sogar Reichspropagandaminister Goebbels hatte sich für sie interessiert, aber sie konnte seinen Einladungen elegant entgehen. Man nannte ihn damals den „Bock von Babelsberg", nach dem Sitz der Filmindustrie in jenem Ort außerhalb Berlins nahe Potsdams. Nach dem Krieg kam sie über Kurt Hirsch zur Ufa und durch den ersten deutschen Nachkriegsfilm Die Mörder sind unter uns (1946) wird sie schlagartig berühmt.

Bald wird sie zum Prototyp der modernen, unabhängigen Frau, was in vorliegender Comic-Biographie auch liebevoll illustriert wird. Filmstreifen oder Filmplakate zeigen im Hintergrund ihre größten Erfolge, während sie davor steht und schmauchend eine Zigarette raucht. Damals eine Insignie der Befreiung und Selbständigkeit der Frau, denn bisher hatten nur Männer im deutschen Film geraucht.

Als sie den US-amerikanischen Filmproduzenten David O. Selznick kennenlernt, geht sie nach „Hollywoodland", wo sie als „ehemalige Nazibraut" aber nur sehr schwer vermarktet werden kann. Immerhin trifft sie auf einer dieser Partys Marlene Dietrich, die sich in ihr wiedererkannt hat. Moritz Stetter zeigt seinen „Star" in vielen Großaufnahmen und zeichnet das Bild einer aufregenden, interessanten Persönlichkeit, die niemals aufgab, auch wenn es mal wieder „bergab" ging.

Von der Knef zu Neff zur Knef zu Hildegard

In einer purpurrot-schwarzen Traumsequenz zeigt Moritz Stetter auch, wovor sich Hildegard am meisten fürchtete, oder sie spaziert am Broadway im Pelzmantel mit Marlene, die sie scheinbar auch mit Medikamenten vertraut machte. Mit vielen Pillen im Gepäck kommt es schließlich zum Comeback der Knef in Deutschland: Die Sünderin (1951) wird zwar von der katholischen Kirche stark angegriffen, ist aber auch für den großen Erfolg von 6,5 Millionen Kinobesuchern bei der Uraufführung mitverantwortlich. 5 Sek. Nacktszene machten aus der Knef ein „sündiges Weib", dabei war es doch nur die Rolle, die sie für Regisseur Willi Forst spielen musste.

Zurück in Hollywoodland erlebt sie auch dort ein Comeback und beginnt, erste Schallplatten zu besingen. Am Broadway spielt sie die Garbo in einer Bühnenadaptation von Silk Stockings und triumphiert. Aber es wäre nicht die Knef, wenn es von da an nicht wieder „bergab" gegangen wäre. Zu einem der dunkelsten Kapitel in ihrem Leben zählten sicherlich ihre Krebs-Operationen, die sie auch in einer zweibändigen Autobiographie verarbeitete. Auch hier brach die Knef übrigens wieder Rekorde: Der erste Teil, Der geschenkte Gaul, wurde drei Millionen Mal verkauft und landete 1970 auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste. Er wurde in 17 Sprachen übersetzt. Hildegard Frieda Albertine Knef wäre 2025 100 Jahre alt geworden.

Eine visuelle Annäherung an die Ausnahmekünstlerin finden Sie auch hier!

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Buchcover von Die Knef
Moritz Stetter (Illustration)
Die Knef
208 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-55177038-7
Carlsen 2026