Kohlenhydratarm und fettreich
Was ist die gesündeste Art und Weise sich zu ernähren? Folgt man einfach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE)? Oder leben Vegetarier nicht doch gesünder? Ist der Veganismus nicht noch konsequenter und besser? Oder doch lieber Paläo-Ernährung? Low Fat oder Low Carb? Die Autoren der zwei hier vorgestellten Bücher sind überzeugt von Low Carb High Fat (LCHF).
Neuer Atkins auf Deutsch
"Die aktuelle Atkins-Diät" ist das neueste auf Deutsch verfügbare Buch zur Ernährungsweise nach Atkins. Diese Diät zählt zur ketogenen Ernährungsweise. Hierbei bezieht der Körper seinen Energiebedarf nicht primär aus Glukose, sondern aus Fett. Allein der Gedanke, sich vorwiegend von Fett und nicht überwiegend, wie offiziell empfohlen, von Kohlenhydraten zu ernähren, mag manchem als absurd erscheinen. Die US-amerikanischen Professoren für Medizin und Bewegungswissenschaft, die dieses Buch verfasst haben, argumentieren gegen die allgemein herrschende Vorstellung, dass der Verzehr von viel Fett ungesund sei. Sie empfehlen eine drastische Einschränkung der täglichen Zufuhr von Kohlenhydraten. Die Atkins-Diät richtet sich nun auch (mit eigenen Kapiteln) an Vegetarier und Veganer, die es allerdings zweifelsohne schwerer haben, ausreichend gesundes Fett und gleichzeitig sehr wenig Kohlenhydrate zu sich zu nehmen.
Der Ablauf der Diät ist eingeteilt in vier Phasen, beginnend mit der "Einleitungsdiät", während der man nur 20g Kohlenhydrate täglich verzehren darf. Beim Einstieg gibt es auch die meisten Probleme. Was isst man überhaupt (noch)? Was gilt als gesund und in welchen Mengen? Das Buch liefert Antworten und sogar Speisepläne und Rezepte. Doch was, wenn die Ergebnisse in der Praxis schließlich anders aussehen als im Buch beschrieben? "Mattigkeit, Verstopfung, anhaltende Kopfschmerzen und Wadenkrämpfe deuten auf Salzmangel hin" (S. 165). Auf die Gefahren einer zu hohen Salzzufuhr gehen die Autoren jedoch nicht ein, sondern wischen diesbezügliche Bedenken einfach damit weg, dass Salz "verteufelt" (S. 165) wurde. Stellt sich trotz genügendem Salzverzehr Mattigkeit ein, könnte das auch am Verhältnis von Natrium zu Kalium liegen, denn andernorts heißt es "Je mehr Natrium aufgenommen wird, desto mehr Kalium scheidet der Körper aus."1. Dies wird im Buch jedoch nicht angesprochen. Schade ist außerdem, dass die Übersetzung aus dem US-amerikanischen Englisch die Maßangaben lediglich wörtlich übernommen hat. Doch wer misst bspw. im deutschen Sprachraum seinen Salat in der Volumenangabe Tasse (engl. cup)?
Vollmundige Versprechen aus Südafrika
Während das Buch zur Atkins-Diät aus über 500 Seiten dichtem Text, inklusive Quellenangaben, Glossar und Register, besteht, wählt der Südwest-Verlag einen anderen Ansatz für sein Buch "Die High-Fat-Revolution". Es ist größer, bunter und etwa die Hälfte der knapp 300 Seiten besteht aus ganzseitigen Fotos. Viel Raum auf den Seiten bleibt einfach weiß, der Zeilenabstand ist ziemlich groß und in großer Designer-Schriftart in Großbuchstaben gesetzte Aussagen sind eher schwer lesbar. Die Autoren sind "Der Wissenschaftler" (wie er auf dem Klappentext genannt wird) Tim Noakes, Professor für Sportwissenschaft und Sportmedizin in Südafrika, "Der Koch" Jonno Proudfoot, ebenfalls aus Südafrika, und "Die Ernährungsspezialistin" Sally-Ann Creed, eine Ernährungsberaterin.
Großspurig kündigt der Klappentext an, dass dieses Buch Schluss mache mit dem fatalen Irrtum, Fett sei ungesund (vgl. S. 0). Die Erkenntnis, dass die Ergebnisse der Low-Fat-Studien der vergangenen Jahrzehnte nicht so eindeutig sind, wie man vor einiger Zeit noch annahm, ist jedoch eher das Verdienst Nina Teicholz' und ihres Buches "The Big Fat Surprise" als das Tim Noakes' & Co. Die wissenschaftliche Grundlage der "High-Fat-Revolution" ist nämlich äußerst dünn. Es mag ja sein, dass eine Low-Fat-High-Carb-Ernährung, wie sie offiziell empfohlen wird, nicht ausreichend wissenschaftlich begründet ist. Schon die Schlussfolgerung, die kohlenhydratreiche, fettarme Ernährung sei verantwortlich für die Zivilisationskrankheiten Fettleibigkeit und Diabetes ist jedoch vorschnell. Woher wissen die Autoren denn, dass die Menschen sich auch nur annähernd so ernähren, wie es empfohlen wird? Könnte nicht bspw. auch übermäßiger Zuckerkonsum dafür verantwortlich sein? Um diese Fragen eindeutig zu beantworten, fehlen schlicht die entsprechenden klinischen Studien.
Die vermeintlichen Belege, die Tim Noakes im "wissenschaftlichen" Kapitel ab S. 242 anführt, sind ebenfalls sehr dünn und derart schlampig dargestellt, dass es als unbrauchbar gelten muss. Er gibt die Datenquellen für seine Diagramme und Berechnungen meist überhaupt nicht an. Wenn er dies ausnahmsweise macht (wie bspw. auf S. 255 bei Abb. 9), tut er dies meist mit einer verkürzten Literaturangabe, deren vollständige Version im Literaturverzeichnis fehlt. Andere Diagramme sind widersprüchlich bzw. falsch beschriftet (Abb. 5 und 6). All das sind grobe Verfehlungen wissenschaftlicher Standards. Und genau das wirft Noakes den Low-Fat-Studien von Ancel Keys vor. Er misst offensichtlich mit zweierlei Maß.
Wir wissen es nicht
Beide Bücher geben vor zu wissen, dass LCHF die gesündere und bessere Ernährungsweise sei. Doch ist das eine gesicherte Erkenntnis? Wohl kaum. Klinischen Studien, die Kontrollgruppen miteinander vergleichen, die auch wirklich die entsprechende Kost zu sich genommen haben, sind nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Angesichts der widersprüchlichen Publikationen aus der Ernährungswissenschaft und den Nachbardisziplinen muss man eher die Frage stellen: Was wisst ihr überhaupt?
Zu einem gewissen Teil bleibt Ernährung also eine Frage des Glaubens und des Vertrauens - nicht zuletzt in die eigenen Erfahrungen. Großspurige Bücher mit vorschnellen Schlussfolgerungen wie das von Noakes, Proudfoot und Creed schaden der ehrlichen Suche nach Erkenntnis eher als dass sie nützen.
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