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Reinhard Müller: Deutsche Dogmen Politische Provokationen

28. Juni 2026
von Thorsten Paprotny

Dogmen kennen Christen aus der Welt des Glaubens. Reinhard Müller widmet sich indessen ganz anderen Dogmen, nämlich den Glaubenssätzen, die die Kulisse und teilweise bemerkenswert irritierende Wirklichkeit des politischen Lebens in Deutschland bilden. Er diskutiert pointiert, scharfsinnig wie scharfsichtig zeitgenössische „Ansichten", die „wie letzte Weisheiten" auftreten.

Jeder Mensch sei frei, sein Heimatland zu verlassen, aber niemand habe „Anspruch auf Einwanderung in das Land seiner Träume". Müller kritisiert die bestehende Asylpraxis in Deutschland, sieht aber in dem berechtigten Anspruch auf Asyl bei politischer Verfolgung eines Individuums keine Grundlage für ein „Recht auf Masseneinwanderung". Müller gibt zu bedenken: „Nicht nur die Zahl der hier lebenden Menschen erhöht sich, die natürlich alle menschenwürdig versorgt werden müssen. Nicht nur die Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich. Sondern auch das Volk. Das Volk, von dem nach dem Grundgesetz alle Staatsgewalt ausgeht." Auch „Homogenität" solle nicht verordnet werden, Müller mahnt aber zu Realismus mit Blick auf Einwanderung und Asylrecht.

Provokativ äußert er sich auch zur Atomkraft, die hauptsächlich biographisch abgelehnt werde. Er befürwortet eine Überwindung des „Atom-Tabus", um die Existenz Deutschlands zu sichern: „Es ist bigott, die Kernenergie weiter zu verteufeln und zugleich Atomstrom aus dem Ausland zu importieren." Müller erinnert an die maßgebende Unterscheidung von sozialen Zuschreibungen und biologischen Gegebenheiten. Tatsachen seien zu bekräftigen, unzumutbar aber sei es, wenn, „wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk geschehen", ein „kleiner Junge auf der Straße nach seinem Namen gefragt wird, und als er mit »Friedrich« antwortet, die Nachfrage des Reporters kommt: »Bist du sicher?«" Der Autor positioniert sich eindeutig: „Hier wird Dummheit zur Ideologie. Das Bestreben, alle gleich zu behandeln, und zwar – anders als der Gleichheitssatz vorschreibt – nicht nur wesentlich Gleiches, sondern auch Ungleiches. Und mehr noch: Man zieht auch Kinder und Jugendliche, die sich altersbedingt ohnehin in einer Phase des Suchens befinden, in diesen Wahn hinein."

Kritik übt Reinhard Müller an diesen und vielen anderen Themen, so auch an den medial und politisch hofierten Protestaktionen der „Fridays for Future"-Bewegung. Das „regelmäßige Schuleschwänzen an Freitagen" sei ein „organisierter Rechtsbruch", der stärker noch von den „Klimaklebern" der „Letzten Generation" betrieben würde. Kann der Einsatz für den tatsächlichen oder vermeintlichen „Klimaschutz" solche Aktionen rechtfertigen? Müller bezeichnet diese Proteste als „kriminelles Handeln": „Jeder könnte sich mit einem wichtigen, höheren Ziel dasselbe herausnehmen. Für das Vaterland, für Europa, für den Schutz des ungeborenen Lebens – um nur ein paar zu nennen, die durchaus von Verfassungsrang, aber derzeit nicht ganz so en vogue sind. Jeder könnte mit leichter Begründung jedes Delikt begehen, gleichsam seine eigene Ordnung schaffen. Ja, letztlich liefe es darauf hinaus: Die Herrschaft des Rechts des Stärkeren."

Reinhard Müller hat ein im besten Sinne provokatives Buch vorgelegt, eine Streitschrift, in der zielgenau eine Reihe von politischen Problemen in Deutschland benannt wird, Probleme, über die kontrovers diskutiert werden könnte, sollte und müsste. Der Dogmenkritiker Müller fordert heraus – und wer sich auf diese Anregungen zum kritischen Nachdenken einlassen möchte, dem sei das Buch empfohlen. Natürlich sind auch Müllers Analysen nicht „letzte Weisheiten", aber sie regen an zu einer fundierten Debatte über Fragen der Zeit.

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Buchcover von Deutsche Dogmen
Reinhard Müller
Deutsche Dogmen
Von Asyl bis ziviler Ungehorsam
184 Seiten, gebunden
ISBN 978-3-96251231-6