Des Teufels Bad Eine melancholische Groteske
Der Film wurde als österreichischer Kandidat für den besten internationalen Film für die Oscarverleihung 2025 eingereicht. Außerdem wurde er mit dem Silbernen Bären in der Kategorie Herausragende künstlerische Leistung (Martin Gschlacht, Kamera) auf der Berlinale und einer Reihe weiterer Preise ausgezeichnet. Der Soundtrack stammt zudem von der Hauptdarstellerin Anja Plaschg, die unter dem Namen Soap&Skin schon eine internationale Karriere verzeichnet.
Agnes, vita dolorosa
Als „Bad des Teufels“ wurde oft die Melancholie beschrieben. Der Film basiert nämlich auf dem Buch „Suicide by Proxy in Early Modern Germany: Crime, Sin and Salvation“ von Kathy Stuart und auf Strafprozessakten des 18. Jahrhunderts. „Des Teufels Bad“ spielt in Oberösterreich, Mitte des 18. Jahrhunderts, inmitten einer Welt, die von Aberglauben, Strafe und Sühne geprägt ist. Als eine Frau ihr Kind tötet, wird sie nicht nur geköpft, sondern auch zur Schau gestellt. Einer ihrer Finger wird der jungen, frisch verheirateten Agnes (Anja Plaschg) von ihrem Gatten Wolf (David Scheid) als Glücksbringer für eine von Kindern gesegnete Ehe geschenkt. Aber der erhoffte Kindersegen bleibt aus, nicht etwa, weil Agnes nicht schwanger werden kann, sondern weil Wolf nicht mit ihr schläft. Die Schwiegermutter mag Agnes nicht besonders, und bei ihren Besuchen in deren Haus belehrt sie sie. Als Agnes Rattengift zu sich nimmt, um ihr für sie tristes Leben zu beenden, wird sie zwar gerettet, jedoch aus dem Hause und der Ehe verstoßen. Da entwickelt sie die Idee zu einem Suicide by Proxy.
Heimatfilm als Groteske
Die eindrucksvollen Bilder von Martin Gschlacht haben ihren Berlinale-Preis nicht umsonst bekommen. Wir tauchen ein in eine Welt der Natur: das Grau des Himmels, der Wald und ein Fluss, in dem nach Karpfen gefischt wird. Die Darstellung der Melancholie wird nicht nur in Agnes’ Gemüt von Anja Plaschg eindringlich dargestellt, sondern auch in den Bildern der Landschaft und in einem Leben in Einsamkeit und Kargheit. Eine eindrucksvolle schauspielerische Leistung für die Musikerin, die als Schauspielerin ein famoses Debüt gibt. Nichts für Depressive!
Die Extras: Berlinale-Panel in der Charité zu Frauen und Ritualmord anlässlich "Des Teufels Bad", Interviews, Trailer. Dass Suicide Ende des 17. Jahrhunderts eine Methode war, um der Exkommunikation aufgrund eines Selbstmordsakrilegs zu entgehen, haben wir selbstverständlich der katholischen Kirche zu verdanken. Durch die bald folgende Aufklärung konnte noch Größeres teilweise verhindert werden. Groteske bezeichnete ursprünglich übrigens Höhle (von italienisch grottesco zu grotta) und ist heute ein künstlerischer Gattungsbegriff, der als Stilmittel auch ein ganzes Genre prägte, in bildender Kunst, Literatur, Musik und den darstellenden Künsten.
Alle Rezensionen von Juergen Weber
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