Die Öffnung der Kuppel
Der Début-Roman von Janko Kozmus spielt in der Zukunft. Schauplatz ist Afrika. Die Menschen leben unter Energiekuppeln in den Städten, da die Atmosphäre künstlich geschaffen werden muss. Jedes Jahr findet eine rituelle Öffnung der Kuppeln statt und ein erlauchter Kreis ("die Oberschicht") darf die Wüste "begehen". Die Zurückgebliebenen sind in dieser Zeit in ihren Häusern eingeschlossen und dürfen das zu einem TV-Spektakel hochstilisierte Ereignis an Bildschirmen verfolgen. Es wird deutlich, dass die Menschen den Bezug zur Natur verloren haben. Harmlosen Äffchen begegnen sie eher mit Panik als mit Faszination und Waffen, um sich vor wilden Tieren zu schützen, sind selbstverständlich. Die einzige Person, die den Schritt wagt und in Kontakt mit den Naturwesen tritt, indem sie ins Wasser springt und mit Delphinen spielt, geht vor den Augen der Zuschauer unter und bestätigt so die feindliche Haltung gegenüber der natürlichen Umwelt. Dass eine "Begehung" Tote fordert, ist nicht neu.
Will man in diese Konstellation etwas hineininterpretieren, könnte man zum Schluss kommen, der Autor wolle ein überhöhtes Bild der gegenwärtigen Entwicklung unserer Zivilisation zeichnen: Zunehmende Urbanisierung, Entfremdung von der Natur, Zerstörung der Umwelt, Zweiklassengesellschaft (mobile Oberschicht und aufs Fernsehen reduzierte unkritische Unterschicht). Die an sich nicht uninteressante Idee hätte einen gesellschaftskritischen Roman geben können, gab es aber nicht. Erstens ist das Buch eher ein Bericht als ein Roman und zweitens fehlen die Hauptpersonen. So ist eine verzettelte und damit spannungslose Handlung entstanden. Kozmus berichtet erst von einer kleinen Feier anlässlich der Öffnung der Kuppel, dann von der "Begehung" aus Sicht der Zurückgebliebenen und schliesslich von dem waghalsigen Ausflug eines "Inhabitanten" auf eine verbotene Insel. Einzig in diesem dritten Teil des Romans gibt es gewisse erfreuliche Ansätze einer Verdichtung der Handlung.
Neben diesem Fehlen eines roten Fadens wäre das Lektorieren des Textes nötig. Die zum Teil holprigen Satzkonstruktionen und gar gesuchten Verben und Adjektive machen die Lektüre nicht unbedingt zum Genuss. Umgangssprachliche Wortkürzungen, die zum Beispiel aus "etwas" "was" machen, mögen der direkten Rede die nötige Authentizität geben, sonst sind es aber einfach Sprachbrutalitäten.
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