Edgar Allan Poe: Der Untergang des Hauses Usher

Kurzgeschichten- und Gedichte-Sammlung des Meisters des Grauens

Oft wird die Bedeutung eines Schriftstellers oder Künstlers an seiner Rezeption gemessen, also daran, wie viele andere Künstler auf ihn oder sie Bezug nehmen und seine Ideen weiterentwickeln. Angesichts dieser Messlatte dürfte Edgar Allan Poe (1809–1849) wohl zu den größten seines Faches gehören.

Tales of the Grotesque and Arabesque

Nicht nur auf die Kriminalliteratur eines Arthur Conan Doyle (Sherlock Holmes) u. Ä., sondern auch auf H. G. Wells, Oscar Wilde, Paul Verlaine und H. P. Lovecraft sowie Nietzsche u. v. a. m. seiner Zeit hatte Poe großen Einfluss, aber mehr noch auf die Künstler unserer Zeit. 2023 erschien auch eine Netflix-Serie zur Titelgeschichte von Mike Flanagan sowie The Pale Blue Eye mit Christian Bale in der Hauptrolle (2022). Die Liste ließe sich unendlich weiterführen, nicht ohne sein wohl berühmtestes Gedicht The Raven unerwähnt zu lassen. Auch dieses befindet sich in der vorliegenden, bunt illustrierten Publikation einiger seiner berühmtesten Geschichten: Metzengerstein, Eleonore, Die Grube und das Pendel, Das Begräbnis vor dem Tode, Ligeia, Der Untergang des Hauses Usher, Die Heilmethode des Doktor Teer und Professor Feder, Die Maske des roten Todes, Das ovale Porträt, Die schwarze Katze, Der Dämon des Widersinns, Das verräterische Herz, Die Sphinx, Das Fass Amontillado, Bericht über den Fall Valdemar und Morella.

Die Titelgeschichte nimmt Bezug auf Roderick Usher, der in seinem Familienanwesen nach dem Tod seiner Schwester Madeline seinen letzten Freund, den Erzähler, einlädt, seine letzten Erinnerungen zu teilen. „Madeline“ steht in einer psychoanalytischen Interpretation des Textes dabei für das „Es“, das er in ein Kellergewölbe des weitläufigen Anwesens verbannt. Aber das Verdrängte kann nicht sterben: Es kommt stets in neuer Verkleidung zurück: „I have no abhorrence of danger, except in its absolute effect — in terror.“

„Seine erregte und zerrüttete Vorstellungsweise verlieh allen Dingen einen schwefeligen Schimmer (...), eine bestimmte eigenartige Variation und Erweiterung des ‚Letzten Walzers von Weber‘ war schmerzlich im Gedächtnis haften geblieben“, schreibt Poe poetisch in Annabel Lee. Auch Der Rabe ist wie Annabel Lee auf einer herausnehmbaren Beilage abgedruckt. Am Ende des Prachtbandes befinden sich eine Vita des Schriftstellers und Anmerkungen. Weitere herausnehmbare Extras zeigen den Künstler in seiner Zeit oder nehmen Bezug auf seine Sujets. Die Illustrationen (etwa der Acherontia atropos) sind bestechend schön und sorgen neben dem literarischen Genuss auch für einen okularen. Die düsteren Welten der Mystery- und Gruselgeschichten Edgar Allan Poes erschließen sich teilweise auch durch seine Biografie. So wird in dem Gedicht Annabel Lee etwa der zu frühe Tod seiner Ehefrau verarbeitet und in Der Rabe seine Alkoholsucht. „Und weder der himmlischen Engel Schar / noch der Meergeister Grollen allhie / kann scheiden in Leiden mein Sein von dem Sein / der lieblichen Annabel Lee.“

Unmittelbar nach ihrem durch einen Blutsturz aufgrund von Tuberkulose verursachten Tod nahm Poe Laudanum, um sich selbst umzubringen. Er starb zwei Jahre später an Phrenitis, nachdem er in der Ryan’s Tavern in Baltimore in „verwirrtem und heruntergekommenem Zustand“ gesehen worden war. Was aber genau die Ursache war, bleibt bis heute ungeklärt.

Der Untergang des Hauses Usher
Stefanie Bartsch (Illustration)
Helmut Wiemken (Übersetzung)
Christel Wiemken (Übersetzung)
Werner Beyer (Übersetzung)
u. a.
Der Untergang des Hauses Usher
und andere fantastische Geschichten
272 Seiten, gebunden
Coppenrath 2025
EAN 978-3649648659

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