Johannes Sander: Der Kiliansdom zu Würzburg

Würzburgs Dom

Trotz zahlreicher Umbauten und Neugestaltungen, auch bedingt durch die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, hat sich die sehenswerte Kathedralkirche des Bistums Würzburg, der Dom St. Kilian, nicht nur in die christliche Kunst- und Kulturgeschichte in Deutschland ebenso eingeschrieben, sondern auch – insbesondere in der Moderne – in die Kirchengeschichte. Der Würzburger Dom diente nämlich von 1971 bis 1975 der Gemeinsamen Synode der deutschen Bistümer als Synodenaula.

Johannes Sander stellt die das Stadtbild prägende Kirche anschaulich und kenntnisreich vor, der Sakralbau wird als eine Stätte der Kunst dem interessierten Leser so gegenwärtig. Im Geleitwort indessen verweist der Würzburger Weihbischof und Dompropst Ulrich Dom darauf hin, dass der Dom vor allem vom "Weg des Glaubens" im Frankenland erzähle. So erinnert er an die Stätten der Feier der Liturgie: "Wenn wir in der Vierung, wo das Längsschiff mit dem Querschiff sich kreuzt, am Tisch des Wortes und Brotes Eucharistie feiern, begegnet uns Christus schon jetzt.

Immer wieder ist die Kathedralkirche erheblich umgestaltet worden, wurde mit neuen Altären versehen, mit Grabdenkmälern und barockem Stuck.

Wo der Raum sein Zentrum findet, begeht die Kirche das österliche Mahl, um Kraft zu schöpfen und um selbst zu Brot und Wein für die Welt zu werden." Was Boom mit geistlichen Worten darlegt, davon künden Künstler aller Epochen in ihren Werken, die auch ihren Ort in der Kirche gefunden haben, Kunstwerke, die zur sinnhaften, denkenden Erhebung zu Gott einladen und sicher auch den jeweiligen Geist der Zeit bezeugen. Sander stellt den Wandermönch Kilian vor, der Frankenapostel, der 689 den Märtyrertod gefunden habe. An seiner Grabstätte wurde 741 oder 742 das Bistum Würzburg gegründet. Die heutige Domkirche besaß einige Vorläuferbauten, etwa eine romanische Basilika, die durch gefällige Rekonstruktionsbilder dargestellt wird: "Innen beeindruckte die weite, flachgedeckte Basilika in romanischer Zeit durch ihre schlichte, aber vornehme Gestaltung. Die Arkadenzone des Langhauses war mit steinsichtigen Großquadern verblendet, erst über dem Gesims in der sogenannten Sargwand setzte das verputzte Kleinquadermauerkwerk an." Immer wieder ist die Kathedralkirche erheblich umgestaltet worden, wurde mit neuen Altären versehen, mit Grabdenkmälern und barockem Stuck. Im 17. Jahrhundert wurde die "Trennung des Bereichs der Geistlichkeit von dem der Laien" zusätzlich durch bauliche Elemente betont, in der Gegenwart wird die Weggemeinschaft des Glaubens stärker fokussiert, sodass verbindende Formen der Gestaltung und Kunst bevorzugt werden, die Kleriker wie Weltchristen in der Verbundenheit des Volkes Gottes zeigen.

Der Würzburger Dom St. Kilian ist auch heute eine Stätte der Kunst, in der auch Werke aus der Moderne und Postmoderne ihren Platz gefunden haben und zum Nachdenken über den Glauben in der Welt von heute einladen, Besucher inspirieren und geistig wie geistlich anregen und bewegen mögen.

Johannes Sander schreibt: "In seiner sichtlich heterogenen Gestalt steht das Innere des Domes gleichnishaft für die bewegte Geschichte, die er zusammen mit der Stadt Würzburg während der vergangenen tausend Jahre erlebt und zum Teil auch erlitten hat." Der Würzburger Dom St. Kilian ist auch heute eine Stätte der Kunst, in der auch Werke aus der Moderne und Postmoderne ihren Platz gefunden haben und zum Nachdenken über den Glauben in der Welt von heute einladen, Besucher inspirieren und geistig wie geistlich anregen und bewegen mögen. Bei der letzten Renovierung 2011/12 wurde das Taufbecken, bis dahin in einer separaten Kapelle aufgestellt, wieder ins Zentrum des Hauptschiffs gerückt. Dort hatte es bereits im Mittelalter gestanden: "Im Taufbecken wird die Aufnahme des Christenmenschen in die Gemeinschaft der Kirche vollzogen und an diesen Vorgang erinnert. In der Vierung kommt die göttliche Heilszusage im Hier und Jetzt zum Tragen, woraufhin der wiederkehrende Christus am östlichen Ende die Verheißung des ewigen Lebens und der Vollendung der Welt vor Augen führt."

Johannes Sander hat einen lesenswerten Band zur Kunst- und Kirchengeschichte vorgelegt – und zugleich eine Einladung in den Dom St. Kilian verfasst. Mit diesem Buch lässt sich die Kathedralkirche sinn- und kenntnisreich entdecken. Dem Band sind zahlreiche Leser zu wünschen, von denen auch gewiss nicht wenige ins schöne Frankenland aufbrechen und Würzburg für sich entdecken möchten.

Der Kiliansdom zu Würzburg
Der Kiliansdom zu Würzburg
96 Seiten, broschiert
EAN 978-3795438371

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