F. Scott Fitzgerald: Der große Gatsby

100 Jahre The Great Gatsby

100 Jahre The Great Gatsby, das wohl missverstandenste Buch des 20. Jahrhunderts, erzählt die traurige Liebesgeschichte zwischen Jay und Daisy. Traurig deswegen, weil die Liebe wohl nur einseitig ist.

Die Liebe: ein Missverständnis

Die Handlung des Buches spielt auf Long Island im Jahr 1922. Ein neues Jahrzehnt voller Hoffnungen hat gerade begonnen, der Krieg ist schon vier Jahre vorbei und das vermeintlich Gute hat gesiegt. Der Millionär Jay Gatsby hat seinen Weg gemacht und lädt zu prächtigen Palastpartys in seinem Anwesen auf Long Island. Aber der geheimnisumwitterte Gastgeber verbirgt etwas hinter seiner schillernden Fassade: die unerfüllte Liebe und tiefe Sehnsucht nach der einen Frau, die für ihn unerreichbar ist: Daisy. Seine Jugendliebe ist inzwischen mit dem Millionenerben Tom Buchanan verheiratet – und zwar ebenfalls unglücklich, aber dennoch nicht bereit, sich für Jays Liebe zu verändern oder ihr Leben zu ändern. Doch dann geschieht etwas Furchtbares, und alles ändert sich: ein Unfall. In einer Zeit des wirtschaftlichen Wachstums, der ersten Wolkenkratzer, der Prohibition und der Exzesse, des berühmten Broadways und der Flapper, die sich den gesellschaftlichen Konventionen widersetzten, porträtiert Fitzgerald vor allem jene, die ihren Reichtum ihrer Herkunft zu verdanken haben. So zumindest ist das Umfeld von Daisy und ihren gelangweilten New Yorker Freunden. Nicht so Jay Gatsby: Er hat seinen Reichtum allein sich selbst zu verdanken. Er ist der Selfmademan, das eingelöste Versprechen des amerikanischen Kapitalismus, der amerikanische Traum. Seine Verbindung zu Meyer Wolfsheim lässt allerdings auf einen kriminellen Hintergrund seines Reichtums schließen. Stichwort: Prohibition.

Prachtausgabe zum 100. Geburtstag mit vielen Extras

Der Roman wurde oft als Apologie dieses amerikanischen Kapitalismus missverstanden, dabei geht es gar nicht um die vermeintlichen Chancen des kapitalistischen Systems, in dem es anscheinend jeder schaffen kann, sondern vielmehr um die Oberflächlichkeit einer Gesellschaftsschicht, die auf Kosten der anderen lebt. Trotz der Prohibition (1920–33) trinken die Damen und Herren ganz schön viel – und genau deswegen passiert auch der erwähnte Unfall. Die angesprochene liederliche Gesellschaftsschicht wird von Daisy personifiziert. Der Erzähler Nick Carraway, der neben Jay Gatsby in einem kleinen Häuschen wohnt und so zu seinem Nachbarn wird, ist zwar Anleihenhändler, seine Eltern haben aber durch ehrliche Arbeit ihren Wohlstand erarbeitet. Außerdem stammt er aus dem moralisch überlegenen Mittleren Westen und verkörpert somit so etwas wie die moralische Instanz in The Great Gatsby.

Der vorliegende große Schmuckband feiert das Ersterscheinen des Erfolgsromans mit Zeichnungen des Buchkünstlers Robert Nippoldt und einer ganz besonderen Buchgestaltung im Stil des Art déco, mit stilgetreuen Illustrationen – darunter zwei Panoramaformate auf Aufklappseiten – sowie 11 aufwendig gestalteten Extras. Diese einzigartige Ausgabe des Klassikers der amerikanischen Literaturgeschichte lässt die Stimmung des New Yorks der Roaring Twenties wieder lebendig werden. Vor allem aber natürlich die unerfüllte Liebe von Jay Gatsby zu Daisy Buchanan.

Eines der eingelegten Extras ist eine Karte von New York, die die Schauplätze des Romans zeigt – auch die beiden Villen von Gatsby und den Buchanans: Sie stehen sich an der Manhasset Bay gegenüber. Jay Gatsby hatte sich diesen Ort ausgesucht, damit er in der Nacht die Lichter auf der anderen Seite der Bay immer sehen kann. Die Lichter von Daisy.

Der große Gatsby
Robert Nippoldt (Illustration)
Der große Gatsby
Illustrationen von Robert Nippoldt
272 Seiten, gebunden
Coppenrath 2025
EAN 978-3649640950

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