Mine Söğüt: Der Gott der anderen

Was wir nicht sehen

Eines Tages geht ein junger Buchhalter wie immer morgens aus dem Haus, doch anstatt zur U-Bahn zu hetzen, spaziert er gemütlich durch die ganze Großstadt, bis er in einem Elendsviertel an eine Teestube gelangt. Dort lässt er sich in der Gesellschaft einer Gruppe von Menschen nieder, die zu den Ausgestoßenen gehören: Hülya, eine drogensüchtige junge Prostituierte, Efsun, eine alte Hure im Rollstuhl, Adnan, ein alter Mann ohne Gedächtnis. Später findet die Gruppe zwischen Mülltonnen einen ausgesetzten Säugling, der ihnen mit seinem unerschütterlichen Lächeln Hoffnung gibt.

Zunächst scheint das Leben der Ausgestoßenen und freiwillig Ausgeschiedenen in zwar sehr prekären, aber doch einigermaßen geordneten Bahnen zu verlaufen, doch als das Haus mit der Teestube abgerissen wird, gerät die zerbrechliche Ordnung durcheinander, die Gruppe versinkt zunehmend in Elend und Schmutz.

Was die vier Personen bei ihrem Zug durch Istanbul auf der Suche nach einem neuen Unterschlupf an Elend zu sehen bekommen, stellt alles in den Schatten, was sie sich an Grausamkeiten ausmalen mögen.

Adnan, der Mann ohne Erinnerung, ist als einziger wirklich frei, denn er ist weder Schriftsteller noch Händler noch Richter noch Kommunist, er ist nur er selbst. Efsuns Leben wird von Phantomen bevölkert, von denen sie unentwegt spricht und die niemals sterben. So real sind sie, dass sie Musa, dem ehemaligen Buchhalter, im Traum erscheinen. In Efsuns Geschichten von ihren Phantomen offenbart sie eine äußerst tragische Biographie, die letztendlich nur mit Humor und Ironie zu ertragen ist.

In ihrem fünften Roman zeichnet Mine Söğüt das Bild einer Gruppe, die, von der bürgerlichen Mehrheitsgesellschaft weitgehend ignoriert, oft nicht einmal wahrgenommen, nach ihren eigenen Regeln lebt. Spannend sind die Dialoge dieser Menschen, in denen jede Selbstverständlichkeit und alle Regeln infrage gestellt werden, doch keine Frage eine eindeutige Antwort erfährt. Der Leser ist selbst zum Nachdenken aufgefordert. Neben beißender Gesellschaftskritik kommen hier existenzielle Themen zur Sprache wie Leben und Tod, Identität, Sinnhaftigkeit, Realität und Fantasie. Wirklichkeit und Phantasma verschwimmen und geraten durcheinander.

In dieser Hinsicht bleibt die Autorin sich treu: Schon in ihrem ersten, im Jahr 2009 auf Deutsch erschienenen Roman „Das Haus der fünf Sevimen“ verwischten sich die Grenzen zwischen Realität und Fantasie.

Der Gott der anderen
Eva Lacour (Übersetzung)
Der Gott der anderen
162 Seiten, Taschenbuch

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