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William A. Wellman: Der gelbe Strom Romanze in Rotchina

17. Juli 2026
von Juergen Weber

Der Kalte Krieg und die antikommunistische Propaganda schwappen durch diese Hollywoodproduktion mit gleich zwei großen Stars in den Hauptrollen. John Wayne als Handelskapitän Tom Wilder und Lauren Bacall als Cathy Grainger, die Tochter eines Missionsarztes, versuchen sich vor dem Hintergrund der kommunistischen Machtübernahme in China in eine Liebesaffäre zu verwickeln.

Romanze in der Meerenge

Kapitän Tom Wilder befindet sich im Gefängnis und redet gerne mit sich selbst oder der Person, die er über sich anspricht: sein Schätzchen. Eine fiktive Figur, die er bald auch Cathy Grainger vorstellen wird, denn das kommende Abenteuer werden sie – sozusagen – zu dritt bestehen. Tom wird nämlich von der Bevölkerung eines kleinen chinesischen Dorfes, Chiku Shan, angeheuert, sie über die Meeresstraße bei Formosa (Taiwan), die titelgebende Blood Alley, nach Hongkong zu bringen. Die Dorfbewohner haben von den Schikanen der Rotchinesen genug und erhoffen sich in Hongkong, dorthin führt die Blood Alley, ein besseres Leben. Dabei hatten doch gerade die chinesischen Kommunisten so viel für die Bauern getan, während sie Intellektuelle und Gebildete durch die Kulturrevolution ein Jahrzehnt später beinahe nahezu ausrotteten. Aber die 300 Seemeilen will der Abenteurer Tom wohl ohnehin wegen der Tochter des Missionsarztes hinter sich bringen, zumal sie alsbald zur Halbwaise wird. Aber nachdem sie endlich ein Schiff für die 180 Seelen umfassende Gemeinde klargemacht haben, heftet sich natürlich die chinesische Marine auf ihre Fersen. Und Kommunisten verstehen bekanntlich auch zur See keinen Spaß!

Good Old Hollywoods Lieblingsthemen

Über Anekdoten und Hintergründe der Dreharbeiten erfährt man mehr im angehängten Booklet des bei Plaion erschienenen Mediabooks. So war es etwa anfangs gar nicht so einfach, einen Hauptdarsteller zu finden, da sich Regisseur William A. Wellman und Robert Mitchum, der Hauptkandidat, verkracht hatten. Schließlich sprang John Wayne selbst für die Hauptrolle ein, nachdem er schon half, den Film zu produzieren. Der überzeugte Republikaner soll sich übrigens gegenüber der weit links stehenden Demokratin Bacall wie ein Gentleman benommen haben und politische Diskussionen ganz vermieden haben. Das wäre auch wirklich nicht angebracht gewesen, denn schon die Tatsache, dass chinesische Rollen von Amerikanern oder Schweden (Anita Ekberg) gespielt wurden, würde heutzutage für genügend politischen Sprengstoff sorgen, um die Dreharbeiten zu beenden. Stichwort: Blackfacing und Political Correctness. Humphrey Bogart, der Ehemann von Bacall, hatte 1951 übrigens einen ähnlichen Film mit dem Titel African Queen gedreht, an seiner Seite: Katharine Hepburn. Was zeigt, dass trotz der Literaturvorlage des Drehbuchs von A. S. Fleischmann sich manche Dinge in Hollywood einfach immer wiederholen: toughe Männer und schöne Frauen, dazwischen ein Fluss der Leidenschaften.

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Abbildung von Der gelbe Strom
William A. Wellman (Regie)
Der gelbe Strom
Laufzeit: ca. 115 Minuten
Originaltitel: Blood Alley
Plaion 2026