Hoffnung in Zeiten des Krieges
Im Jahr 1981 wurde die Autorin des vorliegenden Romans, den C.H. Beck dankenswerterweise in sein Programm genommen hat, in Hargeisa, einer Stadt in Somalia geboren. Schon als Kind emigrierte sie mit ihrer Familie nach London und studierte in Oxford Geschichte und Politik. Mit ihrem ersten Roman "Black Mamba Boy" erfuhr sie in Großbritannien eine ungewöhnliche Beachtung, die ihr hier in Deutschland mit ihrem Buch "Der Garten der verlorenen Seelen" nur zu wünschen ist.
Mit ihm kehrt Nadifa Mohamed in ihr Heimatland zurück und verortet die Handlung ihres Buches zeitlich Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Der Diktator Siad Barre hat seine Herrschaft ausgebaut, doch die Bevölkerung leidet, und der Bürgerkrieg, der dann ausbrechen wird (und vor dem Nadifa Mohameds Familie geflohen ist) ist in seinen Vorläufern schon zu spüren.
Vor diesem Hintergrund erzählt Nadifa Mohamed die bewegende Geschichte dreier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihr Schicksal scheint sie unwiderruflich miteinander zu verbinden, aber nicht in Freundschaft, sondern in Feindschaft. Am Ende werden sie in einer besonderen Form von altersübergreifender Frauensolidarität nicht nur ihr Leben retten, sondern auch ihre jeweilige Würde.
Das Buch ist so aufgebaut, dass in einem ersten Teil die drei Frauen sich konflikthaft begegnen. Da ist das aus einem Flüchtlingslager entkommene Mädchen Deqo, die versucht, sich in der Stadt durchzuschlagen, die weise und alte Kawsar und Filsan, etwa dreißig Jahre alt, die als Offizierin für das herrschende Regime arbeitet und seiner Ideologie treu ergeben ist, bevor sie langsam in Ungnade fällt
In einem zentralen, sich über 180 Seiten hinziehenden zweiten Teil erzählt Nadifa Mohamed abwechselnd die Geschichten dieser drei sehr unterschiedlichen Frauen und ihr jeweiliges Schicksal, bevor sie sie in einem abschließenden dritten Teil erneut zusammenkommen und sie miteinander ihr Leben retten lässt.
"Der Garten der verlorenen Seelen" ist ein Roman über das Leben von Frauen in einem Land, das schon damals innerlich zerrissen war. Er hält fest daran, dass es auch in der größten Not, mitten im Krieg und im Elend so etwas wie Würde gibt, die man verlieren, aber auch erhalten kann. Und er strahlt so etwas aus wie Schönheit und Liebe, die seine handelnden Personen leidenschaftlich an ihrem Leben festhalten lassen.
Das Buch ist eine Liebeserklärung an eine verlorene Heimat. Ein Ausdruck der Hoffnung, dass es vielleicht irgendwann in Somalia so etwas geben könnte wie die Solidarität der drei vorher verfeindeten Frauen aus unterschiedlichen Generationen.
Und es ist ein Zeugnis dafür, dass das Leben oft aus Kampf und reinem Überleben besteht und dass gerade darin sein Sinn verborgen ist.
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