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Frank Capra: Der beste Mann US-Präsidentschafts-Kandidat zwischen Korruption und Courage

05. Juli 2026
von Juergen Weber

„Das Geheimnis unseres Reichtums heißt Freiheit." Aus dem Originaltitel State of the Union lässt sich schon erschließen, worum es in Capras 46./55. Film geht: den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Film wurde nach dem Pulitzer-Broadway-Erfolg von Howard Lindsay gedreht und zeigt, wie ein Unternehmer zum „besten Mann" gemacht wird. Oder gemacht werden soll, wie sich zeigen wird...

Eine authentische US-Präsidentschaftskampagne

Der Flugzeug-Unternehmer Grant Matthews (Spencer Tracy) soll von dem Politberater Jim Conover (Adolphe Menjou) und Zeitungsmagnatin Kay Thorndyke (Angela Lansbury) zum neuen Präsidentschaftskandidaten der Republikanischen Partei aufgebaut werden. Als Millionär hat er dafür gute Chancen, doch sein aufbrausendes Naturell könnte die Kampagne stören, wovon sich bald alle Beteiligten überzeugen können. Er versteht es, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeiter und Gewerkschaften vor den Kopf zu stoßen, um sie dann durch Kompromisse wieder zu einigen. Da er allerdings eine Affäre mit Kay hatte, werden von Anfang an auch seine Frau Mary (Katharine Hepburn) und ihre beiden Kinder in die Kampagne involviert. Natürlich weiß Mary von der Affäre ihres Mannes, ist aber andererseits davon überzeugt, dass er ein guter Präsident wäre, und so unterstützt sie ihn vorerst in seinem Bestreben. Im Weißen Haus wären er und sie ohnehin alleine, während Kay nach New York zurückkehren müsste. Sie will also vor allem auch ihre Ehe retten. Doch als sie sieht, wie leicht Grant von Kay beeinflussbar ist und er sich allzu leicht von Kompromissen korrumpieren lässt, macht sie einen Rückzieher. Dabei spielt allerdings auch der Barkeeper eine gewisse Rolle ...

Kandidat zwischen Korruption und Courage

State of the Union ist ein interessanter Blick hinter die Kulissen einer US-Präsidentschaftskandidatur, an der sich seit Erscheinen des Films eigentlich nichts grundsätzlich geändert hat. Wer das Amt innehaben will, muss verhandeln, Kompromisse eingehen, sich da und dort beliebt machen und vor allem Geld für die Kampagne von noblen Spendern sammeln. Dadurch wird der Präsident der Vereinigten Staaten allerdings auch zu einem Spielball der unterschiedlichen Interessen und kapitalträchtigen Unternehmen. Denn wer spendet, wird später auch im Weißen Haus einen großen Einfluss haben. Und so wird oft nicht der „beste Mann" zum Präsidenten gewählt, sondern derjenige, der es am besten versteht, die Klaviatur der Macht mit viel Raffinesse und Verschlagenheit zu spielen. Der Einfluss der Ehefrau auf den zukünftigen Präsidenten darf dabei aber nicht unterschätzt werden, wie der Film ironisch vermittelt. Katharine Hepburn als Mary Matthews ist dabei fast beeindruckender als Spencer Tracy als Grant, um nicht zu sagen, dass sie ihn an die Wand spielt – als Schauspieler und Präsidenten. Für humorvolle Unterhaltung sorgt auch der Wahlkampfmanager „Spike" McManus (Van Johnson), der zwischen Puppet Master Conover, Kay und Mary und Grant zu vermitteln weiß. 120 Minuten beste Unterhaltung, die zeigt, wie wichtig soziale und menschliche Beziehungen für das Gelingen jedweden Unternehmens sind.

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Abbildung von Der beste Mann
Frank Capra (Regie)
Der beste Mann
Laufzeit: ca. 124 Minuten
Originaltitel: State of the Union
Plaion 2026