Dein Schicksal in meiner Hand The Jazz Age: Inzest, Intrigen und Pimping
„Der Jazzmusiker Steve Dallas ist ein Kommunist und Marihuana-Raucher", schreibt ein mit J. J. Hunsecker (Burt Lancaster) befreundeter Kolumnist vollmundig in einer seiner Glossen. Dieser verliert daraufhin seinen Job und beinahe auch seine Freundin Susan Hunsecker (Susan Harrison), die Schwester von J. J., dem Medienmogul von New York, der eigentlich nur ein Kolumnist ist.
Inzestuöse Familien- und Machtverhältnisse
Ins Rollen gebracht hat diese Intrige kein anderer als der Presseagent Sidney Falco (Tony Curtis), der sich bei J. J. Hunsecker beinahe ebenso einschmeicheln muss wie der Rest der damaligen New Yorker Gesellschaft. Hunsecker ist einem Citizen Kane vergleichbar, er dominiert beinahe das gesamte gesellschaftliche Leben der Metropole und ist dementsprechend selbstbewusst. Aus diesem Grund will er auch das Verhältnis seiner Schwester Susan mit dem Jazzmusiker Steve Dallas (Martin Milner) torpedieren. Dafür muss Sidney Falco den Agent provocateur spielen und allerhand andere schmutzige Tricks für ihn erledigen. So schmuggelt er ihm auch betreffende Ware – das Marihuana – in die Manteltasche, woraufhin Steve nicht nur verprügelt, sondern sogleich auch verhaftet wird. Ein angedrohter Selbstmord von Susan wird von Hunsecker gerade in dem Moment unterbrochen, als Sidney sie davor rettete. Aber die Situation ist so missverständlich, dass Hunsecker glaubt, seine Schwester hätte sich gegen einen Übergriff Sidneys gewehrt, der versucht hätte, sie zu vergewaltigen. Die Andeutung eines inzestuösen Verhältnisses zwischen J. J. und seiner doch um einige Jahre jüngeren Schwester Susan ist auch eine Blaupause für das Verhältnis der einflussreichen Medienmogule zu Politik und Gesellschaft. Inzest also in der Familie und der Gesellschaft, auch nur ein anderes Wort für: Korruption.
The Jazz Age im Film Noir
Auch wenn Sweet Smell of Success kein Kassenschlager war, machte er sich doch bei vielen Filmkritikern beliebt und gilt heute als Klassiker der Film-Noir-Ära. Gelobt wurde vor allem auch die Schwarzweißfotografie resp. Kameraarbeit von James Wong Howe (Verfolgt/Späte Rache, 1947), der sowohl Nachtaufnahmen der Architektur New Yorks der Fünfziger als auch das lebendige Nachtleben der Stadt auf Zelluloid gebannt hat. Besonders dicht wirken auch die Barszenen, die sehr lebendig und authentisch belebt erscheinen, so als würde es gerade jetzt und hier und live um die Ecke passieren. Das Beziehungsgeflecht zwischen J. J. Hunsecker und dem unterwürfigen, eigentlich sehr windigen Sidney Falco ist glaubwürdig abgründig dargestellt. Auch wenn das für Tony Curtis sicherlich nicht gerade die sympathischeste Rolle ist, brilliert er doch in seiner Rolle als Presseagent, der nach oben winselt und nach unten tritt. Seine Teilzeitgespielin Rita (Barbara Nichols) vermittelt er skrupellos an genau jenen Kolumnisten, der die oben erwähnte Schlagzeile publiziert. Damit macht er sich auch noch zum „Pimp". Aber keine Sorge: Rita und der Kolumnist kannten sich ohnehin schon vorher, wie sie nach einem Städteraten mit Augenblinzeln schließlich bestätigt. Ein Film Noir, bei dem also auch subtiler Humor, Inzest, Jazz, Profitgier und Manipulation, Korruption und Abhängigkeit ihren Platz finden. Der Jazz-Soundtrack stammt zudem von Elmer Bernstein und wird von Chico Hamilton gespielt – mit seinem Quintett im Film live auf der Bühne.
Alle Rezensionen von Juergen Weber