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Nichts für Strenggläubige

Wenn ein Zeichner, der für gewöhnlich mit bissigen Comics politische Ereignisse illustriert, sich des Lebens Jesus' annimmt, sind unfreundliche Reaktionen vorbestimmt. So geschah es dann auch, als Gerhard Haderer seine Interpretation des Lebens des Jesus vorlegte.

Schon das Coverbild lässt einiges erahnen: Jesus mit Schlafzimmerblick, leicht weggetretenem Lächeln, der Hand zum Peace-Zeichen erhoben und dann noch mit scheinbaren Ambitionen, sich seines Kittels zu entledigen. Die dahintersteckende Geschichte ist schnell erzählt: Klein-Jesus hat schon früh die Vorzüge des Inhalierens gewisser Substanzen entdeckt (in diesem Fall Weihrauch, der - wie man freundlicherweise auf der letzten Seite des Buches aufgeklärt wird - THC enthält). So wächst Jesus friedlich und entspannt heran, geht ebenso friedlich und entspannt seines Weges und vollbringt die Wunder, die sich oft als glückliche Zufälle erweisen. Seine Jünger werden immer geschäftstüchtiger und dick und feiss. Irgendwann wird es Jesus zu bunt und er schwebt von dannen, um sich auf der nächsten Weihrauchwolke zur Ruhe zu setzen.

Dass Strenggläubige mit einer solchen Version Mühe haben, verwundert nicht. Für alle anderen ist Haderers Werk witzige Unterhaltung (mit einer Spur Gesellschaftskritik). Und es ist doch einfach gut gezeichnet.


von Jan Rintelen - 19. Oktober 2003
Das Leben des Jesus
Gerhard Haderer

Das Leben des Jesus


Ueberreuter 2002
38 Seiten, gebunden
EAN 978-3800038633

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