Die Deutsche Kriegsgesellschaft
Seit nunmehr 26 Jahren läuft das Großprojekt "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg", initiiert und betreut vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam. Mit den beiden Halbbänden zur deutschen Kriegsgesellschaft nähert sich die Reihe ihrem Abschluss. Lediglich Band 8 und 10 stehen noch aus, sollen aber laut Herausgeber bis Ende 2006 vorliegen. Noch nie zuvor wurde in so detaillierter und gleichzeitig methodisch innovativer Weise die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in all seinen Facetten dargelegt. Jeder einzelne Aufsatz - der aufgrund des Umfangs von durchschnittlich 120 Seiten auch als kleine Monographie bezeichnet werden kann - besticht aufgrund seiner empirischen Leistung und vor allem abwägender Interpretation. Im Rahmen einer Buchbesprechung kann nicht auf alle zwanzig Beiträge eingegangen werden. Ein kleiner Ausschnitt muss an dieser Stelle genügen.
Leitfrage der zwei Bände ist eine vielfach gestellte: Wie konnte eine - im Gegensatz zu älteren Annahmen - heterogene Gesellschaft die deutsche Kriegsmaschinerie sechs Jahre in Gang halten, sogar dann noch, als der Krieg ins eigene Land heimkehrte und dort mit z.T. voller Wucht zuschlug? Mit Hilfe eines umfassenden politik-, sozial-, kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Ansatzes wird dieser Frage in beinahe alle Beiträgen nachgegangen. Armin Nolzen schildert in besonders anschaulicher Weise die Totalität der NSDAP und deren Gliederungen. Mit knapp 70 Millionen Mitgliedern (1939) erreichte sie fast alle Deutschen. Es gab keine soziale Schicht und kein Milieu, das sich den Bestrebungen der NSDAP entziehen konnte.
Herausragend ist auch der Beitrag von Ralf Blank über den alliierten Luftkrieg. Nachdem Jörg Friedrich 2002 sein polemisches und argumentatorisch fehlgeleitetes Buch "Der Brand" publizierte - hier setzte er sprachlich den alliierten Luftkrieg mit dem Holocaust gleich - liefert Blank eine nüchterne Analyse der Ziele und Wirkungen des Luftkriegs. Trotz hunderttausender Toter und Dutzenden teils völlig zerstörten Städten gelang es den Alliierten nicht, die Kampfmoral der deutschen Bevölkerung zu brechen, geschweige denn den Widerstand gegen das NS-Regime zu fördern. Wirtschaftliche Einschränkungen ließen sich erst im Herbst 1944 feststellen.
Aufgrund der emotionalen wie öffentlichen Diskurse ist das Thema "Zwangsarbeit" besonders brisant. Mark Spoerer, Ela Hornung, Ernst Langthaler, Sabine Schweitzer und Oliver Rathkolb breiten auf über zweihundert Textseiten das Schicksal der Zwangsarbeiter aus. Besonders die hohe Fachkenntnis von Mark Spoerer, der zu diesem Thema promovierte und umfangreich publizierte, macht sich deutlich bemerkbar.
Es ließen sich, wie schon erwähnt, noch alle anderen Beiträge positiv würdigen. Es gibt so gut wie keinen Anlass zur negativen Kritik. Herausgekommen sind zwei voluminöse Bände, die zum Standardwerk jedes Historikers und Publizisten avancieren werden. Nicht nur der Faktenreichtum, sondern vor allem der analytische Feinsinn machen das Werk zu einem "Opus Magnum" der Weltkriegsforschung. Zum Schluss kann der Rezensent Hans-Ulrich Wehler nur zustimmen, der kürzlich in der ZEIT schrieb: "Wie erquicklich wäre es, wenn der Verlag diese imposanten Bände in zehn, zwölf Paperbacks zu einem erschwinglichen Preis den Interessenten zugänglich machen würde!".
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