John Schlesinger: Darling

Golden Cage

"Ach, was ist das Leben für ein Pisspott!" Ein Werbeplakat für die Zeitschrift Ideal Woman wird auf eine Wand affichiert und zeigt Diana Scott (Julie Christie) als erfolgreiche Schauspielerin. Aber hinter den Kulissen weiß niemand, wie viel diese Frau dafür zu leiden hatte. Wir erfahren es in den knapp 128 Minuten, und am Ende sieht man auf dem Cover des Magazins eine andere Diana.

Vampploitation: Die Kunst der Verführung

Frauen als Vamp zu charakterisieren, ist eine beliebte Art, Drama zu erzeugen, wo eigentlich keines ist. Die Femme fatale des Film Noir der 40er erzählt eine ähnliche Geschichte der „Vampploitation“. Aber in Darling gerät die Protagonistin eher zufällig in ihre Rolle. Sie verliebt sich in den Schriftsteller Robert Gold (Dirk Bogarde) und bald darauf in den PR-Berater Miles Brand (Laurence Harvey). Beide Männer nützen ihr bei ihrer Karriere, denn sie will Schauspielerin werden. Der verheiratete Robert ist Vater zweier Kinder und verlässt alles für Diana. Als sie schwanger wird und abtreibt, beginnen sich die beiden zu entfremden. Robert weiß, dass er von Sex, den sie benutzt, um ihn zu binden, allein nicht leben kann. Seine Arbeit ist der Schlüssel zu dem, was er ist, und nur dadurch kann er seine Selbstachtung bewahren. Als Diana in Paris mit Miles ihre Karriere durchstarten lässt, wendet sich Robert immer mehr von ihr ab. Diana führt ihr Beruf anschließend nach Italien, wo sie in einem Werbespot als Cupid Chocolate Girl einen verwitweten Grafen kennenlernt.

Die Sache mit Miles

Als Robert ihre Affäre mit Miles entdeckt, bezeichnet er sie sogleich als Hure. „Ich hätte nicht gedacht, dass jemand, der so hohl und banal ist, jemandem so weh tun kann“, schimpft er sie. „Deine Bücher bedeuten dir mehr als irgendjemand“, spottet sie zurück. „Ach, was ist das Leben für ein Pisspott!“, bekennt sie nach einem Shoppingrummel mit anschließendem Besäufnis ihrem schwulen Freund in Capri. Die Sache mit dem Grafen läuft nicht so gut, wie sie es sich vorstellte. Als „britische Prinzessin“ Diana sitzt sie in Italien in einem goldenen Käfig. Ein Ausbruchsversuch wird zum Desaster: „Wir werden nichts wieder aufwärmen. Dies war nur ein Ausflug in die Vergangenheit.“ Roberts Rache: Er wird amerikanische Literatur an einer amerikanischen Universität unterrichten. Und schreiben. Über sie schreiben: seine Frau, seine Kinder. Diana hatte, wenn nicht die wichtigste, doch zumindest die dramatischste Rolle in seinem Leben. Die feministische Selbstermächtigung von Darling war vielleicht doch nur ein ruhmsüchtiger Verrat an den einzigen Idealen, die wirklich im Leben zählen: Liebe und Vertrauen. Das Partyleben in London, Paris und Capri ist eben bei weitem nicht so erfüllend wie eine befruchtende Partnerschaft.

John Schlesingers dritte Regiearbeit wurde 1966 mit drei Oscars (Beste Hauptdarstellerin, Beste Kostüme, Bestes Originaldrehbuch), einem Golden Globe und vier BAFTA Awards ausgezeichnet. 1999 wurde Darling vom British Film Institute in die Liste der 100 besten britischen Filme aller Zeiten aufgenommen. Der Film machte die ausdrucksstarke Hauptdarstellerin Julie Christie, die später in Wenn die Gondeln Trauer tragen (im Original: Don't Look Now!) und Des Teufels Saat spielte, zum Star.

Darling
Darling
Laufzeit: ca. 128 Minuten

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