Corto Maltese – Die Königin von Babylon
Der Nachfolgeband von "Corto Maltese – Schwarzer Ozean" wird ebenfalls von Vivès/Quenehen bestritten, wobei sich die beiden Abenteuer auch unabhängig voneinander lesen lassen. Gemeinsam ist ihnen aber die Transformation der Hauptfigur ins 21. Jahrhundert inmitten der Balkankriege und schöne, geheimnisvolle Frauen sowie ein Schatz.
Corto Eigendefinition: "Charakter ist Schicksal"
In "Die Königin von Babylon" könnte dieser Schatz Semira heißen, die Kurzform für Semiramis, die antike, wollüstige Königin von Babylon. Oder - weniger romantisch - ist der Schatz ganz einfach das Geld in einem Tresor auf einem alten Kriegsschiff, das Corto gemeinsam mit Celo, dem "Herrn von Sarajevo", und Semira erbeutet. Es gibt ein Foto, auf dem Semira und Celo gemeinsam abgebildet wurden. Von der Starfotografin Annie Leibovitz, die über Gangs in Sarajevo recherchierte. Corto wird allerdings von Celo gelinkt und von einer "Tsigani"-Gruppe (Roma und Sinti) adoptiert. Diese hatte als Geheimbrigade einst mit Cola zusammen gekämpft. Wer ist ein echter Roma?, fragen sie, einer der nicht auf einen Roma herabschaut, antworten sie. Die Reise führt Corto nach Istanbul in den Stadtteil Tarlabasi, denn er will die Spur von Celo aufnehmen und ihn stellen. Auf seiner Suche landet er in den Ausgrabungsstätten, in denen die Überreste von Babylon und damit der Schatz von Alexander dem Großen, "Dhu L-Qarnain". Auch Saddam habe dort jahrelang die ganze Gegend mit Bulldozern durchwühlt. Als er von Marcus aus einem Sarkophag herausgezogen wird, der ihm das Leben rettete, sieht sich Corto bald als Alibaba. "Sogar als von den toten Auferstandener bist du eine Nervensäge", meint Marcus und als Corto an dem ihm von Marcus angebotenen Joint zieht, meint er nur: "Charakter ist Schicksal".
Corto Maltese NEU: Gelungene Neuinszenierung
"Die Königin von Babylon", das zweite von Vivès/Quenehen gestaltete Corto-Maltese-Abenteuer, führt in die Moderne, das neue Millennium, das Jahr 2002. Amerika wurde herausgefordert (Schwarzer Ozean) und eine neue Zeitrechnung hat begonnen. Auch Corto ist ein anderer geworden. Er tauscht sein cooles Piratenhemd gegen ein T-Shirt mit touristischer Venedig-Aufschrift und trägt statt seines charakteristischen Käppis nur mehr seinen Kreolen-Ohrring im linken Ohr. Er ist kein englischer Gentleman mehr, wie ihn einst Hugo Pratt, sein Schöpfer, charakterisierte, sondern ein Pirat, der einfach sein Glück versucht. Bei den Frauen. Und bei den Schätzen.
Eine gelungene Neuinszenierung, die auch zeichnerisch neue Wege beschreitet. Demnächst soll auch die andere Neuinterpretation von Ruben Pellejero & Juan Diaz Canales fortgesetzt werden. Seit Corto Maltese Band 13 (Unter der Mitternachtssonne) haben die beiden die Geschäfte des "Kapitäns ohne Schiff" gewissenhaft aufgezeichnet, selbstverständlich ohne etwas dazu zu erfinden. Zuletzt erschien "Corto Maltese – Band 16. Nacht in Berlin", das mit einem Abenteuer in Prag fortgesetzt wird. Man darf also weiterhin gespannt sein.
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