Kunst

Dokumentation der Berliner Street-Art und anderer Rätsel

Drei Jahre lang ist der Regisseur Christoph Mangler durch Berlin spaziert und hat fotografiert: Müll, Schrott, Schilder, Street-Art und andere Graffiti. Mit der Veröffentlichung des Projekts in Buchform möchte er "ein anderes Berlin" vorstellen, die "Rückseite" der Metropole (S. 4). Insgesamt ist der Versuch geglückt.

Allerdings würde man sich bei manchen Bildern wünschen, dass der Ort kenntlich würde. Bei einigen ist dies geschehen, so bei den unter der Rubrik "Arm" abgebildeten gelben, aufgesprühten Fäusten (S. 37, 39 - 42). Bei den meisten Abbildungen aber fehlt jeder Hinweis auf den Kontext eines Straßenkunst-Objektes oder eines Verbotsschildes. Das ist bedauerlich; schließlich nennt der Autor seinen Band "City Language Berlin".

Die Sprache der Berliner Straßen möchte man schon verstehen. Auch in kleinen Städten begegnet man heute Graffiti und wüsste oft gerne etwas über die Intention von Künstlern und Schmierern. Doch wer sich bei dem Unterfangen, die "City Language Berlin" zu entschlüsseln, eine Hilfestellung des Autors versprach, sieht sich enttäuscht. Die Fotosammlung verzichtet auf Kommentare.

Der Anfang des Entschlüsselns ist noch recht einfach. Die ersten Abbildungen zeigen Werbung für eine Website, auf der man Tipps für eine optimierte Browser-Einstellung sowie Erklärungen zur Nützlichkeit einer Browserbar findet, allerdings nicht unter der heftig beworbenen Adresse "smily.tk", sondern unter "1cm.de". Hier kommen wir auch auf die Spur zum Verständnis der "6" auf einem Feuerlöscher, einem Taschenbuch oder einem alten Wasserkocher: die Webadresse "6de.de" wird hier bekannt gemacht. Bei all diesen Adressen handelt es sich offenbar um ein Netzwerk von Berliner Straßenkünstlern, die im Internet unter "streetart.info" vertreten sind und dort mit zahlreichen Fotos ihre Kunst dokumentieren.

Die "Männchen" der Seiten 24 bis 29 oder das gesprühte "Monster" (S. 46 - 47) sind witzig und sprechen für sich. Aber warum schreibt jemand mit Kreide "DU" oder "DU + DU" auf Häuserfassaden? Wer machte sich die Mühe, an asiatische Schriftzeichen erinnernde, aber offenbar bedeutungslose Symbole auf Mauern zu pinseln? Was bedeutet der Schriftzug "Vegan"? Wofür steht das Kürzel "RVUU"? Am Ende bleibt der etwas frustrierende Eindruck, der uns zum Erwerb des Büchleins trieb, dass nämlich Menschen im öffentlichen Raum geheime Botschaften hinterlassen, die sie uns zwar vorzeigen, die wir aber nicht verstehen. Hier wird man auf einen Autor warten müssen, der die Straßensprache nicht nur dokumentiert, sondern auch enträtselt. Oder aber das nächste Projekt Manglers wäre ein Film über die Berliner Streetart-Schöpfer.

City Language Berlin
Christoph Mangler

City Language Berlin


Prestel 2006
127 Seiten, gebunden
EAN 978-3791336107

Apulien: Kulinarische Reise ins echte Italien

Kochbuch und Kulturführer: eine Reise in den Absatz des Stiefels, der im Altertum das Zentrum der Welt war. Griechen, Araber und Normannen hinterliessen ihre kulinarischen und kulturellen Spuren in der wohl schönsten Region der Welt: der "Magna Graecia".

Lesen

L.A. - Metropole der Extreme

Ein ganz besonderes Porträt einer ganz besondern Stadt. Los Angeles verkauft Träume über Hollywood in die ganze Welt, aber für seine BewohnerInnen war es oft ein Albtraum. Ein illustriertes Fotoalbum mit vielen Insider-Informationen sowie Film Noir Filmtipps.

Lesen

Die Rezeptionsgeschichte antiker Mythen

Walther Lutz untersucht Götter und Heldensagen in ihrer Rezeption von der Antike, über das Mittelalter und die Renaissance bis hin zur Gegenwart.

Lesen

1967: Geburt der Popkultur

Im Jahr 1967 entstanden nicht nur die wichtigsten Werke der Popkultur, sondern es war auch das Jahr des Vormarschs einer Jugendbewegung, der erst 1968 eingedämmt werden konnte. Ernst Hofacker erzählt von den bahnbrechenden kulturellen Revolutionen des Jahres, in dem alles noch möglich schien.

Lesen

In die Berge, aber nicht hinauf

Für den Leser ist der 300 Seiten starke Reisebericht der "Entdecker" der Dolomiten von der ersten bis zur letzten Seite ein Vergnügen.

Lesen

Berlins grosse Party vor dem Untergang

Berlin in den Zwanzigern, das hieß 24 Stunden Party, 7 Tage die Woche. Boris Pofalla und Robert Nippoldt zeigen das Leben einer der pulsierendsten Metropolen kurz vor dem Untergang als Tanz auf dem Vulkan.

Lesen
Der Nasse Fisch
Jean-Michel Basquiat
Batman. Der Dunkle Prinz
Batman. Der dunkle Prinz
Diego Rivera
magnum manifesto
Fritz the Cat
Robert Crumb - Sketchbook
Schwarze Gedanken
BUG 1
Egon Schiele
Mein Essen mit André
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018