Ein Ausflug in die Actionkomödie
Der ansonsten eher durch schwermütige Kost viel beachtete Filmregisseur Darren Aronofsky ("Pi", "The Fountain", "The Wrestler", "Black Swan", u. v. a. m.) begibt sich mit Caught Stealing nach einem Drehbuch von Charlie Huston (2004) in das schlüpfrige Fach der Actionkomödie. Aber das gelingt ihm so gut, dass man unzweifelhaft vom besten Film 2025 sprechen kann.
New York in den Neunzigern
Der junge und noch sehr unschuldig wirkende Baseballspieler Henry „Hank“ Thompson gerät durch den Kater seines Punk-Rock-Nachbarn Russ Miner (Matt Smith) mitten in die Unterwelt New Yorks. Russ bittet ihn, für ein paar Tage auf seinen Kater aufzupassen. Als der Kater Bud („Tonic“) in seine Wohnung schlüpft und seine Freundin Yvonne (Zoë Kravitz) ihm das Katzenklo hinterherträgt, ahnt Hank nicht, dass er dadurch zum Besitzer eines Schatzes von vier Millionen Dollar wird. Allerdings gehört das Geld den kriminellen Bekannten von Russ, zwei Skinheads, die Hank nun jeden Tag besuchen kommen.
Die dargestellte Gewalt der Gangster ist dermaßen übertrieben und comichaft, dass sie schon wieder witzig wird und soll einfach nur den Gegensatz zu dem zarten und sympathischen Muttersöhnchen Hank karikieren, der in Paul’s Bar als Bartender arbeitet, um einem Trauma auszuweichen. Hank muss seither jeden Tag seine Mutter anrufen, einen Fan der Giants, worüber sie sich gerne am Telefon unterhalten.
Die Geschichte eines Simplicissimus, der trotz seiner Unschuld in die Machenschaften gemeiner Gangster gerät, wurde noch nie so rasant, lustig und unterhaltsam erzählt wie in Caught Stealing. Dazu trägt natürlich nicht nur der Kater Bud Wesentliches bei, sondern auch Austin Butler mit seiner unglaublich coolen Stimme und aufregenden Stunts in den Straßen von New York.
Die Angst, die einen beflügelt
Natürlich hat aber auch Hank ein dunkles Geheimnis: sein Trauma. Er hatte einen Autounfall, weil er einer Kuh ausweichen musste, und sein Beifahrer und Freund wurde beim Aufprall an einem Strommast getötet. Diese Angst, die ihm tief im Nacken sitzt, hemmt Hank vorläufig, doch im Laufe des Plots macht er sie zu seiner Waffe, und aus der Niederlage wird ein triumphaler Showdown für den sympathischen Underdog und Loser Hank, der eigentlich nichts getan hat, außer auf den Kater seines Nachbarn aufzupassen.
Durch die Auseinandersetzung mit den hassidischen Mafiabrüdern und dem korrupten Polizisten Roman wächst Hank schließlich zu einem veritablen Gegner heran, der seine Angst und seinen Verlust (Yvonne) überwindet und zeigt, was ein Baseballspieler so draufhat. Aber auch das Artwork des Letterings mit Bud und die Interviews in den Extras der DVD sind so aufschlussreich, dass man sich den Film gleich noch ein zweites Mal ansehen möchte.
Eine schrille und klingende Hommage an das New York Ende der Neunzigerjahre und ein cooler Soundtrack tun das Übrige, um auch diesen Film Aronofskys zu einem Meisterwerk zu machen.
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