Castro starb doch noch eines natürlichen Todes
Fidel Castros "Filibuster" sind Legende, böse Zungen behaupten sogar, er hätte seine größten Feinde durch ununterbrochenes Reden in Schach gehalten, denn der Revolutionär liebte es, vier bis sechs Stunden zu schwadronieren und monologisieren. "Freund wie Feind" hätte er damit in Schach und bei der Stange gehalten schreibt Autor und Berater Volker Sierka ("Castro. Eine Biographie.") im Vorwort zu Reinhard Kleists gut recherchierten Graphic Novel, die bei Carlsen erschienen ist. Nachdem sich Kleist schon mit "Havanna" beschäftigt hatte, war "Castro" nur mehr eine Frage der Zeit und Skierka als Biograph Castros stand ihm mit Vergnügen zur Seite, da er davon überzeugt ist, dass "die historischen Abläufe in einem 'Bilderroman' eine gefühlte Wahrheit erzeugen können, die das tatsächlich Geschehene vielleicht sogar präziser auf den Punkt bringt als eine klassische Biographie".
Ein würdiges Leben für alle
"Was wir wollen ist: keiner soll in Armut leben, alle sollen zu essen haben, keiner soll barfuß oder nackt gehen, jeder soll eine Schule besuchen können, keiner soll krank sein, ohne mit Medikamenten versorgt zu werden, jeder soll ein eigenes Heim haben", forderte Fidel Castro für die Kubaner und was für uns im sog. "Westen" alles selbstverständlich ist, musste in den Sechzigern in der Karibik und Lateinamerika erst verwirklicht werden. Natürlich hatte das schon José Marti gefordert, aber erst der Jesuitenschüler aus gutem Hause sollte es verwirklichen. Dabei sah die Lage anfangs alles andere als rosig aus. Fulgencio Battista hatte sich am 10. März 1952 an die Macht geputscht und der US-amerikanischen Mafia Tür und Tor nach Kuba geöffnet. Die Zuckerinsel verkam zu einem Bordell und einer Spielhölle der Reichen US-Amerikaner und Castro wollte den Putschisten alsbald selbst wegputschen. Einem Leutnant Sarria hatte er zu es verdanken, dass er seinen ersten Versuch überlebte und "nur" ins Gefängnis kam. Sarria hatte den Befehl Castro zu füsilieren mit den Worten "Ideen tötet man nicht!" verweigert.
Fin de Fidel
Schon nach zwei Jahren kam Castro durch eine Generalamnestie Battistas wieder frei und dieser hatte sich so sein baldiges Ende quasi selbst zuzuschreiben. Alberto Bayo, der schon im Spanischen Bürgerkrieg Freiwillige ausgebildet hatte, und ein gewisser Arzt namens Guevara unterstützten Castro bei seinem zweiten Putschversuch, der dieses Mal erfolgreich sein sollte. Mit nur einer Handvoll Leuten wagte Castro die Überfahrt von seinem nicaraguanischen Exil über Florida nach Cuba und machte sich nach einer Bruchlandung in den Mangrovensümpfen an die Eroberung "seiner" Insel. Das Movimento 26 Julio hatte anfangs gerade mal 324 Mann um sich gesammelt und stand 10'000 Soldaten der Operación Verano "Fin de Fidel" gegenüber. 600 Mordkomplotte und Anschläge hat Fidel Castro seit seinem Sieg über Battista überlebt, darunter präparierte Kugelschreiber, eine Muschel-Bombe, Thallionschuhe, halluzinogene Substanzen während einer Live-TV-Show, Panzerfaust-Anschlage während einer öffentlichen Rede: "Es ist gut möglich, dass sie es irgendwann doch noch schaffen:", kommentierte Fidel, "wenn ich mich über sie totlache". Heute ist er mit 90 Jahren eines natürlichen Todes gestorben. Er hat 600 Mordanschläge überlebt: Patria o muerte!
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