Bilanzen lesen, verstehen und gestalten Die komplexe Materie der Bilanz anschaulich vermittelt
„Bilanzen sind eine sehr interessante und spannende Materie, wenn man sie versteht. Wer sie lesen und interpretieren kann, der kann ein Unternehmen analysieren. Denn der Jahresabschluss stellt für externe Adressaten das Herzstück der Finanzkommunikation mit zahlreichen Informationen bzgl. der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens dar.“ Mit dieser Feststellung unterstreicht der Verfasser klar und deutlich, dass der Jahresabschluss zu den wichtigsten betriebswirtschaftlichen Instrumenten zählt und deshalb sowohl in der Unternehmenspraxis als auch im Curriculum eines betriebswirtschaftlichen Studiums einen zentralen Stellenwert einnimmt.
Das Lehrbuch besteht aus drei Teilen, welche inhaltlich aufeinander aufbauen:
In Teil A (Grundlagen der Bilanzierung) werden die wichtigsten Vorschriften für den Jahresabschluss der Kapitalgesellschaften und die Rechnungslegungselemente erläutert. Zum handelsrechtlichen Jahresabschluss gehört bei mittelgroßen und großen Kapitalgesellschaften vor allem die Bilanz, die den Schwerpunkt dieses Buches bildet. Dabei geht es, im Anschluss an die generelle Einführung, vor allem um die Positionen Anlage- und Umlaufvermögen, Aktive Rechnungsabgrenzungsposten und Aktive latente Steuern, Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten, Passive Rechnungsabgrenzungsposten und Passive latente Steuern. Hinzu kommen die Gewinn- und Verlust-Rechnung (GuV) nach dem Gesamtkosten- und dem Umsatzkostenverfahren, der Anhang sowie ergänzend der Lagebericht und die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Bei kapitalmarktorientierten Kapitalgesellschaften und bei der Aufstellung von Konzernabschlüssen umfasst der Jahresabschluss neben der Konzernbilanz, der Konzern-Gewinn-und-Verlust-Rechnung und dem Konzernanhang noch die Rechnungslegungselemente Kapitalflussrechnung und Eigenkapitalspiegel, welche näher betrachtet werden.
In Teil B (Bilanzpolitik) werden im Rahmen der gesetzlichen Spielräume die verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten und Varianten der Bilanzpolitik sowie deren Auswirkungen beschrieben. Es wird vor allem gezeigt, wie sich Wahlrechte, Ermessensspielräume und weitere Gestaltungsmöglichkeiten von Sachverhalten nutzen bzw. bilanzpolitische „Stellschrauben“ kreativ drehen lassen, um insbesondere die Höhe des Unternehmensergebnisses und die Bilanzstruktur zu beeinflussen. Nach einer Einführung in die Ziele, Instrumente und Grenzen der Bilanzpolitik werden vor allem bilanzpolitische Möglichkeiten im Anlage- und Umlaufvermögen, aber auch bei latenten Steuern, Rechnungsabgrenzungsposten und Rückstellungen thematisiert. Ein eigenes Kapitel widmet sich der ergebnisverbessernden Bilanzpolitik (Bilanzlifting), welche Unternehmen dabei unterstützt, wirtschaftlich schwierige Phasen zu überbrücken und die Außenwirkung des Jahresabschlusses gezielt zu stabilisieren.
In Teil C (Jahresabschlussanalyse) wird am Fallbeispiel der DEUTZ AG, einem weltweit bekannten, traditionsreichen und erfolgreichen Hersteller von Dieselmotoren, gelistet im SDAX der deutschen Börse, schrittweise eine Jahresabschlussanalyse durchgeführt. Dabei werden eine Strukturbilanz und eine Strukturerfolgsrechnung erstellt sowie die Handhabung der wichtigsten Kennzahlen zur finanz- und erfolgswirtschaftlichen Jahresabschlussanalyse, einschließlich der wertorientierten Kennzahlen (ROCE, RONA, ROIC, CFROI und EVA), demonstriert. Zudem werden moderne Verfahren der Jahresabschlussanalyse erörtert. Abschließend wird eine Methode vorgestellt, mit der sich eine Schnellanalyse und kritische Bewertung des Jahresabschlusses durchführen lässt.
In der jüngsten Auflage wurde das bewährte methodisch-didaktische Konzept der Vorauflagen beibehalten, jedoch wurde das Buch umfassend überarbeitet. Sämtliche Kapitel wurden an den aktuellen Rechtsstand angepasst und inhaltlich erweitert. Insbesondere wurden die Erläuterungen zu den verschiedenen Bewertungsmethoden sowie zu den bilanzpolitischen Gestaltungsspielräumen und Ermessensentscheidungen vertieft. Darüber hinaus wurden ergänzende und weiterführende Beispiele aufgenommen. Vollständig überarbeitet wurde das Kapitel zur Nachhaltigkeitsberichterstattung mit allen wesentlichen Neuerungen insbesondere zur CSRD-Berichtspflicht. Neu hinzugekommen ist das Kapitel „Qualitative Schnellanalyse eines Jahresabschlusses“, das ermöglicht, sich in kurzer Zeit einen strukturierten Überblick über die finanzwirtschaftliche Lage eines Unternehmens zu verschaffen und erste zentrale Aussagen zu seiner wirtschaftlichen Situation abzuleiten.
Dem Autor, Jörg Wöltje, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit den Schwerpunkten Finanz- und Rechnungswesen, Internationale Rechnungslegung, Kosten- und Unternehmensmanagement sowie Unternehmensbewertung, Finanzierung und Investition an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft, ist es trefflich gelungen, einen fundierten und systematischen sowie dennoch zügigen Einstieg in die komplexe Materie der Bilanz zu verfassen. Zu den Stärken des Verfassers zählt zweifelsohne, eine relativ trockene Materie anschaulich, gut verständlich und anwendungsorientiert zu vermitteln. Hierzu dient auch die Unterstützung der Wissensvermittlung durch eine ausführliche Fallstudie sowie durch zahlreiche Beispiele, Abbildungen, Tabellen und Zusammenfassungen.
Damit hilft dieses Lehrbuch insbesondere den Studierenden an Hochschulen und weiterbildenden Wirtschaftsakademien, auf einem zentralen Fachgebiet des betriebswirtschaftlichen Studiums schnell und erfolgreich Tritt zu fassen. Das Werk kann zudem auch Praktikern als Ratgeber empfohlen werden, da es neben dem reinen Faktenwissen vielfältige Anwendungstipps enthält, wie der eigene Jahresabschluss zielgerichtet gestaltet werden kann.
Alle Rezensionen von Bernd W. Müller-Hedrich