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Ansgar Schulz, Benedikt Schulz: Atlas Naturstein

Bauen mit Naturstein

Auch Baustoffe unterliegen Trends. Mal ist Glas en vogue, dann Beton oder Stahl, Holz kommt auch immer wieder mal auf. Aktuell gilt auch Naturstein nicht mehr als rückständig, sondern wird durchaus wieder als modern angesehen. Ganz unabhängig von Trends spricht einiges für den Einsatz dieses Baumaterial-Klassikers. Als eines der ältesten Baumaterialien bietet Naturstein nicht nur eine enorme ästhetische Vielfalt, sondern besticht auch durch eine hohe Wertigkeit und Beständigkeit und ist ökologisch oft anderen Materialien überlegen. Wenn es darum geht, langlebige Bauwerke zu schaffen, ist Naturstein erste Wahl.

Der "Atlas Naturstein" von Ansgar Schulz und Benedikt Schulz, Brüder, die 1992 das Büro Schulz und Schulz mit Sitz in Leipzig gegründet haben und beide als Professoren für Entwerfen und Konstruieren an der Architekturfakultät der Technischen Universität Dresden tätig sind, ist eine Feier des wohl ältesten Baustoffs und zugleich eine Fachpublikation für die praktische Arbeit mit dem Naturmaterial. Das schön gestaltete und grosszügig bebilderte Werk umfasst sechs Teile.

Produktion

In diesem kurz gehaltenen Teil wird auf die Gesteinsarten, Klassifikation und Normierung sowie auf die Frage eingegangen, was Gestein, das grundsätzlich ja im Überfluss vorhanden ist, tatsächlich zu einem Material macht, das für den Bau geeignet ist. Weitere Kapitel befassen sich mit dem Abbau, der Verarbeitung und der Oberflächenbehandlung sowie der Kantenbearbeitung. Auch auf den Transport wird hier eingegangen. Ein Thema, das später im Teil "Nachhaltigkeit" nachvollziehbarerweise erneut aufgegriffen wird, sind doch die Wege, die ein Teil des Materials heutzutage zurücklegt, absurd und aus ökologischer Sicht äusserst bedenklich. 

Konstruktion

Dieser Teil beschäftigt sich ausführlich mit der Konstruktion, illustriert mit diversen Detailzeichnungen und Abbildungen, angefangen bei den Kriterien zur Gesteinsauswahl und der Planung bis zur Pflege und dem Erhalt. Es wird auf die einzelnen tragenden Bauteile, Wand, Stütze, Träger, Bogen, Decke und Dach, Treppe, eingegangen, ein Kapitel ist dem Einsatz von Naturstein in der Vorsatzschale gewidmet, weitere Kapitel gehen auf Wand- und Deckenbekleidung sowie Boden- und Treppenbeläge ein. Auch Einzelwerkstücke werden thematisiert. Verbauter Stein wird diversen Einflüssen ausgesetzt sein und mittel- bis langfristig sein Erscheinungsbild ändern, was ein ästhetischer Gewinn aber auch sehr unschön sein kann. Letzteres tritt insbesondere dann ein, wenn unsachgemäss konstruiert, ungeeignetes Material gewählt oder der Stein falsch gepflegt wurde. Welche Einflüsse bei der Arbeit mit Naturstein in Betracht gezogen werden müssen und was Konstruktionsfehler für Folgen haben können, zeigen die Autoren hier auf.

Computertechnologien

Insbesondere in der Vorfertigung grösserer Stückzahlen, zunehmend aber auch bei der Fertigung von Unikaten ist der Einsatz automatisierter Planungs- und Produktionswerkzeuge kaum mehr wegzudenken. Computerbasierte Entwicklungen und Fertigungen ermöglichen zudem die Realisierung hochkomplexer Konstruktionen, für die Naturstein bis anhin kaum in frage kam. Nicht zuletzt deshalb erlebt Naturstein als Baustoff eine Renaissance. Die Autoren führen in diesem Teil einige Beispiele an.

Nachhaltigkeit

Wie Naturstein nach Gesichtspunkten der Nachhaltigkeit zu bewerten ist, wird von Martin Zeumer, Architekt, Energieberater an der Technischen Universität Darmstadt und geprüfter Planer für Baubiologie, ausgeführt. Wie oben bereits erwähnt, ist ein wichtiger Aspekt der Transport, denn Abbau, Bearbeitung und Einsatz im Bauwerk sind nicht mehr wie früher meist geografisch nah. Das Material kann bis zum Einsatz mehrmals den Kontinent gewechselt haben, wobei China als Exporteur aber auch als Importeur und Bearbeiter eine zentrale Rolle einnimmt. Weitere Kriterien der Umweltwirkung sind die Umwelteinflüsse der Steingewinnung, die mitunter erheblich sein können, Aufwände für die Reinigung und Instandhaltung, Einsatzdauer, etc. Wer sich bei einem Projekt nur von wirtschaftlichen Aspekten leiten lässt, kann auch mit Naturstein viel Schaden anrichten, obwohl Naturstein grundsätzlich ökologisch als auch von der Nachhaltigkeit her viele Vorteile hätte. Die im Buch genannten Labels wie XertifiX, Fair Stone oder Euroblume können hier Orientierung geben.

Leitdetails

Im diesem Teil zeigen die Autoren einige Lösungsansätze für typische Situationen beim Bauen mit Naturwerkstein. Die Zeichnungen zu den Bereichen Vorsatzschale, Vorgehängte hinterlüftete Fassade sowie Bodenbelag illustrieren Lösungen und Varianten für typische Schichtenfolgen und insbesondere für Anschlussprobleme in Bereichen, wo unterschiedliche Bauteile aufeinandertreffen. Diese Konstruktionsdetails müssen für jedes Vorhaben, abhängig von Ort, Anforderung und vor allem auch abhängig vom eingesetzten Material, individuell entwickelt werden.

Gebaute Beispiele

Etwa ein Drittel des Buches ist der Präsentation realisierter Projekte gewidmet. Die 22 Beispiele werden mit einem kurzen Text, diversen Bildern und Detailzeichnungen vorgestellt, wobei der Hauptaugenmerk natürlich auf dem Naturstein und seinem Einsatz liegt. Die vielfältige Auswahl, von modernen Neubauten bis zu dezenten Ergänzungsgebäuden für denkmalgeschützte Werke, zeigt nochmals die breite Palette an Einsatzmöglichkeiten von Naturstein in der heutigen Architektur.


von Jan Rintelen - 19. April 2020
Atlas Naturstein
Ansgar Schulz
Benedikt Schulz

Atlas Naturstein


Klassischer Baustoff in zeitgemäßer Anwendung
DETAIL 2020
224 Seiten, broschiert
EAN 978-3955534547