Geschichte

Einiges bleibt unklar auf Burg Tannenberg

Burg Tannenberg an der Bergstraße - in burgenkundlicher Hinsicht stellt diese Burg nachgerade einen Mythos dar, war sie doch 1849 Schauplatz einer der ersten groß angelegten (archäologischen) Ausgrabungen einer mittelalterlichen Burg, und bereits 1850 wurden in einer für die damalige Zeit vorbildlichen Publikation die Ergebnisse dieser Grabungen sowie die die Burg betreffenden Urkunden publiziert.

Grund genug, dass nach mehr als anderthalb Jahrhunderten nunmehr von der Autorin eine Neubearbeitung der seinerzeitigen, aber auch der später gemachten Funde nach modernen Maßstäben vorgelegt wird.

In einem ersten, kurzen Abschnitt werden Geschichte und Forschungsgeschichte der Burg vorgestellt, bevor in dem Kernstück der Arbeit die Funde, nach einzelnen Fundgattungen aufgeteilt, analysiert werden. In einem dritten Abschnitt folgt sodann die Auswertung, worauf sich ein Exkurs zu den Funden der Burg Jossa und des Heiligenberges anschließt. Abgerundet wird der Band durch einen Katalog der Funde und einen Tafelteil.

Im Abschnitt zur Geschichte der Burg Tannenberg bezieht sich die Autorin erfreulicherweise häufig auf die Schriftquellen (bzw. deren Abdrucke) und ermöglicht so dem Leser, die geäußerten Annahmen direkt aus den Quellen nachzuvollziehen. Bedauerlich ist allerdings, dass Astrid Schmitt es häufig unterlassen hat, weiterführende Literatur zu Rate zu ziehen. Dies äußert sich besonders auffällig daran, dass immer wieder vom "Raubrittertum" die Rede ist, und dieses auch - so suggerieren es zugegebenermaßen auch die Schriftquellen - der Grund für die Zerstörung der Burg gewesen sei. Dass das Phänomen des Raubrittertums durchaus ein seitens der Landfriedensbündnisse vorgeschobener Grund gewesen sein kann und differenziert zu betrachten ist, wird leider nicht deutlich.

Auch hinsichtlich der Zerstörung der Burg nach der Belagerung von 1399 würde der Rezensent sich eine differenziertere Betrachtung gewünscht haben: Das Datum 1399 dient als terminus ante quem für die Funde und Befunde, doch wurde scheinbar erstens die Kapelle weiterhin genutzt, und zum anderen waren die 1849 ergrabenen Mauerreste teilweise nicht unerheblich. Es stellt sich somit durchaus die Frage, wie vollständig die Zerstörung der Burg eigentlich war - in welchem Umfeld existierte die Kapelle danach, wie wurde sie praktisch genutzt?

Auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, scheint die Arbeit doch älteren Ursprungs sein, wurden doch beispielsweise hinsichtlich der Geschossspitzen die neueren Arbeiten von Bernd Zimmermann* und Valérie Serdon** nicht berücksichtigt, welche eine weitergehende Bearbeitung dieses Komplexes ermöglicht haben würden.

Deutlich wird das Problem der Aufarbeitung einer solchen Altgrabung insbesondere im Fall der so genannten "Tannenberger Büchse": Zwar versucht die Autorin eine Datierung durch weitere Beispiele derartiger Büchsen zu geben, doch muss sie letztlich einräumen, dass die Datierung nahezu aller bisher bekannten Büchsen jener Zeit letztlich auf eben der Tannenberger Büchse beruht.

Das größte Problem der Arbeit stellt jedoch die ungenügende Dokumentation nicht nur der Funde und Befunde von 1849, sondern auch der seit den 1970er Jahren bei Sicherungsmaßnahmen gemachten Beobachtungen dar. Bei aller Gründlichkeit der Autorin muss diese letztendlich immer wieder feststellen, dass seinerzeit noch kein Wert auf eine stratigraphische Differenzierung gelegt wurde, und oftmals sogar der genaue Fundort der bearbeiteten Gegenstände unklar ist. Somit kann Astrid Schmitt leider zu lediglich recht vagen Erkenntnissen kommen, denn beispielsweise die Annahme einer früheren Bauphase im 13. Jahrhundert mit anschließendem Ausbau und mutmaßlicher Vergrößerung des Burgbereichs alleine ist weder überraschend noch von großem Aussagewert.

Es bleibt somit festzuhalten, dass die Autorin - und das sollte keinesfalls übersehen werden - einen äußerst verdienstvollen Beitrag geleistet hat, indem sie dem Leser die Funde der Burg Tannenberg vorgelegt hat, doch kann man hier eben auch die Grenzen der Möglichkeiten bei der Neubearbeitung einer nach heutigen Maßstäben schlecht dokumentierten Grabung deutlich erkennen.

Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim / Lkr. Darmstadt-Dieburg
Astrid Schmitt

Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugenheim / Lkr. Darmstadt-Dieburg


Eine spätmittelalterliche Ganerbenburg im Licht der archäologischen Funde
Rudolf Habelt 2008
496 Seiten, gebunden
EAN 978-3774935495

Burg- und Schlossherrlichkeit am Niederrhein

Ein schön gemachter Bildband, der die Faszination an Burgen und Schlössern transportiert.

Lesen

Eine Fundgrube für die Burgenforschung

Dieser ansprechend gestaltete und mit fundierten Texten ergänzte Band versammelt eine Auswahl aus den Werken von Karl August von Cohausen und Botho Graf zu Stolberg-Wernigerode, die im 19. Jahrhundert beeindruckende, bis ins technische Detail gehende Zeichnungen von Burganlagen schufen. Eine Fundgrube für die Burgenforschung.

Lesen

Ein Schloss und seine bewegte Geschichte

Reinhard Zimmermann bringt dem Leser auf eine verständliche Art und Weise sowie mit guten Abbildungen das Heidelberger Schloss mit seiner komplexe Geschichte nahe.

Lesen

Das Leben im römischen Reich

Das Leben im römischen Reich nördlich der Alpen anschaulich gemacht für Kinder und Jugendliche anhand von Funden und Rekonstruktionen.

Lesen

Eine Burgenrundschau in Deutschland

Ein schön bebildertes Werk, das fünfzehn bedeutende Burgen ausführlich vorstellt.

Lesen

"Wer nich groben deit, de find ok nix"

Die Stadt Rungholt sei 1362 aufgrund einer Sturmflut regelrecht versunken, hat es lange geheissen. Der Autor stellt nicht nur dies in Frage, sondern zweifelt auch die Lokalisierung an.

Lesen
Generaloberst Friedrich Fromm
Luftbildatlas Weltkulturerbe Oberer Mittelrhein
Maya: Das Rätsel der Königsstädte
...wurfen hin in steine/grôze und niht kleine...
Die Kaiser-Wilhelms-Universität Strassburg 1872-1902
Kurt Georg Kiesinger 1904-1988
Der große illustrierte Atlas Österreich-Ungarn
Mayflower
Die 70er Jahre
Ionien
Krieg im Mittelalter
Geschichte der Türkei
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018