Medien

Wie wir von den Büchern erfahren

Jedes Jahr erscheinen knapp 100'000 Bücher alleine auf dem deutschsprachigen Buchmarkt. Eine Zahl, die niemand in Gänze überblicken kann. Die Bücher wollen aber alle gelesen werden. Und irgendwie funktioniert es auf diesem Massenmarkt ja auch, jedes Buch findet seinen Leser und auch die abseitigsten Interessen werden vom Buchmarkt bedient. Dass dabei nicht jedes Buch ein Erfolg ist, versteht sich von selbst. Anke Vogel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Buchwissenschaft der Universität Mainz, untersucht in ihrer nun vorliegenden Dissertation die Mechanismen, die den Buchmarkt zwischen den Medien und den Kommunikationsprozess bestimmen.

Dabei geht sie systematisch und gründlich vor: Sie begreift den Buchmarkt als Markt im umfassenden Sinn zwischen seiner ökonomischen und kulturellen Bedeutung. Hier schlägt sich das auf deutschem Recht basierende Verständnis des Buchs nieder, das das Buch gleichermaßen als Handels- wie auch als Kulturgut versteht. Auf dieser Logik baut die Studie auf. Vogel beleuchtet im Folgenden, welchen Einfluss die verschiedenen Kommunikationsformen auf den Buchmarkt haben können. Von der direkten personalen Kommunikation, die man in der stationären Buchhandlung erleben kann, bis zur webvermittelten asynchronen Kommunikation, wie man sie in den sozialen Netzwerken und Communities des Web 2.0 findet.

Die Studie hat einen stark überblickenden Charakter. Anke Vogel hat das Feld der Kommunikation über das Buch in der Arbeit in allen Sphären beschrieben. In der gegenwärtigen Zeit, in der sich viele "traditionelle" Player der Buchbranche mit massiven Veränderungen am Markt konfrontiert sehen, kommt eine solche Studie wie gerufen. Der Auftritt der neuen Intermediäre - Google, Amazon und Apple lassen grüßen - bedeutet für Verlage und Buchhandlungen eine Umstellung des Geschäftsmodells. Was sie tun sollen um der online lauernden Konkurrenz gewachsen zu sein, dazu gab es in den vergangenen Jahren so viele Ratschläge wie es Experten gibt. Das Spektrum reicht vom Umbau der Ladengeschäfte in Convenience-Bookstores bis hin zur Neudefinition des Verlags als Content-Broker. Für eine Arbeit mit einem derartigen Praxisbezug sind Vogels Ausführungen und Schlüsse vergleichsweise unaufgeregt. Und das tut der Arbeit gut. Mögliche Zukunftsszenarien der Kommunikation über das Buch werden entworfen, sie nehmen aber nicht den Hauptteil der Arbeit ein. Woran es besonders am Schluss mangelt, ist ein klarer Begriff davon, was ein Buch ist. Zwar ist gerade in diesem Punkt innerhalb der buchwissenschaftlichen Forschung noch allgemein ein Mangel an Konsens über das Formalobjekt des Buchs zu beklagen, eine neu entstehende Arbeit hätte aber hier zumindest Akzente setzten können.

Dass das Buch sich nicht nur in seiner physischen Gestalt in den kommenden Jahren radikal ändern wird, gilt als ausgemachte Sache. Wie wir in Zukunft über Bücher reden und welche Medien wir dazu benutzen werden, wird erst die Zeit endgültig zeigen können. Vielleicht werden wir durch die online erschiene Rezension zum physischen Produkt der Dissertation greifen, oder einzelne Kapitel über die Datenbank des Verlags abfragen oder einfach einem Freund den Titel in einem Tweet weiterempfehlen oder, oder, oder. Anke Vogel hat eine außerordentlich gut recherchierte Arbeit zum Status quo des Buchmarkts als Kommunikationsraum vorgelegt.

Der Buchmarkt als Kommunikationsraum
Anke Vogel

Der Buchmarkt als Kommunikationsraum


Eine kritische Analyse aus medienwissenschaftlicher Perspektive
Springer VS 2011
387 Seiten, broschiert
EAN 978-3531183879

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