Reisen

Mit der grossen Kelle in Paris

"Spree" ist nicht nur der Name des Flusses, der durch die deutsche Hauptstadt fließt, sondern seit neuestem auch der Name einer Boutique im 1° Arrondisement von Paris (nahe Palais-Royal Musee de Louvre). Hier werden nicht nur die neuesten Entwürfe von jungen Modedesignern verkauft, man findet in den Regalen auch Ware von Eley Kishimoto oder Comme des Garcons. Zusätzlich werden auch Möbel und Objekte angeboten, die auch von Hollywoodstars wie Kirsten Dunst schon hier gesucht und gefunden wurden. Aus dem "Shop"-Sektor dieses Luxus-Reiseführers aus dem Hause Taschen ist sicherlich auch die "Maison Martin Margiela" erwähnenswert, dessen Konzept des namenlosen Labels und der nach außen getragenen Nähte, nicht nur am französischen Modehimmel einige Unruhe ausgelöst hat: Margiela ist Belgier. Die schnörkellose Atmosphäre des Verkaufladens in der Rue de Montpensier (nahe Sacre-Coeur) vermittelt das nötige "laisser-faire" in der wohl aufregendsten Metropole der westlichen Hemisphäre: wo alles etwas übertrieben und hip bis posh wirkt, tut ein bisschen Funktionalismus wohltuend gut. Besonders bei den Hoteltipps wünschte man sich ein paar mehr unaufgeregte Tipps, tatsächlich findet man gerade mal ein Hotel unter 100 Euro fürs Doppel, alle anderen - obwohl auch Zwei-Stern-Hotels - beginnen mit 200 Euro. Aber immerhin bekommt man durch die Vielzahl der Fotos einen Einblick in Vestibüle und Empfangshallen oder Hotelzimmer, die man sich nicht einmal für die eigene Hochzeitsnacht gönnen möchte oder erlauben könnte.

Eine weitere Nachschlagekategorie sind natürlich die Restaurants, unter denen sich sowohl Klassiker als auch einfachere Bistros befinden. Hier ist das Angebot zwischen Budget und Luxus viel ausgewogener als noch bei den Hotels und man möchte glauben, sich in dem einen oder anderen bald wiederfinden zu können und - wenn es das Urlaubsbudget erlaubt - sogar in mehr als einem. Die Preisangaben, etwa für ein Bier 4.- Euro, mögen aber zu leichten Verstimmungen führen, da die Mengenangabe fehlt. Tatsächlich bezahlt man diesen Preis nämlich für ein Viertel (!) Bier, also 0.25 cl, eine Maßeinheit, die für Bier eigentlich verboten sein sollte. Im "Le Comptoir des Saints-Peres" (6° Arr.) haben nicht nur Ernest Hemingway und James Joyce verkehrt, man kann sogar heute noch - für Pariser Verhältnisse - relativ günstig zu Mittag essen. Ein Menü um 28 Euro ist in Paris sicherlich unschlagbar, man kann nur hoffen, dass es sich dabei nicht um nouvelle cusine - also kleine Miniportionen - handelt. Vielleicht doch nur ein Kaffee um 2.50 Euro?

Natürlich ist es müßig in Paris über Preise zu sprechen. Schönheit hat eben ihre Tücken und wer in eine Hauptstadt fährt, will natürlich auch Geld ausgeben. Wir wollen ja auch nicht knausrig sein, sondern einmal im Leben richtig klotzen, statt nur zu kleckern, das kann man ja getrost wieder zu Hause. Also auf ins George V., wo selbst Jim Morrison seine Dollar gelassen haben soll, wohl eher an der Hotelbar, als in den üppig ausgestatteten Zimmern, die seit 1928 mehrmals renoviert wurden und deren Logie gerademal 735.- Euro pro Einzel- oder Doppelzimmer verschleißt. Selbstverständlich ohne Frühstück.

Alles in allem eine verführerische Reise an die edelsten Adressen der Seine-Metropole, auf der man ohne viel Geld auszugeben sich dennoch vollends dem Genuss hingeben kann. Vielleicht findet man ja doch noch eines der Sonderangebote im Internet, auf das die Autorin in ihrem Vorwort hinweist. Gewisse Wochenendtarife in der Vor- oder Nachsaison sollen nämlich durchaus erschwinglich sein. Das erklärte Ziel der Autorin, Orte abzubilden, die man ansonsten nie zu Gesicht bekommen würde, hat sie jedenfalls erreicht. Die Vielzahl der prächtigen Fotos der Innenarchitektur, von Objekten oder Außenansichten lassen das Herz höher schlagen, bis es vor Neid zerspringt! Slavoj Zizek würde sagen, dass selbst das Verlangen nach Gerechtigkeit nur dem Neid entstamme. Wie recht er damit doch hat!

Taschen\'s Paris
Angelika Taschen

Taschen\'s Paris


Hotels, Restaurants & Shops
Taschen 2008
400 Seiten, gebunden
EAN 978-3836509329

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