Zum Inhalt springen
rezensionen.ch

Kevin Spacey: Albino Alligator Dramatisches Kammerspiel im Speak Easy

14. Mai 2026
von Juergen Weber

„Männer tun dumme Sachen, wenn sie Angst haben", meint Janet Boudreaux (Faye Dunaway). Die Kellnerin wurde in einer Bar von drei Kleingaunern mit anderen Gästen als Geisel genommen. Was nur ein Kurzbesuch sein soll, gerät bald aus dem Ruder.

Psychologisches Feingefühl und brutale Gewalt

Ein Dog Day Afternoon nach einer wilden Autoverfolgungsjagd führt zu einem Kammerspiel im tiefsten Süden Louisianas. In die ehemalige Speakeasy-Bar in New Orleans dringen Dova (Matt Dillon), Milo (Gary Sinise) und Law (William Fichtner) mit Gewalt ein und wollen eigentlich nur den verletzten Milo wundversorgen. Aber der vorhergehende schiefgelaufene Coup zieht eine Blutspur bis vor die Kneipe und bald klopft auch schon die Polizei an die Türe. Aber anders als in den eigentlichen Speakeasys der Prohibitionszeit und in den Dreißiger Jahren hat dieses keinen Hinterausgang. So werden nicht nur die Gäste zu Geiseln, sondern auch die Kidnapper zu Gefangenen in einem spannenden psychologischen Kammerspiel, das vor allem durch schauspielerische Leistungen und außergewöhnliche Actionmomente glänzt. Kevin Spaceys Regiedebüt ist ein explosives Neo-Noir-Kammerspiel, das Thrillerfans begeistert. Die intime, klaustrophobische Atmosphäre wird u. a. auch dadurch erzeugt, dass der Film in New Orleans spielt und sich die sozialen Beziehungen zwischen Geiseln und Kidnappern, Katz und Maus, langsam aber stetig entwickeln. „Mann, du hättest wirklich heiraten sollen, als es noch ging. Kinder kriegen. Solide werden. Guten Job suchen.", sagt sich Dova in einer Szene im Bathroom im Spiegel selbst ins Gesicht. „War ein Scherz" folgt nach einem kurzen Naserümpfen.

Kammerspiel zum Zerreißen gespannt

Auf der einen Seite steht der brutale Law, überzeugend dargestellt von William Fichtner, der bereit ist, bis zum Äußersten zu gehen. Dova als Boss der Gang ist der Jüngste und Unerfahrenste und lässt sich sowohl von Milo als auch von Janet leicht beeinflussen. Der Vernünftigste der drei Gauner, Milo, ist leider so verletzt, dass er kaum eine Chance hat, sich einzubringen. Und so nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Doch dann gibt es noch „Guy", Guy Foucard (Viggo Mortensen), den schweigsamen Unbekannten. Sein Name bedeutet so viel wie Typ, Niemand, Jedermann – und vielleicht kann er das Blatt noch einmal herumreißen und aus der brenzligen Situation ein gutes Ende machen? „Wir sind alle keine Helden", meint Janet, aber ganz hat sie damit nicht recht. Albino Alligator ist eine gelungene Hommage an die Flüsterkneipen, Speakeasys und Prohibitionsbars der Dreißigerjahre, aber auch an das Film-Noir-Genre, das eine beklemmende Atmosphäre erzeugt und Thrillerfans begeistert hat und wird.

Alle Rezensionen von Juergen Weber

Abbildung von Albino Alligator
Kevin Spacey (Regie)
Albino Alligator
Originalsprache: Englisch
Laufzeit: ca. 94 Minuten
EAN 4020628542337
Plaion 2026