Kunst

Der Eremit, der zeitlose Meisterwerke schuf

Eine Fotografie im biographischen Teil dieses Kunstbandes zeigt den jungen Alberto mit seinen Geschwistern Diego, Ottilia, Bruno: sein kritischer Blick, sein Lockenkopf, allein wie er dasteht, im Alter von kaum fünf Jahren kündigen vielleicht schon seine Zukunft an, denn Giacometti wurde in eine Künstlerfamilie hineingeboren und natürlich konnte aus ihm so auch leichter wieder ein Künstler werden. Sein Vater Giovanni war ein postimpressionistischer Maler, sein Taufpate der fauvistische Maler Cuno Amiet, ein Freund der Familie. So wurde dem kleinen Alberto die Kunst also quasi in die Wiege gelegt, 1901, als er geboren wurde.

Über sein erstes Pariser Atelier in den Zwanzgier Jahre soll er gesagt haben: "Ich wollte so schnell wie möglich ausziehen, da es so eng war - nicht mehr als ein Loch. Aber je länger ich blieb, desto größer wurde es." Vielleicht ist es auch diese Schweizer Bescheidenheit des in Graubünden/Borgonovo Geborenen, die viel zu seinem Erfolg beitrug. In "Grandioser Erfolg mit dem Misserfolg" beschreibt der Herausgeber Markus Müller den Werdegang des Künstlers.

Des Künstler’s Loch…

Sein subtil galliger Humor und das Leben eines geselligen Eremiten hätten Giacometti zu einem "sanftmütigen Kannibalen" gemacht, soll einst Michel Leiris über seinen Freund gesagt haben. "Picasso findet. Giacometti scheitert" auf diese Formel brachte es einst Thierry Dufrene, um den Gegensatz der beiden Künstler markant hervorzuheben: Picasso war von sich überzeugt und überheblich, Giacometti durch Selbstzweifel zerrüttet. Auch was die Wohnverhältnisse betraf, gibt es entscheidende Gegensätze zwischen den beiden: Giacometti hauste 39 Jahre auf ganz wenigen Quadratmetern in einem aus Abbruchmaterial zusammengestellten Bauprovisorium (Rue Hippolyte-Maindron 46), seinem oben angesprochenen "Loch". Ein berühmtes Foto von Henri Cartier-Bresson unterstrich noch die Legende vom Eremiten, denn es zeigt ihn auf menschenleerer Straße bei Regen unter seinem Mantelkragen Schutz suchend, natürlich mit einer Zigarette in der Hand. Sein persönliches Glaubensbekenntnis könnte ungefähr mit diesen Worten formuliert werden: "Und das Abenteuer, das große Abenteuer besteht darin, in ein und demselben Gesicht jeden Tag etwas Unbekanntes hervortreten zu sehen, das ist großartiger als alle Reisen rund um die Welt."

…in die Welt!

In seinem Embryonallaboratorium schuf Alberto Giacometti bedeutende Kunstwerke, die wie keine anderen das Konstrukt der Moderne repräsentieren: Alberto Giacometti (1901-1966) schuf Plastiken, Malerei, Graphik, die nun in einer Ausstellung des Kunstmuseums Pablo Picasso in Zusammenarbeit mit der in der Nähe von Nizza beheimateten Fondation Maeght und in vorliegendem Katalog des Hirmer Verlages gezeigt werden.

Alberto Giacometti
Markus Müller (Hrsg.)
Olivier Kaeppelin (Hrsg.)

Alberto Giacometti


Meisterwerke aus der Fondation Maeght
Hirmer 2015
192 Seiten, gebunden
EAN 978-3777425429

Beobachtungen einer Füchsin

Die amerikanische Fotografin Annie Leibovitz legt mit "Portraits 2005-2016" eine Bestandsaufnahme einer ganzen Ära vor. Einer Zeit, in der das Träumen von einer besseren Welt noch möglich war.

Lesen

Die Kunst der Illustration

Anhand ausgewählter Beispiele wird die Entwicklung des Plattencoverdesigns von 1913 bis heute gezeigt. Ein Muss für jede Kunstsammlung von MusikliebhaberInnen.

Lesen

Alles über Egon Schiele

Ein gewaltiger Überblick über das Jahrhundertgenie, dessen Todesjahr 2018 zum 100. Mal begangen wird. Egon Schiele in sieben Aufsätzen und 221 Gemälden und 146 Zeichnungen.

Lesen

Wohnungsbaulabor Zürich

Ein gewichtiges und gelungenes Werk, das zu neuen architektonischen und typologischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Wohnungsbau anregt.

Lesen

Halbwahrheiten sind (keine) Lügen

Dr. Sigmund Freud aus Wien trifft im Londoner Exil auf den deutschen Lügenbaron Münchhausen, der unbedingt zum Kaiser will.

Lesen

Schmerzen begreifen

Ein Kind wird ernsthaft krank. Eine seltene Nierenkrankheit. Schlimm genug. Zunächst für die Eltern. Ihr Sohn, der kleine Malo, muss nun mehrmals wöchentlich ins Krankenhaus und erfährt nun den Schmerz: Spritze, Kanülen, Infusionen. Malo versteht nicht, was ihm passiert. Wie nur können Kinder Schmerzen begreifen?

Lesen
New York 1974
Caravaggio
Bergwerke und Hütten / Zeche Hannover
Prinz Eisenherz Band 16
Sandman Nr. 6
Menschen des 20. Jahrhunderts
Caspar David Friedrich
50 Künstler, die man kennen sollte
Das Bauhaus kommt aus Weimar / Modell Bauhaus
Künstlergruppe Brücke
Karl Schmidt-Rottluff
Jeder ist ein Künstler
by rezensionen.ch - 2001 bis 2018