Die bilateralen Verträge I

Spätestens zu Beginn der 90er Jahre wurde klar, dass sich die Schweiz um eine Annährung an die Europäische Union bemühen sollte. Die veränderten wirtschaftlichen und politischen Bedingungen machten ein fast vollständiges Abseitsstehen (abgesehen von dem Freihandelsabkommen von 1972 zwischen der Schweiz und der EG) immer folgenschwerer. Nach dem Scheitern des Beitritts zum Europäischen Wirtschaftsraum EWR 1992 ergriff der Bundesrat die Initiative, indem er 1993 Verhandlungen in verschiedenen Bereichen mit der EU anstrebte. Mitte 2002 ist das Ergebnis in Form von sieben bilateralen Abkommen in Kraft getreten. Auch wenn es sich um verschiedene Verträge mit unterschiedlichen Merkmalen handelt, ist es doch ein Paket, denn wenn einer der sieben Verträge gekündigt wird, treten alle anderen ebenfalls ausser Kraft (Guillotine-Klausel). Diese Synchronität wurde bereits während den Verhandlungen verfolgt. So konnte und kann verhindert werden, dass die Schweiz sich einseitig Vorteile verschafft ("Rosinenpicken"). Während den Verhandlungen wurde viel über die bilateralen Verträge diskutiert und politisiert, eine sorgfältige Analyse der Folgen des Inkrafttretens fehlte bis anhin. Das vorliegende Werk gibt hier pünktlich auf Mitte 2002 Aufschluss. Es befasst sich aus rechtlicher Sicht mit den Auswirkungen jedes einzelnen Vertrages. Nicht überraschend nimmt das Abkommen über die Freizügigkeit (die Themen Freizügigkeit und Landwirtschaft wurden von der EU in die Verhandlungen eingebracht) am meisten Raum ein. Neben diesen Spezifitäten werden auch Fragen verfolgt wie: Inwiefern nehmen die bilateralen Verträge einen EU-Beitritt vorweg? Wie ist das Verhältnis zum WTO-Recht? Welche Auswirkungen hätte eine allfällige Osterweiterung der EU? Inwieweit sind einzelne Bestimmung unmittelbar innerstaatlich anwendbar (self-executing-Normen)? Diese und andere Fragen werden im vorzüglichen ersten Teil (Grundlagen) des Buches beantwortet. Das Werk leistet einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Verträge in die Praxis. Sein Handbuch-Charakter macht es zu einer praktischen Hilfe für alle, die beruflich mit den Veränderungen konfrontiert sind und (in den Worten von Joseph Deiss) "für all jene interessierten Bürgerinnen und Bürger, welche von den neuen Möglichkeiten profitieren wollen, die ihnen durch den Abschluss der Verträge eröffnet worden sind", vorausgesetzt sie möchten sich auf juristischer Ebene mit der Materie auseinandersetzen.

Bilaterale Verträge Schweiz - EG

Das 20. Jahrhundert

Ein Überblick über das 20. Jahrhundert anhand von Artikeln der NZZ. Ein interessanter Einblick in die damalige Berichterstattung.

Das 20. Jahrhundert im Spiegel der Neuen Zürcher Zeitung

Nichts für Strenggläubige

Die Geschichte eines sehr entspannten Jesus.

Das Leben des Jesus

Empfehlenswerte Kurzeinführung in den Konfuzianismus

Konfuzianismus ist die ethisch-politische Lehre des Konfuzius. Sie wurde unter den Herrschern des alten China zur Staatslehre entwickelt. Mit ihr konnten sie über 2000 Jahre lang ihre herrschende Stellung in China behaupten. Konfuzius, einer der grossen Denker des alten China, wird in China K'ung fu-tzu genannt. Dabei ist K'ung der Nachname und fu-tzu eine ehrende Anrede, wie etwa "Meister". Er lebte in einer Zeit, in der die feudale und soziale Ordnung zerfiel und die Herrscher nach Erweiterung von Macht und Territorium strebten. Konfuzius sah in der Vernachlässigung des Zeremoniells und der Ethik den Grund für die Wirren seiner Zeit. Er strebte die Wiederherstellung einer auf Menschenliebe und Achtung vor der Autorität fussenden Feudalordnung an. Im Alter von 50 Jahren wurde er zum Justizminister ernannt und fünf Jahre später zum Premier. Doch seine Ideale konnte er nicht verwirklichen. Später widmete er sich ganz der Lehre, wobei bemerkenswert war, dass er auch Menschen aus dem einfachen Volk unterrichtete und so das bisherige Privileg der Adligen auf Bildung aufhob. Konfuzius starb 479 v. Chr. im Alter von 72 Jahren. Zu seinen Lebzeiten fanden seine Gedanken wenig Beachtung. Erst viele Jahre später wurde die konfuzianische Lehre zur Staatslehre erhoben, denn mit ihr liess sich die autokratische Herrschaft rechtfertigen. Konfuzius wurde daraufhin von vielen Herrschern verehrt. Mit der Instrumentalisierung des Konfuzianismus wurde auch sein Inhalt verändert. Heute wird mit dem Konfuzianismus der erstaunliche Wirtschaftsboom in den asiatischen Ländern erklärt, während Max Weber in ihm vor einiger Zeit noch einen der Hauptgründe für das Zurückbleiben Chinas im internationalen Wettbewerb sah. Hans van Ess legt in seiner Darstellung besonderes Gewicht auf das selbständige Wirken der konfuzianischen Gedanken und der Tradition des Konfuzianismus und bietet damit eine kurze Gesamtdarstellung aus einem Zeitraum von 2500 Jahren. Dabei wird deutlich, dass die gesamte Bandbreite des Konfuzianismus die Gedanken des Gründers weit hinter sich lässt und dass Konfuzianismus nicht ohne weiteres definiert werden kann.

Der Konfuzianismus

Privates in der Öffentlichkeit

Was kann aggressive Publizistik bei Individuen anrichten? Ein Psychiater gibt Auskunft.

Der öffentliche Mensch

Die Öffnung der Kuppel

Der Début-Roman von Janko Kozmus spielt in der Zukunft. Schauplatz ist Afrika. Die Menschen leben unter Energiekuppeln in den Städten, da die Atmosphäre künstlich geschaffen werden muss. Jedes Jahr findet eine rituelle Öffnung der Kuppeln statt und ein erlauchter Kreis ("die Oberschicht") darf die Wüste "begehen". Die Zurückgebliebenen sind in dieser Zeit in ihren Häusern eingeschlossen und dürfen das zu einem TV-Spektakel hochstilisierte Ereignis an Bildschirmen verfolgen. Es wird deutlich, dass die Menschen den Bezug zur Natur verloren haben. Harmlosen Äffchen begegnen sie eher mit Panik als mit Faszination und Waffen, um sich vor wilden Tieren zu schützen, sind selbstverständlich. Die einzige Person, die den Schritt wagt und in Kontakt mit den Naturwesen tritt, indem sie ins Wasser springt und mit Delphinen spielt, geht vor den Augen der Zuschauer unter und bestätigt so die feindliche Haltung gegenüber der natürlichen Umwelt. Dass eine "Begehung" Tote fordert, ist nicht neu. Will man in diese Konstellation etwas hineininterpretieren, könnte man zum Schluss kommen, der Autor wolle ein überhöhtes Bild der gegenwärtigen Entwicklung unserer Zivilisation zeichnen: Zunehmende Urbanisierung, Entfremdung von der Natur, Zerstörung der Umwelt, Zweiklassengesellschaft (mobile Oberschicht und aufs Fernsehen reduzierte unkritische Unterschicht). Die an sich nicht uninteressante Idee hätte einen gesellschaftskritischen Roman geben können, gab es aber nicht. Erstens ist das Buch eher ein Bericht als ein Roman und zweitens fehlen die Hauptpersonen. So ist eine verzettelte und damit spannungslose Handlung entstanden. Kozmus berichtet erst von einer kleinen Feier anlässlich der Öffnung der Kuppel, dann von der "Begehung" aus Sicht der Zurückgebliebenen und schliesslich von dem waghalsigen Ausflug eines "Inhabitanten" auf eine verbotene Insel. Einzig in diesem dritten Teil des Romans gibt es gewisse erfreuliche Ansätze einer Verdichtung der Handlung. Neben diesem Fehlen eines roten Fadens wäre das Lektorieren des Textes nötig. Die zum Teil holprigen Satzkonstruktionen und gar gesuchten Verben und Adjektive machen die Lektüre nicht unbedingt zum Genuss. Umgangssprachliche Wortkürzungen, die zum Beispiel aus "etwas" "was" machen, mögen der direkten Rede die nötige Authentizität geben, sonst sind es aber einfach Sprachbrutalitäten.

Der Schatten des Marabouts

Amerikanische Geschichte

Für viele verkörpert der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika die grösstmögliche Machtfülle, die einer Einzelperson zukommen kann. Diese Sicht resultiert aus der amerikanischen Verfassung (die Exekutive wird pauschal dem Präsidenten untergeordnet) und aus der hohen Medienpräsenz des Präsidenten. Dabei wird übersehen, dass der Präsident insbesondere innenpolitisch stark in seinen Möglichkeiten eingeschränkt ist. Der mächtige Gegenspieler ist der Kongress. So gestaltet sich der politische Alltag in den USA über weite Strecken als ein Machtkampf zwischen Präsident und Kongress, wobei es eine untergeordnete Rolle spielt, ob die Partei des Präsidenten im Kongress in der Minder- oder Mehrheit ist. Die Fraktionsdisziplin ist, im Gegensatz zu den meisten europäischen Parlamenten, wenig ausgebildet. Wer jeweils mehr Macht auf sich vereinigen kann, variierte in der amerikanischen Geschichte stark und ist zu einem grossen Teil von der Persönlichkeit des Präsidenten abhängig. Jürgen Heideking, der Herausgeber des vorliegenden Buches, ist im März 2000 bei einem Verkehrsunfall gestorben. Trotzdem konnte eine dritte, durchgesehene und aktualisierte Ausgabe erscheinen, betreut von Christof Mauch. Und das ist sehr erfreulich, denn das Buch ist aus geschichtlicher Sicht sehr interessant und ist ausserdem ein spannendes Lesebuch. Auf jeweils etwa zehn Seiten werden sämtliche amerikanischen Präsidenten portraitiert. Dabei wurde der Schwerpunkt nicht auf amüsante Anekdoten, sondern auf eine kritische Deutung der historischen Epochen mit den Leistungen, Versäumnissen oder Fehlentscheidungen des Präsidenten gelegt. Der persönliche Hintergrund des Amtsinhabers wurde auch nicht ausser Acht gelassen. So weicht manch ein vereinfachtes Bild einer differenzierten Betrachtungsweise. Lyndon B. Johnson bleibt nicht nur der machtbesessene Kriegstreiber, der die USA in den Vietnam-Krieg führte, Ronald Reagan nicht nur der Schauspieler der militärisch massiv aufrüstete oder Bill Clinton nicht nur der Präsident, der mit Frau Lewinsky fremd ging. Die Autoren, Spezialisten für die jeweilige Epoche, haben es verstanden, die wesentlichen Ereignisse, bei denen der US-Präsident eine Rolle spielte, zusammenzufassen und die charakterlichen Stärken und Schwächen, sowie die politische Haltung des Präsidenten in Zusammenhang zu bringen. So wird auch die Behauptung, es spiele sowieso keine Rolle, ob ein Demokrat oder Republikaner Präsident wird, widerlegt.

Die amerikanischen Präsidenten

Mexiko - USA

Nirgends treffen zwei so ungleiche Nachbarn aufeinander wie an der Grenze zwischen Mexiko und den USA. Das Inbild von Macht und Geld grenzt an ein Paradebeispiel der armen Länder. Will ein mexikanischer Staatsbürger mehr als 72 Stunden in den USA verweilen, braucht er die Erlaubnis der US-Einwanderungsbehörde. 1996 wurden 1.6 Millionen Mexikaner ausgewiesen (ein Rekordwert). Von den Dramen, die sich an dieser Grenze abspielen, bekommen wir nur die schlimmsten zu Gehör. Carlos Fuentes, der dort längere Zeit gelebt hat, widmet den vorliegenden Roman den Schicksalen und Ereignissen, die sich rund um den Zusammenprall der beiden Kulturen abspielen. Die neun Erzählungen sind von ganz unterschiedlichem Stil und trotzdem haben sie eine gemeinsame Linie, die mit einer zentralen Person gegeben ist: Leonardo Barroso. Gleich in der ersten Erzählung erhält der Geschäftsmann sein Profil. Er verheiratet seinen unansehnlichen Sohn mit seiner schönen Patentochter, die ihn (nicht etwa den Sohn) anhimmelt und zu seiner Geliebten wird. Barroso scheint über den Dingen zu stehen und so auch über der Grenze. Er hat Macht und Geld, doch der Preis ist die Entwurzelung im eigenen Land. Die Hauptfiguren der einzelnen Erzählungen stehen jeweils in einem entfernten oder nahen Zusammenhang mit Barroso. Ein gemeinsamer Schluss kann gezogen werden: Die Grenze ist nicht wirklich überwindbar. Auch wenn der Schritt in die USA (auf legale oder illegale Weise) geschafft ist, bleibt der Abstand doch zu gross. Die Stärke dieses Buches (die stilistische Vielfalt) hat auch seine Schwächen. Der rote Faden (die Figur Leonardo Barroso) geht zum Teil verloren oder wirkt aufgesetzt, so, dass er auch ohne weiteres hätte weggelassen werden können und es einfach ein Buch mit unterschiedlichen Erzählungen geworden wäre. Aber trotzdem lohnt sich die Lektüre. Einerseits wegen ein paar wirklich gelungenen Geschichten und andererseits wegen dem politischen Gehalt.

Die gläserne Grenze

Demokratie: Eine Diagnose

Das Gespräch mit Antonio Polito, Korrespondent der La Republica in London, macht Ralf Dahrendorfs Engagement für politische Fragen deutlich. Sehr differenziert legt er die Krisen der Demokratie als Regierungsform in der heutigen Zeit dar. Das Büchlein, aufgeteilt in zehn Kapitel von Globalisierung über Europa und Amerika bis Ethik, liefert eine umfassende Bestandesaufnahme der Demokratie und ist durch die Form als Gespräch sehr angenehm zu lesen. Dahrendorf setzt sich mit den Fragen auseinander, über die insbesondere die Parlamente dringend debattieren sollten, es aber zu wenig tun: - Wie soll mit der zunehmenden "Abwanderung" der Entscheidungsmacht von den nationalen Demokratien im Zuge der Globalisierung umgegangen werden? - Weshalb ist die Bewegung der Globalisierungsgegner eine legitime und ernstzunehmende Folge der Entwicklung? - Wie wird die Europäische Union demokratischer? - Wo bleibt der europäische "demos"? - Ist die US-Demokratie auch heute noch ein Vorbild? - Ist eine Kontrolle der Medien, die eine wichtige Funktion als Vermittler zwischen Politik und Volk haben, nötig? - Populismus als Rückkehr zu Autoritarismus? - Kann in Mehrheitsentscheiden über ethische Fragen bestimmt werden? Solchen und anderen Fragen geht Dahrendorf ausführlich und überzeugend nach. Er sieht einen der grössten Verluste in der zunehmenden Schwächung der Parlamente und in der damit in Zusammenhang stehenden Tendenz, dass Entscheidungen jenseits aller Kontrollen getroffen werden, während die Bevölkerung desinteressiert und apathisch bleibt. Visionen für die Zukunft kommen leider nur ansatzweise zur Sprache, obwohl Dahrendorf diese zweifelsohne hat. Wünscht man sich von dem Buch einen Überblick über die anstehenden Probleme demokratischer Regierungen, ist man nach der Lektüre sicher befriedigt. Der Titel lautet ja auch "Die Krisen der Demokratie" und lässt daher nicht zuviel erwarten.

Die Krisen der Demokratie

Für den Hobbyfotografen

John Hedgecoe gibt mit seinem Buch dem Hobbyfotografen ein Fülle von Ratschlägen und Tipps, wie Farbfotos besser gelingen. Er beginnt mit grundlegenden Überlegungen zum Umgang mit Farbe und schliesst mit Ratschlägen zur Fotoausrüstung. Die inhaltliche Aufteilung sieht folgendermassen aus: - Was ist Farbe? - Mit Farbe arbeiten - Bildaufbau - Natürliche Lichtstimmungen - Die Arbeit mit Kunstlicht - Motivbeleuchtung - Materialien und Techniken - Ausrüstung und Dunkelkammer Alle Aussagen und Möglichkeiten sind mit guten Beispielfotos illustriert. Hedgecoe bezieht sich stark auf die Praxis, indem er auf konkrete Situationen eingeht, zum Beispiel das Fotografieren bei Nebel und Dunst, Schnee und Kälte, Gegenlicht, Hitze, am frühen Morgen, etc. Für diese Themen ist jeweils mindestens eine Doppelseite reserviert, auf der er mit einem kurzen Einleitungstext sagt, was für Möglichkeiten aber auch Probleme in der jeweiligen Situation stecken, und welche Methoden oder Techniken verwendet werden könnten. Dies erläutert er jeweils mit einigen Beispielen. Nach demselben Muster geht er auf die Porträtfotografie, das Fotografieren von Stilleben, Architektur, Tieren, etc. ein. Hedgecoe zeigt, was es bei der Farbfotografie zu bedenken gibt, welche Fragen vor dem Drücken des Auflösers beantwortet werden sollten, und wie gewisse Probleme, die jedem sicher schon begegnet sind, gelöst werden könnten. Ein "kompletter Schritt-für-Schritt Kurs für den ambitionierten Fotoamateur", wie es auf dem Umschlag heisst, ist allerdings etwas viel versprochen. Das Buch regt zum experimentieren an, weil es die vielfältigen Möglichkeiten der Farbfotografie aufzeigt. Besonders erwähnenswert ist das kurze Schlusskapitel "Fehlersuche und -korrektur", in dem er typische Unschönheiten von Farbfotos zeigt und die möglichen Ursachen und Korrekturen erläutert.

Die Kunst der Farbfotografie

Abstammungsgeschichte weit zurück

Fast alle Europäer stammen von nur sieben Urmüttern ab. Zu dieser Erkenntnis ist Bryan Sykes gekommen, Professor für Genetik an der Universität Oxford. Er hat die Mitochondrien-DNA Tausender Europäer analysiert und konnte dabei sieben Bausteine entdecken, die zeigen, dass fast jeder Mensch, der in Europa lebt, in ununterbrochener weiblicher Abstammungslinie auf eine von nur sieben Frauen zurückgeht. Sykes taufte sie Ursula, Xenia, Helena, Velda, Tara, Katrin und Jasmin. Den Weg dieser Erkenntnis zeichnet Sykes im vorliegenden Werk nach. Dabei richtet er sich nicht an Fachleute, sondern an Leser ohne besondere Kenntnisse in der Molekularbiologie. So widmet er die ersten Kapitel der Vermittlung von Grundwissen, das er sehr allgemeinverständlich aufbereitet hat. Anschliessend schildert er die Untersuchungen und Hintergründe zum Fund von Gebeinen, von denen man vermutete, dass sie die sterblichen Überreste der letzten russischen Zarenfamilie seien. Nach diversen Untersuchungen stellte sich diese Vermutung mit fast hundertprozentiger Sicherheit als richtig heraus. Dann berichtet er von der wissenschaftlichen Kontroverse über die Herkunft der Polynesier, die bereits 200 Jahre dauerte. Stammen sie aus Südamerika oder Südostasien ab? Die asiatische Abstammung konnte eindeutig belegt werden. Schliesslich konzentriert er sich auf das eigentliche Thema des Buches, die Abstammungsgeschichte der Europäer. Seine Erkenntnisse führten über mehrere Jahre zu hitzigen Auseinandersetzungen unter den Wissenschaftlern, in deren Verlauf auch weniger edle Charaktereigenschaften der Forschenden zu Tage traten. So reichert der Autor die eher trockene Materie mit einer Portion "Sex and Crime" an. Dass auch Sykes selbst nicht immer über der Sache stand und steht, zeigen wohl die genüsslich dargelegten Kämpfe zwischen ihm und anderen Bekanntheiten, aus denen wohlgemerkt er als siegreich hervortrat. Im letzten Teil des Buches porträtiert Sykes die "sieben Töchter", wie er sie sich vorstellt. Hier lässt er seiner Fantasie freien Lauf. Er rekonstruiert aus dem wahrscheinlichsten Ursprungsort das alltägliche Leben. Es erstaunt nicht, dass die neuen Erkenntnisse von Bryan Sykes auch Nichtwissenschaftler interessieren. Die eigenen Wurzeln lösten schon immer Faszination aus. Wer sich aufgrund dieses Interesses das Buch kauft, wird mit einer flüssig zu lesenden und populär aufbereiteten Lektüre belohnt. Welche der "sieben Töchter" nun aber mit einem verwandt ist, kann man trotzdem nicht mit Sicherheit sagen. Hier ist ein DNA-Test unumgänglich.

Die sieben Töchter Evas

Bellis Rückblick auf ihren aktiven Kampf für die Revolution in Nicaragua

Gioconda Belli wurde 1958 in Managua als Tochter einer Familie aus der Oberschicht Nicaraguas geboren, heiratete mit 18 standesgemäss und gebar ein Jahr später ihre erste Tochter. Anders als man es bei einer Literatur-Nobelpreis-Trägerin erwarten würde, war Belli in ihren jungen Jahren zwar eine begeisterte Leserin aber schriftstellerisch noch nicht sehr aktiv - abgesehen von ein paar Gedichten. Die Schriftstellerei sollte erst einige Jahre später zum Mittelpunkt ihrer Tätigkeit werden. Vorerst war es die Politik, die sie am meisten interessierte: Belli beteiligte sich ab 1970 am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur. Also nicht gerade das, was einer Frau aus der Oberschicht geziemt. Wenn man nicht wüsste, dass das Geschriebene die Erinnerungen Gioconda Bellis sind, könnte man meinen, einen seichten Thriller zu lesen. Ein bisschen Liebe, Sex und Tod und eine Portion Gewalt. Intrigen, Verschwörungen und erschütternde Schicksale, also alles, was einen seichten Thriller ausmacht. Doch das Ganze beruht auf Erlebtem. Stellenweise sind es die gar schwülstigen Worte Bellis, die die Seichtheit unterstützen: "Ich weiss nicht, ob ich es brauchte, zu leiden - mehr als einmal im Leben habe ich mir das Glück durch die Finger schlüpfen lassen -, doch brandete das Bild von Marcos, riesig und idealisiert, an den Strand meiner Seele und riss Schiffe, Brücken, ganze Dörfer mit sich fort." Nicht alles ist in diesem melodramatischen Stil geschrieben. Belli kann auch im nüchternen Erzählstil berichten. Fesselnde Lektüre ist es aber nicht. Es ist vielmehr der Inhalt, der dieses Buch interessant macht: Ein durchaus kritischer - nicht idealisierender - Rückblick auf den Sandinistischen Widerstand in Nicaragua, gespickt mit sehr Persönlichem von Gioconda Belli.

Die Verteidigung des Glücks

Vom Schicksal geläutert

Patrick Wallingford wurde als Sonderkorrespondent nach Indien geschickt, um über den Sturz einer Trapezkünstlerin eines indischen Zirkus' zu berichten, die ihren Ehemann, der auch ihr Trainer war, erschlagen hatte, als dieser sie zu retten versuchte. Sie überlebte und für Wallingfords Nachrichtensender war das eine Reise wert. Doch es sollte nicht bei dieser Sensation bleiben. Millionen Fernsehzuschauer durften zusehen, wie sich die Zirkuslöwen mit dem halben linken Arm des Journalisten verköstigten. Wallingford war dem Käfig zu nahe gekommen, weil er effektvolles Löwengebrüll in seine Reportage hatte einbauen wollen. Von nun an war der Journalist weltbekannt und hiess jetzt überall der Löwenmann. Einige Zeit später bot ihm eine Frau die Hand ihres kürzlich verstorbenen Ehemanns. Diese Idee kam Mrs. Clausens übrigens nicht erst als ihr Mann gestorben war. Als Gegenleistung musste Wallingford ein Kind mit ihr machen und ihr Besuchsrecht bei der Hand gewähren. Das fiel Wallingford nicht schwer, denn er hatte sich in Mrs. Clausens verliebt und wollte ihr Ehemann und ganz Vater werden. Dem widerspricht aber seine bisherige Lebensweise... Irving hat einen stellenweise amüsant zu lesenden Roman geschrieben. Allerdings bleibt die Charakterisierung der Hauptfigur merkwürdig oberflächlich und die Geschichte wird dadurch langatmig. Zweifelsohne eine Stärke ist die Einführung neuer Figuren, so beispielweise die des grotesken Handchirurgen Dr. Zajac.

Die vierte Hand

Das mache ich am besten selbst!

Dass man nach der Lektüre nicht gleich gewiefter Dachdecker, Sanitär oder Schreiner ist, versteht sich von selbst. Man hat aber Grundfertigkeiten gelernt und wird eine Sache systematischer anpacken.

Selbst...

Ein Fach, das sich findet

Eine Sammlung von Beiträgen zu verschiedenen Lehrgebieten der Publizistikwissenschaft.

Einführung in die Publizistikwissenschaft

Zusammentreffen der Vergangenheiten

Der bekannte polnische Schriftsteller Andrzej Szczypiorski thematisiert in seinen Büchern die Schreckenstaten der Deutschen in Polen während des Zweiten Weltkriegs, von denen er selber nicht verschont worden war. Es geht ihm um den Umgang mit der Erinnerung, den Versuch zu vergessen und die Gefahr, die mit dem Vergessen verbunden ist. Der vorliegende Roman ist sein letztes Werk. Er starb am 16. Mai 2000 in Warschau. Die Szenen sind auf zwei zeitlichen Ebenen angesiedelt, sind aber auf einfache Weise verknüpft. Die Protagonisten hatten in der Vergangenheit und haben in der Gegenwart miteinander zu tun. In der Vergangenheit sind es die Täter und Opfer der Menschenvernichtung während des Nazi-Regimes, in der Gegenwart sind es die Teilnehmer einer - mit betrügerischen Absichten von einem amerikanischen Industriellen, einem Exilrussen und einem polnischen Juden auf die Beine gestellten - Kunstausstellung in Bad Kranach. Die Dramatik des Romans wird nicht etwa aus der Betrugsgeschichte geschöpft, sondern aus dem Zusammentreffen der Figuren an einem gemeinsamen Ort. Der je eigene Umgang mit der Vergangenheit, offene Rechnungen, verzerrte Erinnerungen und die gemeinsame Situation, die sich zudem dramatisch zuspitzt, enthalten beträchtliche Konfliktmomente aber auch Chancen für die Personen. Die Charaktere formt der Autor in vielen verschiedenen Szenen aus dem Krieg und bringt sie im Schlussteil zusammen, wo die unterschiedlichen Vergangenheiten aufeinandertreffen. Die historischen Szenen sind grösstenteils eindringlich erzählt und berühren nachhaltig. Zwischendurch besteht allerdings die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Vielleicht deshalb ist die Dramatik des Zusammentreffens der Figuren in der Gegenwart nur teilweise geglückt. Beispielsweise die Begegnung zwischen der Hauptfigur Jan und dem SS-Offizier Kugler wirkt äusserst gestellt. Die Personen degradieren hier eher zu Sprachrohren. Ein mehr als zweiseitiger Monolog mit verschachtelten Sätzen als Teil eines Dialogs wirkt wirklich nicht authentisch.

Feuerspiele

Gabriel García Márquez' journalistische Arbeiten

Gabriel García Márquez kennen wir vor allem als Romanautor. Er war aber über längere Zeit auch journalistisch tätig. Eine lesenswerte Auswahl seiner journalistischen Arbeiten!

Frei sein und unabhängig