Ein vorzügliches Nachschlagewerk
Dieses Lexikon versteht sich als Wegweiser durch die Politikwissenschaft und als fachwissenschaftliches Nachschlagewerk. In Zentrum stehen, wie dem Untertitel zu entnehmen ist, Theorien, Methoden und Begriffe, also weniger die Phänomene der Politik selbst. Insgesamt 144 Autorinnen und Autoren verschiedenster wissenschaftlicher Disziplinen haben Beiträge geleistet. Dank der vielfältigen Vernetzung der etwa 1300 Begriffe können ganze Teilgebiete schnell erschlossen werden. Stichwörter werden jeweils in einem ersten Abschnitt kurz erklärt, dann wird genauer auf die entsprechenden Theorien, Konzepte, Ansätze, Methoden und Forschungstechniken, also auf das Instrumentarium, mit dessen Hilfe wissenschaftliche Ergebnisse erzielt werden, eingegangen. Am Ende eines Artikels findet man Verweise auf zusammenhängende, wichtige Stichwörter und je nach Stichwort Literaturhinweise. Wie die Herausgeber es im Vorwort bereits sagen, ist es sehr zu begrüssen, dass dieses empfehlenswerte Werk in die Beck'sche Reihe aufgenommen wurde. Denn sonst ist bei solch umfangreichen Werken meist der Preis eine unangenehme Begleiterscheinung.
Lexikon der PolitikwissenschaftFür den vorlesungsmüden Studenten
Soziologie hat in den Augen der Öffentlichkeit ein diffuses Bild und wird oft mit einer politischen Anschauung verwechselt. Heute ist der Soziologe/die Soziologin in den Medien vielfach nur der Lieferant von Statistiken, der seine Zahlen, die ja doch meist schon zu Genüge erhoben wurden, präsentieren und bestenfalls noch erklären darf. Eine Funktion der Soziologie, zum Beispiel im Sinne eines Einflusses auf die Politik, wird kaum erkennbar. Was ist Soziologie? Womit beschäftigt sich ein Soziologe/eine Soziologin? Welchen Einfluss hat die Soziologie auf die Gesellschaft? Was unterscheidet die Sicht eines Soziologen/einer Soziologin von der Sicht eines gewöhnlichen Gesellschaftsmitglieds? Was nützt Soziologie? Solche Fragen gilt es zu beantworten, wenn polemische Aussagen, wie, die Soziologie sei tot und sei lediglich eine Modeerscheinung der 60er und 70er Jahre gewesen, im Raum stehen. Diese Fragen zu beantworten, ist wohl auch der mindeste Anspruch, den man an eine Einführung in die Soziologie stellen sollte, ob es ein Kurs, Seminar oder Buch ist. Das hier vorliegende Lehrbuch der Soziologie "soll ein Leitfaden des akademischen Unterrichts ebenso sein wie ein Kompendium soziologischen Wissens für Studenten, Praktiker und ein interessiertes gebildetes Publikum." Das Konzept orientiert sich an einem amerikanischen Vorbild und die Beiträge wurden von deutschen Vertretern des Fachs erstellt, wobei ihnen freigestellt war, wie viel sie von der amerikanischen Vorlage übernehmen wollten. Das Ergebnis ist ein über 600seitiges Buch, das eine erfreuliche und beispielhafte Erweiterung des deutschsprachigen Lehrbuchmarktes darstellt. Der Inhalt ist in fünf Teile gegliedert (Das Wissen von der Gesellschaft / Das Individuum und die Gesellschaft / Differenz und Ungleichheit / Gesellschaftliche Institutionen / Sozialer Wandel und Globalisierung), die wiederum in die wichtigsten Themen, wie zum Beispiel Methoden der Sozialforschung, Sozialisation, Geschlecht und Gesellschaft, Religion oder Umwelt unterteilt sind. Jedes Kapitel schliesst mit einer Zusammenfassung, Wiederholungsfragen, Übungsaufgaben und einem Glossar mit den wichtigsten Begriffen. Die Übungsaufgaben sind nicht einfach Abfragungen des Wissens, sondern Anregungen soziologische Fragen zu stellen und eigene Antworten zu finden. Die klare Aufteilung nach didaktischen Gesichtspunkten macht den Wert dieses Lehrbuches aus und erlaubt auch, das Werk ein Lehrbuch zu nennen. Das umfangreiche Stichwort- und Personenregister macht es ausserdem zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Der ideale Ersatz für den vorlesungsmüden Studenten, der eine Einführung in die Soziologie wünscht.
Lehrbuch der SoziologieNachschlagewerk mit friedenspolitischem Akzent
Die Autoren des vorliegenden Lexikons stammen zur Mehrzahl aus dem Bereich der kritischen Friedensforschung und geben diesem Buch somit einen entsprechenden Akzent, der sich auch in der Auswahl der Begriffe niederschlägt. Die Herausgeber stellen nicht den Anspruch in Konkurrenz mit bereits existierenden Lexika zur Internationalen Politik zu treten. Sie nennen folgende Punkte, die den Inhalt kennzeichnen sollen: - in der Theoriediskussion durch die Aufnahme neuer Ansätze wie des feministischen und des postmodernen Diskurses über internationale Politik, sowie neuerer Leitvorstellungen wie der "internationalen Zivilgesellschaft" - die Verwendung einer politologischen Herangehensweise, d.h. dem wiederholten Rückbezug auf Fragen von Herrschaft und Macht, der Einführung der sich "von unten" ("low politics") neben den angestammten "high politics" - die breite Berücksichtigung ökologischer Aspekte - die historische Aufbereitung von Stichworten - mit Blick auf vergleichbare englische Werke eine stärker didaktisch orientierte Präsentation - in den Quellenbezügen und den Literaturhinweisen wurde versucht, ein "internationales" Lexikon zu erarbeiten, welches eine Orientierung lediglich am Diskurs im deutschsprachigen Raum vermeidet Auf knapp 600 Seiten finden sich etwas mehr als 200 Begriffe. Dieses Verhältnis zeigt, dass den Begriffen - im Gegensatz zu den meisten Nachschlagewerken - relativ viel Raum gegeben wurde. Damit ist auf der einen Seite eine gewisse Beschränktheit verbunden, indem man gewisse Stichworte, die man in einem Lexikon der internationalen Politik erwartet hätte, nicht findet, auf der anderen Seite hatten die Autoren so die Möglichkeit, fundiertere Information zu liefern. Das Fehlen von Begriffen milderten die Herausgeber ab, indem sie ein recht umfangreiches Register anlegten, mit dem man auch Begriffe finden kann, denen kein separater Artikel gewidmet wurde. Nimmt man einen direkten Vergleich eines Stichwortbeitrages zwischen diesem und einem "herkömmlichen" Lexikon vor, wird die Stärke des vorliegende Lexikons deutlich: Der Begriff wird nicht nur erklärt oder übersetzt, man erhält zudem auch Informationen über die geschichtliche Entstehung des Begriffs und über die Bedeutung, die er für unterschiedliche Interessensgruppen hat. Ausserdem werden weiterführende Literaturhinweise gegeben. Fazit: Dieses Lexikon bietet artikelhafte Einführungen in die Themenbereiche der Internationalen Politik und ist somit beispielsweise für Studenten besonders nützlich.
Lexikon der internationalen PolitikDer Schriftsteller Leonhard Frank
Leonhard Frank wurde 1882 als viertes Kind eines Schreinergesellen in Würzburg geboren. Er arbeitete als Schlosser, Chauffeur, Anstreicher und Klinikdiener und beschloss eines Tages, Maler zu werden. Stets mit Geldnöten kämpfend, begann er 1904 ein Kunststudium.1910 zog er nach Berlin und entdeckte bald seine erzählerische Begabung. Der erste Roman "Die Räuberbande" wurde mit dem Fontane-Preis ausgezeichnet. Seine pazifistische Gesinnung, die er auch offen zum Ausdruck brachte, zwang ihn, 1915 in die Schweiz zu fliehen. 1918 erschien dort "Der Mensch ist gut", seine Erzählung gegen den Krieg (heute leider nur noch im Antiquariat erhältlich). Das Buch, es war in Deutschland verboten, wurde in sein Herkunftsland geschmuggelt. Inzwischen war er ein bekannter Autor. Er kehrt 1920 nach Berlin zurück und kostete das Leben ohne materielle Beengungen aus. 1933 ging er abermals ins Exil, diesmal für 17 Jahre. Über Zürich und London gelangte er nach Paris. Aus Frankreich, wo die Emigranten interniert wurden und viele in die Hände der Gestapo fielen, musste er dann auch flüchten und gelangte nach Portugal, von wo aus er in die USA überschiffte. 1950 kehrte er nach Deutschland zurück. Er wurde allerdings wenig begeistert aufgenommen. Mit seinen kritischen Werken war er bei vielen in Ungnade gefallen, so auch in seiner Heimatstadt Würzbug. Hier trug man ihm den Roman "Die Jünger Jesu" nach, in dem er mit den Alt-Nazis der Nachkriegszeit abgerechnet hatte. Die Autobiografie erschien 1952. Sie schildert die Höhen und Tiefen, Hoffnungen und Niederlagen dieses Lebens auf packende Weise. Der Aufbau-Verlag verspricht nicht zuviel: "In einer meisterhaften Mischung aus Pointiertheit und Überschwang gestaltet er die Schicksale seines Doubles Michael Vierkant. Dieser Lebensbericht gehört zu den bleibenden literarischen Selbstzeugnissen und ist eines der grossen Bekenntnisbücher des Jahrhunderts."
Links wo das Herz istDas Judentum: Geschichte, Kultur und Religion
Das vorliegende Lexikon ist aus Beiträgen von über 100 Wissenschaftlern aus 14 Ländern entstanden. Das Vorwort nennt sechs inhaltliche Schwerpunkte: - Allgemeines Grundwissen über Religion und Kultur des Judentums - Jüdisches Leben in der Antike und im Mittelalter - Geschichte des deutschen Judentums - Geschichte des Judentums in Europa, in den USA und in anderen Ländern - Neubeginn jüdischen Lebens nach dem Holocaust - Entstehung und Entwicklung des Staates Israel Von der üblichen Gliederung lexikalischer Nachschlagewerke wurde abgewichen, indem zur Abhandlung weitreichenderer Themenbereiche Essays gewählt wurden. So finden sich ausführlichere Kapitel zu Themen wie Juden in der Antike, Antisemitismus, Israel, Judengesetzgebung, deutsch-jüdische Literatur und ihre Geschichte oder über den Synagogenbau. Bei der Frage, welche Persönlichkeiten denn in dieses Lexikon gehören, liess sich die Redaktion von dem Grundsatz leiten, primär Biografien zu berücksichtigen, in denen ein subjektiver Bezug zum Judentum und eine objektive Wirkung auf jüdisches Leben erkennbar sind. Demnach wurden auch nichtjüdische Personen, die - in positiver wie negativer Form - Einfluss aufs Judentum ausübten, aufgenommen. Dank der Kombination von artikelhafter Enzyklopädie- und Essay-Form erhält man mit diesem Buch einen zusammenhängenden Überblick über die jüdische Geschichte aber auch fundierte Informationen über Begriffe der jüdischen Kultur und Religion. Besonders nützlich sind ausserdem die Literaturhinweise, die zu den meisten Begriffen gegeben werden.
Neues Lexikon des JudentumsMensch und Natur
Das vorliegende Werk basiert auf einer Ringvorlesung am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Beiträge stammen von Experten aus Deutschland und der Schweiz. Die junge Disziplin Umweltgeschichte ist ein weiträumiges und interdisziplinäres Forschungsfeld. Eine allgemeine Definition ist nicht einfach zu finden. Sie könnte etwa - gemäss Wolfram Siemanns einleitendem Beitrag (Umwelt - eine geschichtswissenschaftliche Grundkategorie) - lauten: Die Umweltgeschichte soll die "Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur" erforschen. Eine solche Definition unterstreicht die Komplexität dieser Disziplin. Anstatt sich den Kopf zu zerbrechen, wie denn eine abstrakte Definition lauten könnte, sollte man die Beiträge lesen, denn sie geben ein gutes Bild: Hansjörg Küster Die wissenschaftliche Botschaft der Umweltgeschichte für den Umgang mit der Natur, Umwelt und Landschaft Küster betont die Dynamik und plädiert für ein neues Verständnis von Ökologie, dass nicht auf Zuständen, sondern auf Entwicklung beruht. Rolf Peter Sieferle Nachhaltigkeit in universalhistorischer Perspektive Sieferle entwickelt als erstes sein Konzept von Nachhaltigkeit und wirft dann aus dem Blickwinkel der Nachhaltigkeit einen Blick in die Vergangenheit, auf Jäger und Sammler, Agrargesellschaften aber auch auf die industrielle Transformation. Christian Pfister Energiepreis und Umweltbelastung Zum Stand der Diskussion über das 1950er Syndrom Pfister geht der umweltgeschichtlichen These nach, der 1950 einsetzende Schub des globalen Energieverbrauchs sei mit den "Billigpreisen" für fossile Energieträger zu erklären. Franz-Josef Brüggemeier Eine trostlose Gegend? Umwelt im Ruhrgebiet 1800-2000 Laut Brüggemeier kann anhand des Ruhrgebiets gezeigt werden, wie gross Umweltprobleme werden können, aber auch dass deutliche Verbesserungen möglich sind. Ulrike Gilhaus Umweltgeschichte in der Praxis Das Westfälische Industriemuseum Gilhaus befasst sich mit Westfälischen Industriemuseum, ein dezentral organisiertes Landesmuseum für Industriekultur, das für einen neuartigen Museumstypus steht. Winfried Schenk Historische Geographie. Umwelthistorisches Brückenfach zwischen Geschichte und Geographie Schenk positioniert dieses Fach in der Wissenschaftslandschaft anhand der fachspezifischen Fragestellungen und Methoden. Albrecht Lehmann Aspekte populären Landschaftsbewusstsein Lehmann entwickelt vom Standpunkt der Volkskunde eine erfahrungsgeschichtliche Perspektive zum Landschaftsbewusstsein. Joachim Radkau Nachdenken über Umweltgeschichte Radkau setzt sich grundlegend mit der Vereinigung von Geschichte und Natur auseinander.
UmweltgeschichteAus Berlins Alltag
Wladimir Kaminer, 1967 in Moskau geboren und 1990 nach Deutschland gekommen, erzählt in seinem ersten Buch Geschichten aus Berlins Alltag. In wenigen Worten schildert er Groteskes, Witziges, Tragisches, Unglaubwürdiges, Glaubwürdiges, ganz Normales und Persönliches. Hat man die erste Geschichte gelesen, denkt man: "Die nächste les ich auch grad noch." So geht's dann weiter mit der zweiten, dritten, vierten und fünften und wenn man dann nicht irgendwas Dringendes vorhat, liest man einfach weiter bis zum Schluss. Langweilig wird's bestimmt nicht, schon gar nicht umständlich oder anstrengend. Kaminers Sprache ist bestechend einfach und bringt den Humor des Unspektakulären rüber, ohne in ermüdenden Zynismus zu verfallen. Gewisse Pauschalisierungen von Volksgruppen erscheinen nicht als Diskriminierungen sondern als liebevolle Ironie gegenüber den Figuren. Kaminer ist wohl jemand, der auch über sich selber lachen kann. Sein Buch ist auf jeden Fall zu empfehlen!
RussendiskoVölkerrecht: Ein gutes Nachschlagewerk
Das Buch ist eine gebundene Teilausgabe des Lose-Blatt-Werkes "Ergänzbares Lexikon des Rechts", das 18 Rechtsgebiete umfasst. Die Herausgabe dieses Buches ist sehr zu begrüssen, zumal sich ein deutschsprachiges Lexikon des Völkerrechts nur schwer finden lässt. Bewährte Völkerrechtslehrbücher lassen sich zwar dank Stichwortverzeichnissen auch als Nachschlagewerke verwenden, den Vorzügen eines Lexikons können sie aber nicht gerecht werden, da sie meist zu ausführlich sind und man sich die relevanten Stellen zusammensuchen muss. Dem Anspruch an ein Lexikon, zu einem Stichwort eine kurze Abhandlung zu erhalten, wird das Werk gerecht: Der jeweilige Begriff wird erklärt, relevante Verträge genannt, die geschichtliche Entwicklung - soweit von Interesse - aufgezeigt, über den gegenwärtigen Meinungsstand informiert, Bezüge zu anderen Begriffen oder Rechtsgebieten gezogen und auf weiterführende Literatur hingewiesen. Das Lexikon ist somit für den Einstieg in ein Rechtsproblem nützlich. Dass es sich bei dem Buch um eine Zusammentragung voneinander unabhängiger Kapitel handelt, fällt auf, wenn man das Layout vergleicht. Die Stichwortkapitel sind zwar einheitlich aufgebaut und es wurden Verknüpfungen mit Hilfe von Verweisen gemacht, schade ist aber, dass die leserfreundliche Hervorhebung wichtiger Stichworte in den Texten nicht bei allen Kapiteln angewendet wurde. Diese kleine Kritik soll aber keinesfalls darüber hinwegtäuschen, dass die Anschaffung dieses Werkes sich auf jeden Fall lohnt.
Völkerrecht - Lexikon des RechtsEin problemorientiertes Lehrbuch
Das Vorwort verrät ziemlich wenig über Aufbau und Methodik des Buches. Es heisst lediglich, das Lehrbuch verfolge "in stärkerem Masse als die bisherigen Völkerrechtslehrbücher das Ziel, Studenten in problemorientiertes Denken einzuführen und die innere Struktur der internationalen Rechtsordnung aufzuzeigen." Diese Ankündigung legt den Schluss nahe, es ginge dem Autor vor allem um die grundlegenden (Streit)fragen des Völkerrechts, die in anderen Lehrbüchern häufig aus Platzgründen, oder weil sich die Rechtssprechung inzwischen festgelegt hat, nicht ausdiskutiert werden. Albert Bleckmann geht in diesem Sinne auf die verschiedenen Themenbereiche des Völkerrechts ein. So beschränkt sich der Autor nicht auf die Wiedergabe der verbreiteten (und damit auch wesentlichsten) Lehrmeinung zu einem Problem, sondern zeigt die Spannbreite der möglichen Ansichten auf und deutet damit diverse Diskussionsansätze an. Aus diesem Grund räumt er der Völkerrechtspraxis weniger Raum ein, als das andere Lehrbücher tun. Er bringt Rechtsprobleme zur Sprache, die woanders nur am Rande Erwähnung finden. Das Verdienst dieses Werkes liegt darin, dass es beispielhaft die Probleme des Völkerrechts diskutiert. Ausserdem läuft man mit Bleckmann nicht Gefahr, das Völkerrecht allzu "grosszügig" auszulegen, denn Bleckmann hat eher konservativ vorsichtige Ansichten. Solide Grundkenntnisse des Faches sollten aber vorhanden sein, da sonst das Buch vor allem frustriert, weil vieles im Unklaren bleibt. Ein Ärgernis sind die grammatikalischen Unkorrektheiten, die das Lektorat nicht hätte überlesen dürfen.
VölkerrechtTradition und moderne Zivilisation
Gacel Sayah lebt mit seiner Familie, seinen Sklaven und seinem Vieh in der Wüste, wie es die Tuareg schon vor Jahrhunderten taten. Abseits jeder Zivilisation ist er Herrscher über sein kleines Reich, das ihm niemand streitig macht. Obwohl die glorreichen Zeiten der Tuareg vorbei sind, ist Gacel stolz, zu den "Männern mit dem Schleier" zu gehören. Nichts könnte ihn je davon abbringen, seine Lebensweise aufzugeben und sich der Zivilisation anzuschliessen. Für die Tuareg existieren weder Landesgrenzen noch geschriebene Gesetze. Sie orientieren sich an den uralten überlieferten Gesetzen ihres Volkes. Eine solches Gesetz, die Heiligkeit der Gastfreundschaft, wird eines Tages auf krasse Weise verletzt: Gacel hatte zwei fast verdurstete Gestalten in sein Zelt aufgenommen und aufgepeppelt. Schnell wurde klar, dass die beiden auf der Flucht waren, denn es tauchte bald ein kleiner Militärtrupp auf. Der eine Gast wurde einfach erschossen, der andere verschleppt. Gacels Stolz konnte es nicht zulassen, dass dieses heiligste Gesetz der Wüste auf so arrogante Weise mit den Füssen getreten wurde, er musste Rache üben. Er zog, seine Familie zurücklassend, in die Wüste, um einerseits diese Tat zu rächen und andererseits seinen Gast zu beschützen, wie es die Tradition von ihm verlangt. Das Buch beschreibt die Geschichte dieses Rachefeldzuges. Es ist ein flüssig zu lesender, spannender Roman über das Zusammenprallen der althergebrachten Traditionen der Wüstenbewohner mit der modernen Zivilisation. Die Figuren wirken authentisch und die Landschaft wird dank der bildreichen Sprache spührbar. Ein Buch zum mitfiebern! Der Schluss ist (nach meinem Geschmack) etwas zu melodramatisch ausgefallen.
TuaregLesenswerte Einführung
Anton Amann hat mit diesem Buch einen sehr angenehm zu lesenden Überblick über das Fach Soziologie geschaffen. Es ist die klare und verhältnismässig einfache Sprache, die die Lektüre nicht zu anstrengender Arbeit, sondern zur Freude macht. Seine Ausführungen schaffen es stellenweise sogar zu fesseln, was man wahrlich nicht von jedem Buch mit wissenschaftlichem Inhalt sagen kann. Amann, der hiermit eine - aus einer an der Wiener Universität gehaltenen Vorlesung entstandene Arbeit - vorlegt, gibt dem Leser eine fundierte Einführung in die Soziologie. Der dreiteilige Untertitel, Theorien Geschichte Denkweisen, legt zuerst den Schluss nahe, eine der üblichen Einführungen vor sich zu haben, die nicht mehr zum Inhalt haben als die auf die Vergangenheit gerichtete Wiederkäuung der bekannten Theorien. Doch der Schein trügt. Amann erklärt im ersten Teil des Buches die Grundfragestellung der Soziologie, befasst sich mit der sehr wichtigen Frage der Aufgabe und Verantwortung (wichtig, weil es nach wie vor genügend Zweifler gibt, die die Daseinsberechtigung der Soziologie grundsätzlich in Frage stellen) und erläutert - von Fragestellungen, Grundideen, Konzepten und Theorien ausgehend und zugleich auch die Sozialgeschichte der Soziologie betrachtend - die Systemik der Soziologie. Im zweiten Teil legt er die der Soziologie eigene Denkweise dar, wobei er wiederum nicht Wert auf eine Geschichte der grossen Denker legt, sondern diese als Grundlage für seine Ausführungen nimmt. Die meisten Kapitel schliessen mit einem Exkurs. Hier geht der Autor vertiefter auf wichtige Themen der Soziologie (Arbeitsteilung, soziale Ungleichheit, Anomie und Kriminalität, Entfremdung, etc.) ein. Das erklärte Ziel Amanns, mit diesem Buch "ein Behelf, einen Weg durch die Theorien, die Geschichte und die Denkweisen zu zeigen und die weitere Beschäftigung mit dem Fach schmackhaft zu machen: jenen, die mit der Soziologie noch nicht vertraut sind, aber auch jenen, denen sie schon wieder verleidet wurde." zu schaffen, hat er erreicht, mit der kleinen Einschränkung, dass diese Einführung für den "blutigen Anfänger" wohl doch etwas zu komplex ist, sodass die Gefahr besteht, dass ein solcher sie bald wieder beiseite legt.
Soziologie