Vokabeln effizient lernen

Wer eine Sprache lernen will, muss Vokabeln lernen. Ein seit langem bewährtes Lernsystem ist die Vokabelbox mit Lernkärtchen. Mit ihr wird sichergestellt, dass die Wörter in grösser werdenden Zeitabständen wiederholt und erst wenn sie fünfmal hintereinander richtig beantwortet wurden, als gelernt eingestuft werden. In der Praxis sieht das so aus: Richtig beantwortete Kärtchen wandern immer ins jeweils nächste Fach, falsch beantwortete wandern immer zurück in Fach 1. Selber Kärtchen schreiben und eine Lernbox basteln, ist natürlich aufwendig. Der AOL-Verlag bietet fertige Vokabelboxen mit jeweils 384 Kärtchen für die für uns wichtigsten Sprachen (Italienisch, Spanisch, Französisch und Englisch). Dass für fertige Vokabel-Kärtchen ein Markt besteht, hat nicht nur der AOL-Verlag entdeckt. Das Angebot von AOL überzeugt gegenüber anderen aber vor allem dadurch, dass die Kärtchen Beispielsätze enthalten. So kann man sich die Wörter besser merken und lernt sie gleich in der Anwendung kennen. Für jede der vier Sprachen gibt es Vokabeln für Einsteiger und Fortgeschrittene. Ein bisschen Handarbeit braucht es dann trotzdem. Denn die Kärtchen werden perforiert geliefert und müssen zuerst auseinander genommen werden. Mischen sollte man sie auch. Andernfalls könnte man sich am Alphabet orientieren. Wer neigt denn nicht zu ein klein wenig Selbstbetrug?

Grundwortschatz

Gesamtdarstellung der Schweizer Politik

Das Handbuch der Schweizer Politik ist auf Initiative der Schweizerischen Vereinigung für Politische Wissenschaften (SVPW) entstanden - 2002 in dritter Auflage erschienen. Akademiker aus den verschiedenen Sprachregionen der Schweiz haben Beiträge geleistet. Es ist aber kein Sammelwerk, in dem jeder Artikel für sich alleine steht und das übergeordnete Thema schlussendlich nur bruchstückhaft erschlossen wird, sondern die Beiträge sind gut aufeinander abgestimmt und geben als Ganzes eine fast lückenlose Darstellung der Schweizer Politik. Begrüssenswert ist ausserdem, dass die Autoren und Autorinnen durchaus subjektive Sichtweisen durchscheinen lassen. Dadurch wird die Lektüre interessanter. Ein Teil der Artikel ist in Französisch verfasst. Das Handbuch ist in fünf Bereiche gegliedert: Grundlagen, Institutionen, Organisationen, Kantone und Gemeinden, Entscheidungsprozesse, Politikbereiche. Ein umfassendes Sachregister macht das Buch ausserdem zu einem nützlichen Nachschlagewerk. Hier wäre es sinnvoll gewesen, die Stichworte zweisprachig aufzuführen, da insbesondere Fachbegriffe nicht unbedingt zum selbstverständlichen Vokabular einer Fremdsprache gehören. Ein begrüssenswerter Schritt ist die Herausgabe einer englischsprachigen Fassung. Der karge Markt an aktuellen Büchern über die Schweizer Politik, die auch nicht deutsch- bzw. französischsprachigen Personen zugänglich sind, wir dadurch sehr bereichert: Handbook on Swiss Politics (ISBN 3-03823-058-8)

Handbuch der Schweizer Politik

Methoden und ihr Anwendungsbereich

Dieses Handbuch ist aus einem Auftrag des Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung im Rahmen des nationalen Forschungsprogramms Sicherheitspolitik entstanden. Das vor allem als Nachschlagewerk zu verwendende Werk gibt eine Einführung zu den Methoden der politikwissenschaftlichen Analyse im Bereich Aussenpolitik, Strategie und Aussenwirtschaft. In übersichtlicher Form erhält der Leser, die Leserin (ob Laie oder Experte) einen Überblick zu "wissenschaftlichen Denkhilfen". Die Verfasser legten Wert auf die direkte Umsetzbarkeit und richten sich ausdrücklich an Praktiker. Die Methoden werden sechs grundlegenden Fragestellungen zugeordnet: - Lageerkenntnis: Was ist? - Erklärung: Warum ist es? - Vorausschau: Was kommt? - Entscheidvorbereitung: Was kann getan werden? - Entscheiden: Was tun? Die Kapitel zu den einzelnen Methoden sind einheitlich aufgebaut: Zuerst wird kurz der Zweck der Methode und ihr Grundgedanke erklärt und anschliessend der Arbeitsablauf dargelegt. Das Ganze wird jeweils mit einem einfachen Beispiel erläutert. Ausserdem wird der ungefähre Arbeitsaufwand, der Anwendungsbereich und weiterführende Literatur angegeben. Das Buch ist dann als Nachschlagewerk nützlich, wenn man vor einem Problem oder einer Fragestellung steht und noch nicht weiss, wie es/sie angegangen werden könnte. Hier leistet es gute Dienste. Wünschenswert wäre eine Neuauflage (die letzte war 1988!), die neueste Erkenntnisse berücksichtigen und aktuelle Literaturhinweise geben würde. Hierfür müssten wohl neue Geldmittel gesprochen werden.

Handbuch der weltpolitischen Analyse

Recht in Zeiten des Krieges

Das humanitäre Völkerrecht, auch Kriegsvölkerrecht genannt, bezeichnet die Gesamtheit der rechtlichen Beschränkungen, die das Völkerrecht den Beteiligten eines bewaffneten Konfliktes auferlegt (das gilt für internationale Konflikte und Bürgerkriege). Dieses Recht im Krieg (ius in bello) ist keinesfalls mit dem Recht zum Krieg (ius ad bellum) zu verwechseln. Seine Geschichte reicht bis ins Altertum zurück, den eigentlichen Charakter hat es aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Dass der Krieg auch in Zukunft ein Bestandteil der Menschheitsgeschichte sein wird, wird uns tagtäglich vor Augen geführt. Dieser umfangreiche Sammelband widmet sich den allgemeinen Prinzipien und spezifischen Facetten des humanitären Völkerrechts, rekapituliert seine Entwicklungsetappen, konfrontiert das Ideal mit der aktuellen Realität in den Konflikten der Gegenwart (Stand 2001) und leitet schliesslich aus dem Befund der extremen Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit die Frage nach der dringend gebotenen Effektivierung der Rechtsdurchsetzung insbesondere mit dem Instrument des Völkerstrafrechts. Zu den einzelnen Beiträge: VORAUSSETZUNGEN, GRUNDSÄTZE UND UMSETZUNGSPROBLEME DES HUMANITÄREN VÖLKERRECHTS Stefanie Schmahl Der Menschenrechtsschutz in Friedenszeiten im Vergleich zum Menschenrechtsschutz im Krieg Wenn eine staatliche Ordnungsmacht, die Menschenrechte garantiert, nicht mehr existiert, oder handlungsunfähig ist, müssen Normen in Gestalt des humanitären Völkerrechts greifen und diese Lücke bestmöglich füllen. Die spezifischen Umstände des kriegerischen Konflikts werfen jedoch gravierende Probleme auf. Stefan Oeter Kampfmittel und Kampfmethoden in bewaffneten Konflikten und ihre Vereinbarkeit mit dem humanitären Völkerrecht Oeter behandelt die Verrechtlichung des Kernaspekts gewaltsamer Auseinandersetzungen, Kampfmittel und Kampfmethoden, die im Zuge der unmittelbaren Kampfhandlungen Anwendung finden. Yves Sandoz Role of the ICRC in the Evolution and Development of International Humanitarian Law Sandoz zeichnet die zentrale Rolle des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz im Kontext der Evolution des humanitären Völkerrechts nach, deren Anfänge weit ins 19. Jh. zurückgehen, und schildert die Erfolge wie die Rückschläge in der Arbeit der Institution. Christopher Daase Das humanitäre Völkerrecht und der Wandel des Krieges Die Dringlichkeit einer dem Wandel des Kriegsbildes angemessenen Fortentwicklung des humanitären Völkerrechts verdeutlicht der Beitrag von Daase. Manfred Mohr Durchsetzungsmechanismen des humanitären Völkerrechts - eine aktuelle Bestandsaufnahme Mohr beschreibt und analysiert das dem Zweck der Rechtsdurchsetzung dienende Spektrum der Mechanismen. Gabriele Haug-Schnabel Die "Natur des Menschen" und die Beachtung des humanitären Völkerrechts Gestattet seine genetische Ausstattung dem Menschen überhaupt ein von "Menschlichkeit" geprägtes Verhalten, auf das er phylogenetisch nur bedingt ausgelegt ist, oder besteht doch die Aussicht, diesen Ballast der Evolution abzuwerfen? DAS HUMANITÄRE VÖLKERRECHT IN DEN KRISEN DER GEGENWART Sven Chojnacki / Wolf-Dieter Eberwein Kosovo - Indonesien - Tschetschenien: Sind alle Menschen gleich? Anhand einer vergleichenden Studie zeigen die Autoren die ungleiche Behandlung von Krisenregionen durch die Staatengemeinschaft auf. Christiana Fiamingo / Phenyo Keiseng Rakate / Fulvia Tinti International Law Report Africa Die Autoren schildern die Situation verschiedener afrikanischer Staaten und geben Einblicke in Krisenverläufe auf dem von vielen bereits aufgegebenen Kontinent. Yasmine Sherif International Humanitarian Law - Personal Experiences Sherif verdeutlicht mit ihren persönlichen Schilderungen den engen Zusammenhang zwischen einer ethischen Grundorientierung der Handelnden und ihrem Verhältnis zur Beachtung völkerrechtlicher Regeln. SPEZIFISCHE PROBLEME Hermann Weber Kernwaffen und das humanitäre Völkerrecht Weber beurteilt die rechtliche Zulässigkeit des Gebrauchs von Kernwaffen und kommt naheliegenderweise zu einem vernichtenden Urteil. Hans-Joachim Heintze Nichtletale Waffen und das humanitäre Völkerrecht Der Autor hinterfragt die einseitig positive Bewertung nichtletaler Waffen Christina Möller Sexuelle Gewalt im Krieg Die Autorin zeichnet den langen Weg nach, den dieser spezifische Typ von Kriegsverbrechen bis zu seiner Enttabuisierung zurückgelegt hat. Christine Kreuzer Kinder in bewaffneten Konflikten Kreuzer befasst sich mit den Auswirkungen von bewaffneten Konflikten auf Kinder. BESTRAFUNG ODER AMNESTIE? A. VÖLKERSTRAFRECHT Kai Ambos Zur Bestrafung von Verbrechen im internationalen, nichtinternationalen und internen Konflikt Ambos zieht exemplarische Fälle aus der Praxis des Internationalen Straftribunals für das ehemalige Jugoslawien heran. Benjamin B. Ferencz The Evolution of International Criminal Law: A Bird's-Eye View of the Past Century Der Autor war nach dem Zweiten Weltkrieg Chefankläger im Nürnberger Einsatzgruppenprozess. Heiko Ahlbrecht Das Internationale Militärtribunal Nürnberg - Völkerrechtliches Strafgericht oder Internationales Besatzungsgericht? Die Frage der Rechtslage Deutschlands ist bei der Einschätzung der Rechtsnatur des Gerichtshofs entscheidend. Michael Bohlander Völkerrecht als Grundlage internationaler Strafverfahren? Die kritische Auseinandersetzung mit den Rechtsauffassungen internationaler Richter im Rahmen des Verfahrens gegen Dusko Tadic dient Bohlander als Grundlage für die Aufstellung von Desideraten für eine Weiterentwicklung des Strafrechtssystems - speziell des Strafprozessrechts. Dejan Hinic The International Criminal Tribunal for the Former Yugoslavia: A Serbian View Hinic zeichnet in prononcierter Weise das Stimmungsbild in grossen Teilen der serbischen Bevölkerung nach. Wen-qi Zhu The Jurisprudence of the International Ciminal Tribunal for Rwanda Dem Autor zufolge markiert dieses Tribunal einen bedeutenden Schritt auf dem Wege der Entwicklung einer effektiven internationalen Strafgerichtsbarkeit. Kingsley Chiedu Moghalu The International Criminal Tribunal for Rwanda and the Development of an Effective International Criminal Law - Legal, Political and Policy Dimensions Moghalu erinnert daran, dass auch der Effekt der Arbeit des Tribunals, der darin besteht, bei der Bevölkerung den Glauben an das Walten von Gerechtigkeit wiederherzustellen und so den Friedensprozess zu fördern, nicht zu unterschätzen ist. Jan C. Harder Die Verabschiedung des Statuts von Rom: Signal der Hoffnung Der Beitrag zeichnet die Entstehungsgeschichte des Ständigen Internationalen Strafgerichtshofes nach. Jana Hasse Internationale Straftribunale (IMTN, IMTFE, ICTY und ICTR): Die Angeklagten Listen der Angeklagten und der jeweilige Stand der Dinge. B. ALTERNATIVEN ZUM VÖLKERSTRAFRECHT Oliver Tolmein Strafrecht als Instrument zur Schaffung von Frieden: Das Beispiel des ICTY Tolmein gelangt in der Frage der Friedensförderung durch Strafrecht zu einem skeptischen Urteil. Kathryn Leitenberger Frieden durch Wahrheit Die Autorin befasst sich mit der Institution der Wahrheits- und Versöhnungskommissionen. Phenyo Keiseng Rakate Towards a Retorative Model of Justice - The South African Experience Der Autor legt eine Fallstudie einer Wahrheits- und Versöhnungskommission vor. Jana Hasse Bestrafung oder Amnestie? Hasse stellt die Grundsatzfrage nach dem angemessenen Umgang mit Kriegsverbrechen.

Humanitäres Völkerrecht

Rache rächen

Nina erlebte als Kind etwas Furchtbares: Ihr Vater und kleiner Bruder wurden erschossen und das Haus, wo sie mit ihrer Familie wohnte, wurde niedergebrannt. Nina überlebte in einem Kellerloch, wo ihr Vater sie versteckt hatte. Denn er wusste, was passieren würde. Er sollte für seine Untaten büssen, die er als Arzt während des Krieges begangen hatte. Geschieht es ihm recht? Aus Sicht seiner Opfer, ja. Aus Sicht der Tochter, die ihren Vater liebte, nein. Der jüngste der vier Rächer entdeckte Nina in ihrem Versteck, wo sie bewegungslos und ordentlich ausharrte. Die beiden guckten sich in die Augen. Tito liess sie dort unten liegen und sagte den anderen nichts. Manuel Roca, der Vater, war tot, er hat gebüsst, die Angelegenheit schien erledigt, doch sie war es nicht. Viele Jahre später wird offensichtlich die Rache gerächt. Die Beteiligten sterben einer nach dem anderen. Tito, der jüngste, sieht sein Ende nahen. Er ist bereits ein alter Mann, verkauft Lose und rechnet jederzeit damit, von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden, bis eines Tages Nina vor ihm steht. Sie gehen etwas trinken und reden. Tito will sich seinem Schicksal ergeben. Alessandro Baricco begibt sich mit seiner kurzen Erzählung tief in die Niederungen der Menschen und legt verschiedene Blickwinkel offen, für die Verständnis aufzubringen, nicht schwer fällt, die jedoch unvereinbar sind. Eines ergibt das andere und am Ende ist man wieder am Anfang.

Ohne Blut

Die Grundrechtecharta

Ein ausführlicher Kommentar der Grundrechtecharta unter Berücksichtigung der Dikussion im Konvent.

Kommentar zur Charta der Grundrechte der Europäischen Union

Richtig oder falsch?

Zweifelsfälle tauchen immer wieder auf: Heisst es "anfällig für" oder "anfällig gegen"? Welche Form hat "fechten" im Indikativ Präsens? Benutzt man eher "über was" oder "worüber"? Ist "die Tür" oder "die Türe" korrekt? Hat ein einstöckiges Haus einen ersten Stock oder nur einen ebenerdigen? Der Dudenband beinhaltet vor allem Fragen, die besonders häufig an die Sprachberatungsstelle der Dudenredaktion gerichtet wurden. Mit der Neuregelung der deutschen Orthographie hat die Unsicherheit zugenommen, da es natürlich einige Zeit geht, bis die neuen Regeln selbstverständlich werden. Aus diesem Grund wird die neue Rechtsschreibung besonders berücksichtigt. Spezielle Zweifelsfälle werden in kurzen Artikeln erklärt: Es wird u.a. zwischen Umgangs-, stilistisch unschöner - und korrekter Sprache unterschieden. Auf geografische und branchenspezifische Unterschiede in der Verwendung bestimmter Formen wird auch hingewiesen. Schlägt man einen Fall nach, der in einen grösseren Problembereich eingeordnet werden kann, leitet das umfassende Verweissystem an die relevante Stelle. Von der richtigen Zeichensetzung über die sprachliche Gleichstellung von Mann und Frau bis zu den Elementen eines Briefes, findet man in diesem Dudenband auf fast jede Frage eine Antwort. Es hat etwas Befriedigendes an sich, wenn man erkennt, dass sich anscheinend auch andere mit denselben sprachlichen Unsicherheiten herumschlagen wie man selber, oder wenn man feststellt, dass die Formen, die man vorher noch gegeneinander aufgewogen hatte, beide möglich sind. Das Buch kann übrigens auch ausserhalb von Momenten des Zweifels in die Hand genommen werden. Es ist nämlich recht interessant, nach dem Zufallsprinzip darin zu blättern und dabei zu lesen, was es in der deutschen Sprache alles zu bedenken gibt.

Richtiges und gutes Deutsch

Zwischen Innen- und Aussenpolitik

Eine umfassende Darstellung der Schweizerischen Aussenpolitik fehlte bis anhin. Das vorliegende Buch schliesst diese Lücke. Es stützt sich auf die Erkenntnisse des Nationalen Forschungsprogramms 42 "Grundlagen und Möglichkeiten der schweizerischen Aussenpolitik", das von 1995-2000 insgesamt 58 Forschungsprojekte durchführte. Der innenpolitischen Dimension der Aussenpolitik wird gebührend Rechnung getragen. Im Zentrum stehen folgende Fragen: "Erstens: In welchem Kontext finden aussenpolitische Entscheide statt, und wie prägen kollektive Erwartungen und Rollenverständnisse von Eliten und verschiedenen Bevölkerungsgruppen die Aussenpolitik? Zweitens: Wie laufen aussenpolitische Entscheidungsprozesse ab, und wie beeinflusst die Machteilung zwischen Exekutive, Legislative und Verwaltung die Aussenpolitik? Welchen Einfluss haben die öffentliche Meinung, der Parteienwettbewerb und die Interessengruppen? Und drittens: Wie wirken sich kollektive Erwartungen und Entscheidungsstrukturen konkret auf die Ausgestaltung der einzelnen Politikbereiche aus?" (Seite 22) Diese Forschungsfragen machen deutlich, dass die Entscheidungsfindung besonders gewichtet wurde. Die Autoren sind zu Befunden gekommen, die zwar nicht unbedingt neu oder brisant, aber wichtig für die Orientierung in und Diskussion um die schweizerische Aussenpolitik sind. Eine Auswahl: 1. Die Regierung rechtfertigte über lange Zeit ihr aussenpolitisches Handeln mit neutralitätspolitischen Argumenten, schwieg sich aber gleichzeitig über das tatsächliche Ausmass der internationalen Einbindung der Schweiz aus. Dieser schwelende Widerspruch lässt sich heute kaum aufrechterhalten und führt zu grundlegenden Diskussionen. 2. Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern sind die Kompetenzen der schweizerischen Aussenpolitik dezentral verteilt. Die Kantone und das Parlament haben erhebliche Mitbestimmungsmöglichkeiten. Das geht bisweilen so weit, dass einzelne Kantone ihre eigene "kleine Aussenpolitik" betreiben. Die Dezentralisierung nimmt tendenziell weiter zu. 3. Seit den Volksentscheiden gegen die Einbindung in die EU bzw. den EWR verfolgt die Schweizer Regierung einen Bilateralismus, der entscheidende Schritte eines EU-Beitritts vorwegnimmt. Die Diskussionsfläche bei einem allfälligen neuen Anlauf zu einer EU-Annäherung verringert sich dadurch erheblich. 4. Die Schweiz wendet nur mittelmässig viel Mittel für die Entwicklungshilfe auf (auch weil dies in der Bevölkerung wenig Unterstützung finden würde). Die "humanitäre Tradition" und "Solidarität" der Schweiz hochzuhalten, hat von daher keine genügende Rechtfertigungsgrundlage. 5. Die Vormachtstellung der Aussenwirtschaftspolitik ist seit 1990 im Schwinden begriffen. Die Durchsetzung der UNO-Charta und der Schutz der Menschenrechte werden heute dagegen stärker gewichtet. In den Schlussfolgerungen wird die Verschränkung von Innen- und Aussenpolitik besonders betont. Die Bevölkerung hat viele Mitentscheidungsrechte in der Aussenpolitik. Das ist eine Spezialität der Schweiz und hat entsprechende Bedeutung für die politische Führung. Abstimmungen zu aussenpolitischen Fragen werden häufig emotional geführt und generieren eine verhältnismässig hohe Stimmbeteiligung. Für die Autoren ist die innenpolitische Legitimation (vor allem in Zeiten des internationalen Wandels) dann auch die wichtigste Herausforderung für die politische Führung. Sie kann nur gemeistert werden, wenn sich die Aussenpolitik der Innenpolitik weiter öffnet und öffentliche Diskurse mit allen Akteuren geführt werden.

Schweizerische Aussenpolitik

Gesellschaft grenzüberschreitend

Im Zuge der sogenannten Globalisierung ist immer wieder die Rede von einem Bedeutungsverlust des Nationalstaates. In der Tat lässt sich im 20. Jahrhundert eine bemerkenswerte Verschiebung der Problemlagen auf die transnationale Ebene feststellen. Aussenpolitisch haben dabei, so heisst es in der Einleitung, vor allem die beiden Weltkriege, die verschiedenen Krisen im Rahmen des Kalten Krieges, die verschärfte Nord-Süd-Problematik und die daraus erwachsenen supranationalen Zusammenschlüsse sowie globale ökologische Krisen und die neuen Migrationen die offenkundigen Grenzen des Systems Nationalstaat und damit auch einer rein "inter-nationalen" Politik aufgezeigt. In welcher Weise die westlichen Gesellschaften auf diese sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen und Infragestellungen des Nationalstaates reagierten, genauer wie diese Herausforderungen in den jeweiligen Öffentlichkeiten wahrgenommen wurden und in welcher Weise sie das Selbstverständnis und die Identität der Gesellschaften veränderten, stellt die Ausgangsfrage dieses Sammelbandes dar. Innovativ an diesem Werk ist die Entfernung von der Ebene des Nationalstaates hin zu einer "transnationalen Gesellschaftsgeschichte". Kritisch anzumerken ist, dass die Auswahl der Beiträge eine etwas starke Konzentration auf den europäischen Raum bewirkt. Die Beiträge sind nach den unterschiedlichen Ebenen und Strukturen von Transnationalität geordnet. Nach dem Beitrag von Kurt Imhof, der den begrifflichen Rahmen skizziert, wird das allgemeine Spannungsfeld der Entwicklung von Öffentlichkeiten und Identitäten zwischen den Polen von Nation, Europa und Welt aufgespannt. Dabei folgen die Beiträge in etwa einer chronologischen Anordnung, indem zunächst Rudolf Stichweh für die Öffentlichkeit und Bernhard Giesen zur Entstehung europäischer Identitäten einen diachronen Längsschnitt präsentieren, gefolgt von einer Spezifizierung dieser Identitäten im 19. Und 20. Jahrhundert, wie sie der Beitrag von Hartmut Kaelble vornimmt. Die Texte von Martin Kohli und Jürgen Gerhards nehmen dann die Entwicklung europäischer Identitäten und Öffentlichkeiten in den letzten Jahrzehnten vor dem Hintergrund der Herausbildung des supranationalen Zentrums der EU in den Blick, während Peter Niedermüller diese Befunde in der Perspektive Ostmitteleuropas konfrontiert und kontrastiert. Der zweite Teilabschnitt konzentriert sich auf spezifische transnationale Räume und insgesamt eher nur gering instiutionalisierte Transfers zwischen sozialen Gruppen und Bewegungen. Dabei geht es ebenfalls in weitgehend chronologischer Orientierung zunächst um sehr unterschiedliche Formen und Probleme von Migration - Wissenschaftler im Exil (Martin Kirsch), die chinesische Diaspora in Südostasien (Dominic Sachsmaier) und schliesslich die mit Migration verbundenen Fragen der Staatsangehörigkeit und Staatsbürgerschaft (Mathias Bös). Die folgenden drei Beiträge beschäftigen sich darauf aufbauend mit transnationalen sozialen Bewegungen, beginnend mit der stärker institutionalisierten internationalen Frauenbewegung vor dem Ersten Weltkrieg (Susan Zimmermann), gefolgt von den eher lockeren transnationalen Strukturen der Studentenbewegung Ende der 60er Jahre (Ingrid Gilcher-Holtrey) und abgeschlossen durch eine umfassende Analyse des unterschiedlich institutionalisierten Grades an Transnationalität in den Öffentlichkeiten und Identitäten bei den neuen sozialen Bewegungen mit Rückblicken auf das 20.Jahrhundert und Ausblicken auf die kommenden Jahrzehnte (Dieter Rucht). Diesen Transferformen von sozialen Gruppen und Bewegungen stehen in einem letzten Abschnitt dann die stärker institutionalisierten Nichtregierungsorganisationen auf europäischer (Thomas Fetzer) und - anhand der Menschenrechtsinstitutionen - auf globaler Ebene gegenüber (Hans Peter Schmitz). Der Beitrag von Alexander Schmidt-Gernig zum Expertennetzwerk der Zukunftsforscher ist dagegen gewissermassen zwischen beiden Ebenen angesiedelt, indem er zeigt, dass die institutionellen Strukturen der Zukunftsforschung eher national blieben, die transnationale Ebene aber vor allem deshalb von ausserordentlicher Bedeutung war, weil hier gemeinsame Leitbilder und wissenschaftliche Paradigmen strukturbildend wirksam wurden.

Transnationale Öffentlichkeiten und Identitäten im 20. Jahrhundert

Soziologisches zu unserer Umwelt

Wer sich mit Umweltsoziologie beschäftigt, begegnet zwangsläufig den Autoren Andreas Diekmann und Peter Preisendörfer, denn sie gehören im deutschsprachigen Raum zu den einschlägigen Wissenschaftlern des Umweltbereichs. Eine Einführung in die Umweltsoziologie, wie sie das vorliegende Taschenbuch bietet, gab es bisher nicht. Grundlegende Standardwerke waren bis anhin Aufsatzsammlungen, wie zum Beispiel Diekmann, Andreas / Jaeger, Carlo C. (Hrsg.) 1996: Umweltsoziologie, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie Sonderheft 36, Westdeutscher Verlag oder Monografien, deren Autoren aber jeweils einer bestimmten Richtung zugeordnet werden können, wie zum Beispiel Beck, Ulrich 1986: Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine andere Moderne, Suhrkamp. Aufsatzsammlungen enthalten zwar ein Fülle von Information, sind aber als Einführungstext weniger geeignet, da sie nur grob strukturiert werden können. Monografien, die einer bestimmten Theorie bzw. Sichtweise verpflichtet sind, geben der Forschung zwar neue Impulse, aber keinen befriedigenden Überblick über das Fach, da sie dies auch nicht anstreben. Dass nun ein Einführungshandbuch zur Umweltsoziologie erschienen ist, wertet den Stellenwert der Umweltsoziologie als eingenständiges Teilgebiet der Soziologie auf und erleichtert den Einstieg in die Materie erheblich. Die Autoren vermitteln das nötige Grundwissen und vermeiden Exkurse, die in einer Einführung nicht angebracht wären. Im ersten Kapitel legen sie dar, welche Stellung und Aufgabe die Soziologie in der Umweltforschung hat und wie die Zusammenarbeit mit den Naturwissenschaftern gestaltet werden sollte. Anschliessend gehen sie auf Theorien der Modernisierung, Systemtheorie, die Perspektive des Konstruktivismus und die Theorie des rationalen Handelns ein, wobei sie deren Stärken und Schwächen einschätzen. In einem gesonderten Kapitel befassen sie sich dann mit der in ihren Augen zentralen Perspektive von Umweltproblemen als Allmende- oder soziale Diemma-Situationen. Kapitel IV ist dann dem Umweltbewusstsein und Umweltverhalten von Individuen gewidmet. Hierzu gehört die Problematik der statistischen Erhebung von Umweltbewusstsein und -verhalten, sowie die scheinbare Diskrepanz zwischen Bewusstsein und Verhalten. Das darauffolgende Kapitel befasst sich mit denselben Fragen in Bezug auf Wirtschaftsunternehmen. Hier versuchen sie, Fragen zu beantworten, wie: "Ist es so - wie die "Schönwetterthese" nahe legt -, dass sich nur erfolgreiche Unternehmen den "Luxus" des Umweltschutzes leisten können? Oder sind genau umgekehrt Unternehmen auf dem Markt erfolgreicher, wenn sie sich systematisch um Umweltbelange kümmern und eine "ökologische Reputation" aufbauen?". Die beiden abschliessenden Kapitel handeln dann einerseits von sozialen Bewegungen und daraus hervorgegangenen Organisationen sowie andererseits von dem politischen Umgang mit Umweltfragen. Das Buch gibt einen guten Überblick über die Umweltsoziologie und ist wohl in die Reihe der Standardliteratur einzuordnen. Allein schon die Literaturangaben sind sehr nützlich.

Umweltsoziologie

Wenn der Phallus nicht mehr mitmacht

Wir schreiben das Jahr 2020. Die USA und China haben sich gegenseitig atomar zerbomt, es hat weniger Menschen, weniger Verkehr, mehr Unsicherheit und Gewalt, kaum Polizei, keine Regierung und einige Schutzgelderpresser. Die Vögel zwitschern von den Dächern, Rehe pflücken frische Triebe in den Gärten der Menschen und die Menschen gehen arbeiten, gucken fern, lesen Zeitung, vermehren sich, spielen Golf. Die einen leben in ihren grossen Häusern am Meer, die anderen sind kriminell, gehen für Drogen auf den Strich und dann gibt es noch die, die irgendwo dazwischen sind. Ben Turnbull gehört zu denen mit den Häusern. Er war einmal Börsenmakler und ist heute pensioniert. Ihn kratzen die Schutzgelderpresser nicht weiter, er kann es sich leisten. Gloria, seine Frau, definiert er über die ewige Hysterie, in die sie verfällt, wenn das unschuldige Reh ihre Pflanzen maltretiert und sie von ihm kriegerische Massnahmen fordert und über das, was einmal war, aber nicht mehr ist. Ben wird alt. So richtig lebendig wird er, wenn es um die Befriedigung seines sexuellen Triebes geht, für die hat er ja Deirdre, die für Drogen auf den Strich geht. Als dann Gloria über längere Zeit (für ihn unerklärlich) weg ist, entwickelt er eine Beziehung zu Deirdre, wobei die Beziehungsentwicklung wohl einseitig bleibt, denn sie setzt sich bald wieder ab (natürlich nicht ohne einiges mitgehen zu lassen). Gloria kehrt zurück. Ben kriegt Krebs. Als Folge des operativen Eingriffs verliert sein geliebter Phallus die Funktionstüchtigkeit. Ben sieht keinen Sinn mehr. Das Reh ist ermordet. John Updike hat mit diesem Buch, einen Roman aus der Sicht eines Mannes geschrieben (es sind Bens Notizen, die wir lesen), der merkt, dass es mit ihm zu Ende geht. Das einzige, was der Hauptfigur dabei anscheinend zu schaffen macht, ist der Niedergang seines Sexualorgans. Seine Entwicklung in diesem Roman geht vom sexuell Aktiven zum sexuell gezwungenermassen Inaktiven. Viel mehr lässt sich nicht ausmachen. Trotz einigen amüsant zu lesenden Passagen und gekonnt geschilderten Beziehungen in interessanten Situationen, überzeugt die Geschichte nicht wirklich. Die botanischen Ausschweifungen (die Natur soll offensichtlich metaphorisch den Werdegang des Protagonisten widerspiegeln) und Gedankengänge über Physik oder Historie werden meist nur von Bens sexuellen Phantasien oder Taten unterbrochen. Der Schluss könnte ebenso gut der Anfang sein. Oder war das Absicht?

Gegen Ende der Zeit

Couchepin behauptet unangefochten

In den Medien wird Pascal Couchepin gerne als Machtpolitiker, der nicht so recht in die Schweizer Konkordanzdemokratie passen will, dargestellt. Was er zu diesem Bild sagt, und welche Haltung er zu verschiedenen politischen Themen einnimmt, erfahren wir in den im vorliegenden Buch veröffentlichten Gesprächen mit Jean Romain, dem Westschweizer Schriftsteller. In seiner Antwort auf die Frage, was er davon hält, wenn er mit römischen Kaisern oder Napoleon verglichen wird, ist nicht zu überhören, dass solche Vergleiche ihm schmeicheln. Eine "gewisse Strenge in der Politik" hält er für richtig und er ist der "festen Meinung, dass sich die Staatsmacht von Zeit zu Zeit in ihrem vollen Glanz zeigen sollte." Er würde beispielsweise ungern "bei offiziellen Empfängen ganz auf die Ehrengarde" verzichten. Diese Haltung nehmen zweifelsohne auch andere Schweizer Politiker ein, denen deswegen aber nicht gleich imperiale Politik nachgesagt wird. Die charismatische Erscheinung Couchepins ist wohl das entscheidende Merkmal, denn Charismatiker sind in der Schweizer Politik ungewohnt. Seine Stellungnahmen zu Sachfragen fördern keine Überraschungen zu Tage. Couchepin ist ein Politiker mit einem fest verankerten (idealistischen) Fortschrittsglauben und ein repräsentativer Vertreter des Schweizer Freisinns. Etwas störend ist, dass Jean Romain kaum eine Behauptung Couchepins hinterfragt. Romain führt Couchepin durch die verschiedenen Gebiete ohne ihn argumentativ herauszufordern. Dabei hätten sich genügend Gelegenheiten geboten, beispielsweise wenn Couchepin behauptet, der Einfluss der Transnationalen Konzerne sei mit Nutzen auch für die ärmsten Länder verbunden, ohne die mehrfach wissenschaftlich belegte Tatsache zu beachten, dass Länder, die sich gegenüber den Transnationalen Konzernen als besonders offen zeigten, heute diejenigen sind, die marginalisiert oder in ihrer Entwicklung stagniert sind und sich durch eine besonders ausgeprägte innere Einkommensungleichheit auszeichnen. Couchepin versprüht Optimismus und lässt Fortschrittsskeptiker und Globalisierungskritiker als politische Bremser erscheinen, die sich von Unsicherheit leiten lassen. So pachtet er den Pragmatismus für sich. Eine kontroversere Diskussion wäre zu wünschen gewesen.

Ich glaube an die Politik

Klassiker kompakt

Die Auseinandersetzung mit Klassikern gehört zu den Grundlagen eines wissenschaftlichen Faches. Da es ein wohl unmögliches Unterfangen ist, sämtliche Schriften dieser grossen Denker selber zu studieren, ist der Interessierte auf Arbeiten angewiesen, die sich eingehend mit dem Werk eines Klassikers befasst haben und dessen wesentliche Beiträge zu einem Fach auf den Punkt bringen. Solche Zusammenfassungen, Beurteilungen oder Analysen können ebenfalls dicke Bücher werden, es ist aber auch möglich, in recht kurzen Texten die wichtigen Elemente des Werkes zu vereinigen, selbstverständlich mit der Inkaufnahme des Verlustes der ursprünglichen Differenziertheit. So kann die Leserin, der Leser ohne viel Zeitaufwand einiges über die Denkweise, Hauptgebiete, Forschungsprobleme und deren Lösungsansätze der Grössen eines Faches erfahren. Mit den beiden Bänden, Klassiker der Soziologie, hat Dirk Kaesler eine solche Sammlung kurzer Texte herausgegeben. Die meisten Autoren der Beiträge sind Soziologieprofessoren und selber zum Teil nicht unbekannt (z.B. Ralf Dahrendorf, Lewis A. Coser oder Hans Joas). Sie stellen auf jeweils etwa 15 bis 25 Seiten das Leben und Werk eines Klassikers vor. Der Auftrag an die Autoren - in den Worten Kaeslers - war: "..., im Stil einer "dichten Beschreibung" (Clifford Geertz) in das jeweilige Leben und Werk des soziologischen Klassikers einzuführen, dessen zentralen Argumentationslinien, seine Intentionen und seine Wirkungsgeschichte transparent zu machen. Es sollte vor allem deutlich werden, welcher Enstehungskontext für das Gesamtwerk relevant war und für welchen Typus von Soziologie es repräsentativ wurde." (Vorwort Band 1, Seite 7) Man kann sagen, die Autoren haben sich an diese Vorgaben gehalten. Besonders geschätzt habe ich an den Beiträgen, dass, wie es Kaesler sagt, Wert auf den Entstehungskontext des jeweiligen Schaffens gelegt wurde. Die Soziologie ist ja bekanntlich keine Wissenschaft, die in einem geschützten Labor ihr Wissenspotential immer weiter vergrössern kann, indem sie auf den Erkenntnissen der Vordenker aufbaut. Die Themen und der Nutzen der Soziologie steht immer in unmittelbarem Zusammenhang mit der jeweiligen gesellschaftlichen Situation. So ist auch ein Klassiker nicht von seinem Lebensumfeld unabhängig. Das Werk eines Klassikers hat aber Relevanz für die damalige, die heutige und die (vorstellbar) zukünftige wissenschaftliche Soziologie, so Kaesler. Will man sich über das Werk der grossen Denker der Soziologie und deren Relevanz für heute informieren, ist man mit diesen beiden Bänden bestens bedient. Hätte der Herausgeber sich ausserdem noch die Mühe gemacht, ein Sachregister mit den wichtigsten soziologischen Themen und Begriffen zu erstellen, damit zum Beispiel der Student auf der Suche nach den Gedanken eines Klassikers zu einem bestimmten Gebiet schnell fündig wird, wäre der Wert zusätzlich vergrössert worden.

Klassiker der Soziologie

Geraubte Kinder

Drehbuchartig und mit an Kitsch grenzender, herzzerreissender Dramaturgie erzählt.

Mein Name ist Luz

Zahlen zur Schweiz

Jährlich seit 1891 erscheint dieses Standardwerk zur Statistik der Schweiz. Es liefert Zahlen zu fast jedem erdenklichen Bereich. Aufgrund des erläuternden Textes und einiger vertiefender Spezialbeiträge ist das Werk aber nicht nur Zahlenlieferant, sondern ermöglicht auch die Information über grundlegende Themen der Schweiz. Die Kapitel und Spezialbeiträge: Bevölkerung Der spezielle Beitrag: Die räumliche Bevölkerungsdynamik der 90er Jahre Raum und Umwelt Arbeit und Erwerb Der spezielle Beitrag: Spitzenlöhne und Niedriglöhne: Entwicklung in den 90er Jahren Volkswirtschaft Der spezielle Beitrag: Die öffentliche Entwicklungshilfe Preise Der spezielle Beitrag: Die Entwicklung der Baupreise 1998-2002 Industrie und Dienstleistungen Der spezielle Beitrag: Kennzahlen wichtiger Wirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft Der spezielle Beitrag: Biologische Landwirtschaft Energie Bau- und Wohnungswesen Tourismus Der spezielle Beitrag: Reiseverhalten der Schweizer Verkehr und Nachrichtenwesen Der spezielle Beitrag: Mobilität in der Schweiz Geld, Banken, Versicherungen Soziale Sicherheit Gesundheit Bildung und Wissenschaft Der spezielle Beitrag: Computer und Internet im Bildungsbereich Kultur, Medien, Zeitverwendung Politik Der spezielle Beitrag: Das Parteiensystem der Schweiz im internationalen Vergleich Öffentliche Finanzen Rechtspflege Der spezielle Beitrag: Delinquenz im Strassenverkehr Einkommen und Lebensqualität Der spezielle Beitrag: Wohlstand und Wohlbefinden Die Kapitel sind wie folgt aufgebaut: Zuerst gibt ein allgemein gehaltener Teil die wichtigsten Ergebnisse wieder und ermöglicht so einen raschen Überblick. Dann folgt in gut der Hälfte der Kapitel ein spezieller Beitrag, der - je nach Aktualität - jedes Jahr wechseln kann. Anschliessend wird einiges zur Methodik der Erhebung gesagt und dabei auch auf Grenzen der Aussagefähigkeit hingewiesen. Schliesslich findet man im Glossar die wichtigsten Begriffe und kann in einem Referenzteil weiterführende Literatur und Auskunftspersonen nachschlagen. Der letzte Teil besteht dann aus dem eigentlichen Datenmaterial. Als Supplement findet der geneigte Leser seit 2002 eine CD-ROM mit umfangreichem Datenmaterial, das entweder in Excel- oder pdf-Dateien aufbereitet ist. (Einige Excel-Dateien bedürfen kleinerer Nachformatierungen, damit sie gut lesbar sind.) Seit diesem Jahr befindet sich auf der CD-ROM auch ein "Statistischer Atlas", ein interessantes Visualisierungswerkzeug, mit dem man sich zum Beispiel vor Augen führen kann, welche Partei wo in den letzten Jahren zugelegt bzw. Wählerstimmen verloren hat. Das Statistische Jahrbuch der Schweiz dürfte für verschiedenste Gruppierungen von Interesse sein: Der Wissenschaftler kann - allerdings nach erheblicher Nachbearbeitung und Hinzuziehung anderer Ausgaben - Analysen über mehrere Jahre vornehmen, der Journalist kann seine Artikel mit Zahlenmaterial anreichern und der Politiker seine Argumente mit "Fakten". Das Werk wird wohl weniger in der Bibliothek eines jeden interessierten Normalverbrauchers zu finden sein, denn dieser müsste dafür schon ein kleines Sümmchen opfern. Eine weniger handliche aber nützliche Alternative ist das Online-Angebot des Bundesamtes für Statistik:

Statistisches Jahrbuch der Schweiz 2003

Völkerrecht in der Praxis

Anhand einer Vielzahl von Fällen wird in diesem Buch die Praxis des heutigen Völkerrechts untersucht. Die bewährte Form der Kapiteleinteilung, die in jeder Einführung ins Völkerrecht zu finden ist, wurde auch hier beibehalten. Die besondere Berücksichtigung der schweizerischen Praxis macht das Buch auch aus geschichtlicher Sicht interessant und führt vor Augen, welche Bedeutung dem Völkerrecht in der Rechtssprechung zukommt. Interessant ist zum Beispiel der Nufenen-Fall (1980), wo es um die Anerkennung von Grenzen geht (bei diesem Thema hätte man ja nicht als erstes gedacht, dass man einen innerstaatlichen Fall aus der Schweiz anführen könnte). Es handelt sich dabei um eine Klage des Kantons Wallis gegen den Kanton Tessin beim Bundesgericht. Der Kanton Wallis focht die Richtigkeit der Grenzziehung auf dem Nufenenpass an, die durch den Bau einer Strasse wichtig geworden war (v.a. aus wirtschaftliche Sicht). Das Völkerrecht kam hier zum Zuge, weil innerstaatliche Normen fehlten, die hätten zur Anwendung kommen können. So hiess das Bundesgericht anhand der Praxis und Lehre des Völkerrechts, die Klage des Kantons Wallis gut. Das Buch ist sowohl Nachschlagewerk (besonders bei der Suche nach Quellen völkerrechtlicher Konfliktentscheidungen) als auch Lehrbuch (dank der ausführlichen Kommentierung der Fälle und der an jedes Kapitel angeführten exemplarischen Fragen). Als Anregung für eine vierte Auflage: Die Fragen hätten ansatzweise beantwortet werden können (zum Beispiel indem stichwortartig darauf hingewiesen wird, welche Themen mit der Frage angesprochen werden). Das würde die Funktion als Lehrbuch klar aufwerten.

Praxis des Völkerrechts

Ungarn auf die Schnelle

Ungarn vollzieht mit dem Nato- und EU-Beitritt den logischen Schritt seiner traditionellen Orientierung gegen Westen. Seit 1989 hat Ungarn in grossen Schritten erfolgreich die westlichen Standards und die Bedingungen für den EU-Beitritt vollzogen. Die Öffnung zeigt sich in der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung mit dem Westen und dem stetig wachsenden Touristenstrom. Wer sich über Ungarn informieren möchte, aber hierfür nicht dicke Bücher bewältigen will, kann den Zentraleuropa Almanach Ungarn zur Hand nehmen. Auf 128 Seiten erfährt der Leser Grundlegendes aus den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Dazu gibt es Folgendes anzumerken: - Im Bereich Politik wurde der Fokus auf die Westintegration und die Sicherheitspolitik gelegt. Die Innenpolitik wird nur aus dieser Perspektive berücksichtigt. - Der Wirtschaftsbereich könnte stellenweise ein Werbetext für potenzielle Investoren sein. Hier wird die wohl etwas gar euphorische Sichtweise gegenüber dem neuen Wirtschaftsraum deutlich. In der Praxis wurde bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2003 einiges deutlich relativiert. - Der Kultur wird im Vergleich zur Politik und Wirtschaft bescheidener Platz eingeräumt. Einen geschichtlichen Überblick gibt eine recht ausführliche Zeittafel. Wünschenswert wären Bezüge zu heute gewesen, zum Beispiel welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Verhältnisse zu anderen Ländern oder Volksgruppen heute hat. Praktisch sind die Hinweise auf Internetseiten und Informationen für Besucher und Geschäftsreisende. Allerdings wären diese überholungsbedürftig gewesen, denn die Devisenbestimmung, man dürfe lediglich 3000 Forint (knapp 20 Euro) bei der Einreise mitführen, ist längst nicht mehr richtig. (Heute dürfen Ausländer bis 350'000 Forint aus- oder einführen.) Kurz: Die Bilanz zum Zentraleuropa Almanach Ungarn ist durchzogen. Er ist durchaus nützlich und lesenswert, legt die Akzente aber etwas gar einseitig.

Zentraleuropa Almanach Ungarn