Im Bann der Tiefe
„Weißt du, mein Freund, es geht um das Ungeheuer … Wir werden die Meere von ihm befreien! Eine sehr ruhmreiche Mission, die … allerdings auch gefährlich ist! Das ist eine dieser Reisen, von denen man nicht genau weiß, ob man wieder heimkehrt." Gesagt, getan und bis zur letzten Seite bleibt es in Jules Vernes "20.000 Meilen unter dem Meer" tatsächlich unklar, ob eine Rückkehr in die zivilisierte Welt für die drei Gäste Aronnax, Conseil und Ned möglich sein wird.
Kapitän Nemo und die Nautilus
"Es gibt ein bezauberndes Tier, dem zu begegnen nach Auffassung der Alten Glück bringen soll. Aristoteles, Plinius und Oppian hatten seine Lebensgewohnheiten studiert und darauf alle Gelehrtenpoesie Griechenlands und Italiens verwandt. Sie nannten es Nautilus oder Pompilius. Die moderne Wissenschaft hat ihre Bezeichnungen allerdings nicht übernommen und so ist diese Molluske unter dem Namen Argonaut bekannt." Im Jahr 1867 wird die Fregatte Abraham Lincoln auf eine Expedition geschickt, um ein riesiges mysteriöses Wesen zu jagen, das seit einiger Zeit die Weltmeere unsicher macht und hinter zahlreichen Schiffsunglücken steckt. Mit dabei sind der französische Naturforscher und Professor der Naturgeschichte am Pariser Museum Pierre Aronnax, sein unerschrockener Gehilfe Conseil und der kühne Waljäger Ned Land aus Kanada. Aber als die drei Gefährten im Kampf mit dem "Ungeheuer", der Nautilus, über Bord gehen, werden sie von einer Art U-Boot aufgegriffen. Der Kapitän dieses Schiffes nennt sich Nemo und sein fantastisches Unterseeboot, die „Nautilus", bietet Platz für eine große Mannschaft, die "ein eigenartiges völlig unverständliches Idiom" spricht und eine Bibliothek mit 12.000 Bänden beherbergt, was wiederum für sich spricht.
Stockholm-Syndrom unter Wasser
Nemo ist nämlich das ganze Jahr hindurch mit seiner Nautilus unterwegs, anders als im Film gibt es keine Städte unter der Glaskuppel im Meer. Der Kapitän hat mit der gesamten Menschheit gebrochen, "ich gehorche nicht mehr ihren Regeln und ersuche Sie, sich vor mir nie wieder darauf zu berufen", ermahnt Nemo den Professor. Dieser wiederum ist hingerissen von dem Kapitän, denn der versteht es, Aronnax' wissenschaftliches Interesse über sein Bedürfnis nach Freiheit stellen zu lassen. Das heißt, er manipuliert ihn bis zur Selbstaufgabe. Eine Art "Stockholm-Syndrom" bindet ihn an Kapitän Nemo und Aronnax sieht sich bald als Bewunderer Nemos und der Nautilus und beginnt, sich bereits mit ihrem Kommandanten zu identifizieren, wie er zu seinem eigenen Erstaunen feststellt. Aber bald entdeckt er auch ein dunkles Geheimnis, das von Jules Verne immer mehr angedeutet wird: "Nein, Kapitän Nemo begnügte sich nicht damit, vor den Menschen zu fliehen! Sein fürchterliches Gefährt diente nicht allein seinem Freiheitsdrang, sondern wahrscheinlich auch als Instrument für irgendwelche schrecklichen Rachegelüste." Aber welche?
Liebeserklärung an die Unterwasserwelt, das Meer
"Das Meer ist das Medium eines übernatürlichen, wunderbaren Lebens, es ist nichts als Bewegung und Liebe; es ist die lebendige Unendlichkeit, wie einer ihrer Dichter gesagt hat", bemerkt Nemo in einem der unzähligen Gespräche mit dem Professor Aronnax. Gemeinsam machen sie Unterwasserausflüge, ernten Perlen, kämpfen gegen Haie oder verzehren Dugongs. In Melanesien stoßen sie sogar auf Menschenfresser und Nemo rettet in Indien einen Fischer vor einem Melanopteus des Indischen Ozeans, Länge 25 Fuß und das Maul ein Drittel seines Körpers. Sechs Zahnreihen im Oberkiefer in gleichschenkligen Dreiecken angeordnet, ein Hai zum Fressen gern. "Dieser Inder, Herr Professor, gehört zum Volk der Unterdrückten und bis zu meinem letzten Atemzug werde auch ich diesem Volk angehören." Mit diesen Worten erklärt Nemo seine Heldentat und schweigt über seine weiteren Beweggründe. Als sie mit der Nautilus den unterirdischen "Arabian Tunnel" zwischen Rotem Meer und Mittelmeer befahren, schmiedet Ned Fluchtpläne, aber Aronnax ist im Dilemma zwischen der Verpflichtung zu seinen Weggefährten und seinem wissenschaftlichen Interesse. "Wie richtige Schnecken hatten wir uns mit unserem Schneckenhaus abgefunden und ich behaupte, dass es ganz leicht ist, zu einer vollendeten Schnecke zu werden", so Aronnax als Rechtfertigung über sein Verhalten.
Bibliophile Ausgabe mit vielen Extras
In ungekürzter moderner Übersetzung mit lesenswertem Nachwort und interessanten Anmerkungen von Volker Dehs sowie zehn aufwendig gestalteten herausnehmbaren Extras werden neue aufschlussreiche Hintergrundinformationen zu einem Hauptwerk der Weltliteratur geliefert und authentisch illustriert. Eine bibliophile Ausgabe, die sich auch in Kapitän Nemos Bibliothek gut gemacht hätte.
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