Kunst

Tag der Toten, Tag der Heiligen

Passend zu Allerseelen und Allerheiligen ist der hier vorliegende Kalender mit einem Verzeichnis aller bisher verstorbenen Musiker beim Suhrkamp Verlag erschienen. Allen? Nun, das Register ist tatsächlich sehr lang, denn die Autoren haben sich tatsächlich alle Mühe gegeben, auf niemanden zu vergessen. 2609 Einträge zählt das Register und natürlich wurde auch nach Todesarten unterschieden: Krankheit, Verkehrsunfall, Selbstmord, Drogen & Co, Mord und Totschlag oder auf der Bühne sind die beliebtesten Möglichkeiten für Celebrities aus diesem Leben zu scheiden. Neben einer Seite pro Tag des Jahres auf dem die jeweils an diesem Tag verstorbenen Musiker verzeichnet sind, gibt es auch im Anhang viel Platz für eigene Notizen. Zudem ergänzen ein paar Spezialartikel - etwa zum unlängst verstorbenen David Robert Jones alias Bowie - die munteren Statistiken.

Kontingentes Sterben

Es war höchste Zeit, dass sich jemand mal die Arbeit macht und das alles zusammenschreibt, denn spätestens nach der Jahreswende 2015/16 in der immerhin Lemmy, Prince und Bowie verschieden sind, fragte man sich, wie lange es wohl andere Musiker gemacht haben. Zusätzlich zu den Texten im Anhang gibt es auch jeden Monat einen "Death of the Week"-Artikel, also insgesamt vier/Monat. In der Kalenderwoche 44 ist dies zum Beispiel dem Soundcollagenfabrikant Epic Soundtracks gewidmet, der mit nur 38 Jahren das Zeitliche segnete. Eine Aneinanderreihung der Titel seiner Alben würde folgenden Satz ergeben, schreibt einer der Herausgeber: Rise Above a Sleeping Star to Change my Life in Debris, because Everything ist Temporary. Nichts ist wohl mehr vergänglich als Rockmusik. Oder?

Überall Ramones!

"Wenn man Ende der Achtziger in Downtown Manhattan abhing, begegnete man ihnen regelmäßig auf der Straße", schreibt ein anderer des Herausgeber-Kollektivs, pf, Dee Dee klebte Poster für sein Hip-Hop-Projekt und Joey hing traurig rum, weil Johnny ihm seine Barbie-Puppe ausgespannt hatte. Joey Ramone starb am 10. April, die anderen Bandmitglieder der Ramones folgten allzu bald.Von einem anderen tragikomischen Zufall erzählt der Death oft he Week Artikel über Paul Kantner, dem Gründungsmitglieder von Jefferson Airplane. Er starb ausgerechnet am selben Tag wie Signe Anderson, die erste Sängerin der Airplane, die zwar weniger schön als Grace Slick war, dafür aber die viel bessere Stimme hatte, wie manche Fans noch heute behaupten. Bei Kantner war es ein Herzinfarkt, der ihn auf die gemeinsame Reise mit seiner ersten Sängerin schickte.

Über die Erfindung der Pommesgabel geht es in "Sabbathfinger", ein Ernährungstipp macht einem die Elvis-Burger schmackhaft oder erzählt vom Leben des Auferstandenen als Schlosser in der DDR, vom fünften Beatle und natürlich erfährt man auch etwas über die Autoren/Herausgeber - der Edition Observatör - selbst.

The Beat Goes On
Edition Observatör (Hrsg.)

The Beat Goes On


Kalendarium toter Musiker
Suhrkamp 2016
496 Seiten, gebunden
EAN 978-3518466964

Ein gern gesehener Faschist

Daniel Gut spürt in seinem biografischen Roman der Frage nach, wie die Schweiz aus dem ehemaligen Frontisten, Antisemiten und Gauführer Hans Kläui einen Kulturpreisträger machte.

Lesen

Vom alten Ägypten bis in die Gegenwart

Keine erschöpfende Darstellung der gesamten globalen Architektur, sondern eine kurze, gut lesbare und anschauliche Einführung in die grobe Entwicklung der Baustile mit vielen Beispielen.

Lesen

Ein Cowboy aus Australien

Das Art Book im Schallplattenformat zeigt Nick Cave in kurzen Sketches und stellt einige seiner Texte mittels der Zeichnungen von Reinhard Kleist vor. Nick Cave erinnert daran etwas an einen Cowboy aus Australien, also "Hut, ab!"

Lesen

Apulien: Kulinarische Reise ins echte Italien

Kochbuch und Kulturführer: eine Reise in den Absatz des Stiefels, der im Altertum das Zentrum der Welt war. Griechen, Araber und Normannen hinterliessen ihre kulinarischen und kulturellen Spuren in der wohl schönsten Region der Welt: der "Magna Graecia".

Lesen

Wundervolles Japan

Es ist diese Mischung von Persönlichem, geschichtlich Überliefertem, genau Beobachtetem und philosophischem Räsonieren, die diesen Essayband über Japan auszeichnet.

Lesen

Expressionismus als baukünstlerischer Ausdruck - Metropolis an Rhein und Ruhr

Gebäude des fast in Vergessenheit geratenen reichen Erbes expressionistischer Architektur der 1920er-Jahre wird in ausdrucksstarken Fotografien präsentiert.

Lesen
50 Künstler, die man kennen sollte
Kaveh Golestan: Recording the Truth in Iran 1950-2003
Der Mann, der vom Himmel fiel
Photographe
Manara Werkausgabe 16
Max Ernst - Traum und Revolution
Menschen des 20. Jahrhunderts
Caspar David Friedrich
Traumfrauen / Emmanuelle Béart - Cuba Libre
New York 1974
SUMO
Can you find happiness
by rezensionen.ch - 2001 bis 2017