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Ein unverzichtbares Grundlagenwerk der Volkswirtschaftslehre

Paul Krugman, Wirtschafts-Nobelpreisträger (2008) und Professor of Economics and International Affairs an der University Princeton, hat zusammen mit seiner Kollegin und Ehefrau Robin Wells ein weltweit erfolgreiches Einführungslehrbuch in die Mikro- und Makroökonomie verfasst, das nun auch in deutscher Sprache vorliegt. Bei dieser Ausgabe der "Economics" handelt es sich jedoch nicht um eine reine Übersetzung, sondern um eine "vorsichtige Anpassung an die deutschen bzw. europäischen Verhältnisse …, ohne den amerikanischen Ursprung des Lehrbuchs zu leugnen" (Klaus Dieter John, Vorwort des Übersetzers, S. III), was den Nutzern dieses VWL-Lehrbuchs aus dem deutschsprachigen Raum sehr entgegenkommt.

Krugman ist nicht nur dem Fachpublikum als Bestseller-Autor von Sachbüchern, sondern auch einer breiten Leserschaft als scharfsinniger Kolumnist der New York Times bekannt. Bereits die Einführung in dieses Werk macht deutlich, dass es sich nicht um ein - in deutschen Lehrbüchern leider oftmals anzutreffendes - staubtrockenes ökonomisches Traktat handelt, sondern um eine spannende, praxisorientierte und gleichermaßen geistreiche Abhandlung. Am Beispiel von diversen Szenen an einem Sonntag in New Jersey, auf der Route 1 von Trenton bis New Brunswick, wird unterhaltsam und dennoch zielgerichtet aufgezeigt, was man unter den Begriffen bzw. Phänomenen Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften, Marktwirtschaft und "unsichtbare Hand", Mikro- und Makroökonomie sowie Marktversagen und Rezessionen zu verstehen hat.

Das Werk deckt mit 35 Kapiteln, welche zu 16 Teilen zusammengefasst werden, die gesamte Breite der wichtigsten VWL-Themen ab:
- Teil 1 "Was ist Volkswirtschaftslehre?" - Hierbei geht es um eine Reihe von Prinzipien, die zeigen, wie Individuen ökonomische Entscheidungen treffen und wie individuelle Entscheidungen wechselseitig voneinander abhängen. Des Weiteren werden das Wesen und die Funktion ökonomischer Modelle untersucht.
- Teil 2 "Angebot und Nachfrage" - Das Modell von Angebot und Nachfrage illustriert, wie ein Wettbewerbsmarkt, d. h. ein Zusammentreffen vieler Käufer und Verkäufer, funktioniert. Es geht auch darum, wie der Markt zurückschlägt und deshalb die Regierungen oftmals eingreifen, um das Wirken von Angebot und Nachfrage zu korrigieren. Da viele ökonomische Fragen davon abhängen, wie stark Konsumenten oder Produzenten auf Änderungen des Preises oder anderer Größen reagieren, wird mit dem Konzept der Elastizität das Verständnis des Marktes vertieft.
- Teil 3 "Individuen und Märkte" - Nach der Klärung des Wesens der Konsumenten- und Produzentenrente wird die Entscheidungsfindung von Individuen und Unternehmen, unter Berücksichtigung der expliziten und impliziten Kosten, des ökonomischen Gewinns, des Prinzips der Marginalanalyse und der versunkenen Kosten behandelt.
- Teil 4 "Der Produzent" - Will ein Unternehmen die beste Entscheidung treffen, wie viel es produzieren sollte, muss es verstehen, wie seine Kosten von der Produktionsmenge abhängen. Des Weiteren wird die Angebotskurve eines Unternehmens in vollkommenem Wettbewerb begründet.
- Teil 5 "Der Konsument" - Es wird untersucht, wie Verbraucher entscheiden, wie sie ihr Einkommen für Waren und Dienstleistungen verwenden. Dabei spielen das Prinzip des abnehmenden Grenznutzens sowie Einkommens- und Substitutionseffekte eine zentrale Rolle.
- Teil 6 "Märkte und Effizienz" - Die Märkte für die Produktionsfaktoren bestimmen die Einkommensverteilung. Der Effizienz und Gerechtigkeit kommen in diesem Zusammenhang wichtige Funktionen zu.
- Teil 7 "Marktstruktur: jenseits vollkommenen Wettbewerbs" - Hierbei wird insbesondere analysiert, wie sich ein Monopolist und Oligopolisten verhalten, um ihre Preise und Gewinne festzulegen.
- Teil 8 "Grenzen überschreiten" - Der internationale Handel basiert zum großen Teil auf dem Prinzip des komparativen Vorteils. Dennoch greifen Regierungen oft zu Handelsprotektionismus, um die heimischen Industrien vor Importen zu schützen. In diesem Kapitel werden aber auch Risikoaversion, Risikoreduktion, Adverse Selection und Moral Hazard thematisiert.
- Teil 9 "Mikroökonomik und Wirtschaftspolitik" - In diesem Teil wird darauf hingewiesen, dass es Situationen gibt (z. B. im Kontext mit Externalitäten und öffentlichen Gütern), in denen sich selbst überlassene Märkte ineffiziente Ergebnisse hervorbringen können. Ein derartiges Marktversagen zu korrigieren, ist eine der wichtigsten Aufgaben des Staates. Krugman hat sich in den letzten Jahren selbst wiederholt als "free-market Keynesian" ("Keynesianer und Befürworter freier Märkte") charakterisiert. In diesem Kontext werden die Prinzipien und Systeme der Steuerpolitik sowie die Grundsätze der Sozialen Sicherung und Einkommensverteilung behandelt.
- Teil 10 "Neue Märkte" - Mit dem Vordringen der Informationstechnologie haben sich auch in der Wirtschaft umfassende Änderungen für die Mikroökonomie ergeben.
- Teil 11 "Einführung in die Makroökonomik" - Im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen der Konjunkturzyklus, Inflation und Deflation sowie die Grundlagen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung.
- Teil 12 "Die Volkswirtschaft auf lange Sicht" - Dieser Teil konzentriert sich auf die Bestimmungsgründe der Gesamtproduktion, um das langfristige Wachstum verstehen zu können. Dabei wird auch untersucht, warum sich Wachstumsraten weltweit unterscheiden und welche Beziehungen zwischen den wachstumsrelevanten Faktoren Sparen, Investitionsausgaben und Finanzsystem bestehen.
- Teil 13 "Kurzfristige wirtschaftliche Schwankungen" - Ausgehend vom AS-AD-Modell wird analysiert, wie das Verhalten von Produzenten, Konsumenten, Staat und Banken die kurzfristige wirtschaftliche Situation beeinflusst.
- Teil 14 "Die Angebotsseite und die mittlere Frist" - Im Falle einer Rezessionslücke existiert regelmäßig eine erhebliche Arbeitslosigkeit. Deshalb geht es in diesem Teil um die Ursachen und die Bedeutung der Arbeitslosigkeit. Da Geld- und Fiskalpolitik auch zu unerwünschten Änderungen des Preisniveaus führen können, werden auch die Phänomene Inflation und Deflation hinterfragt.
- Teil 15 "Ereignisse und Ideen" - In diesem Teil wird ein geraffter Überblick über den Stand der modernen Makroökonomik erarbeitet, wobei Ereignisse und Ideen interagieren.
- Teil 16 "Die offene Volkswirtschaft" - Die Betrachtungen zur modernen Makroökonomie werden mit der Untersuchung des internationalen Handels und der internationalen Kapitalbewegungen abgeschlossen.

Paul Krugman gilt als scharfer Kritiker der Mainstream-Ökonomie. Seiner Meinung nach können Mathematik und Modelle in der Ökonomie durchaus eingesetzt werden, moderne Wirtschaftswissenschaften müssen jedoch in erster Linie auf einer realistischen Beschreibung des menschlichen Verhaltens basieren. Diese Einstellung spürt man im vorliegenden Grundlagenwerk durchgängig. Das Buch zeichnet sich durch einen weitgehenden Verzicht auf Formalismus aus und bedient sich anstelle dessen zahlreicher bildhafter Beispiele, anhand derer auch Nichtökonomen zum Beispiel die Folgen fiskal- und geldpolitischen Handelns verstehen können.

Der Schäffer-Poeschel Verlag hat dieses Buch als "didaktische Revolution in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung" angekündigt, was tatsächlich nicht übertrieben war. Krugman und Wells präsentieren ein Lehrbuch, das in einer klaren und gut verständlichen, erzählerischen und oftmals sogar spannenden Sprache verfasst ist und dessen methodisch-didaktischen Aufbereitung offensichtlich nicht mehr zu toppen ist:
alle Kapitel starten mit der Angabe der spezifischen Lernziele, welche eine erste Orientierung über die Inhalte vermitteln;
ein charakteristisches Beispiel führt in die Themenstellung ein (z. B. die Geschichte vom "Großen Gestank" in London, im Sommer 1858, und die darauf folgende politische Reaktion zur Bereitstellung eines "öffentlichen Gutes", nämlich Londons 1865 in Betrieb genommenes modernes System von Abwässerkanälen und Pumpstationen);
jedes Kapitel enthält mehrere Fallstudien, also kurze instruktive Anwendungen des im Text erläuterten ökonomischen Konzepts, um Wirtschaftswissenschaft und Praxis sinnvoll miteinander zu verbinden (z. B. wird anhand von eBay das Konzept der Effizienz erläutert);
ökonomische Schlüsselbegriffe werden nicht nur im Text, sondern mittels Marginalien definiert und erleichtern das Lernen und Wiederholen;
eine Fülle von Abbildungen und Tabellen, die durchgängig vierfarbige Gestaltung, das großzügige Format und das moderne Layout verhelfen zu einem optimalen Lernerfolg;
weiterführendes Informationsangebot in Form von speziell eingeblendeten Kästen ("Für Wissbegierige" und "Denkfallen") vertiefen den Stoff (z. B. zu der Frage, ob Verbraucher tatsächlich rational handeln?) bzw. enthalten Hinweise, wie Missverständnisse im Umgang mit den ökonomischen Konzepten vermieden werden können (z. B. der Niedriglohn-Trugschluss);
Kurzwiederholungen nach Zwischenkapiteln und Zusammenfassungen zum Ende eines jeden Kapitels unterstützen das Verständnis für die jeweiligen Zusammenhänge;
Fragen und Übungsaufgaben dienen der individuellen Lernzielkontrolle; die entsprechenden Lösungshinweise können mit einem persönlichen Zugangswebcode beim Verlag abgerufen werden.

Dieses international ausgerichtete und gleichzeitig auf das deutsche Umfeld optimal abgestimmte Grundlagenwerk der Volkswirtschaftslehre ist ein "MUSS" für jeden Wirtschaftsstudenten. Darüber hinaus kann es auch allen an der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik Interessierten sehr gut zur Lektüre empfohlen werden.

Paul Krugman, Robin Wells - Volkswirtschaftslehre

Volkswirtschaftslehre

Paul Krugman, Robin Wells
Schäffer Poeschel 2010
1149 Seiten, broschiert
ISBN 978-3791023397



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