New Public Management in Theorie und Praxis
ie Diskussionen der letzten Jahre in Wissenschaft und Praxis des Public Managements stimmen weitgehend darin überein, dass sich die öffentliche Verwaltung noch mehr als bislang geschehen von einer hoheitlichen Vollzugsverwaltung hin zu einem modernen Dienstleistungsmanagement entwickeln muss. Das breite Spektrum von Veränderungen, mit dem die öffentliche Verwaltung in diesem Zusammenhang konfrontiert wird, erfordert notwendigerweise die Implementierung moderner Managementmethoden. Hier knüpft das vorliegende Lehrbuch, welches sich insbesondere mit den Konzepten, Instrumenten und Maßnahmen des Organisations- und Personalmanagements für Kommunen auseinandersetzt, an.
Im ersten Kapitel erfolgt ein Überblick über die öffentliche Verwaltung als Gegenstand modernen Managements. Es werden vor allem die spezifischen Funktionen, Strukturen und Probleme der Kommunalverwaltung aufgezeigt und das Wesen des Verwaltungsmanagements, vor allem im Kontext mit personalen, funktionalen und prozessualen Dimensionen, charakterisiert: "Das Verwaltungsmanagement bezieht sich auf die Planung, Steuerung, Organisation und Kontrolle der Aufgaben, Strukturen und Prozesse von Verwaltungsorganisationen und die Führung des dazu notwendigen Personals. Es handelt sich um einen kontinuierlich fortlaufenden Entwicklungsprozess, der darauf ausgerichtet ist, die Organisation der Verwaltung im Rahmen interner und externer Bedingungen erfolgreich zu platzieren." (S. 19). Im zweiten Kapitel werden - gewissermaßen als Statusbestimmung - typische Schwachstellen der konventionellen Kommunalverwaltung sowie die relevanten Trends, denen sich die öffentliche Verwaltung stellen muss, referiert. Dabei wird u. a. deutlich, dass sich der öffentliche Sektor künftig noch stärker auf seine Kernaufgaben beschränken und seine Organisation sowie sein Personal als zentrale Erfolgsfaktoren verstehen muss.
Während sich zu Beginn der 90er-Jahre die Verwaltungsmodernisierung auf der Ebene der Kommunalverwaltungen an den Eckpunkten des Tilburger Modells und an dem daraus abgeleiteten Steuerungsmodell der KGSt orientierte, geht es heute um die Weiterentwicklung und Einbettung dieses "Neuen Steuerungsmodells" in ein systematisches kommunales Managementkonzept. Hingegen werden auf Landes- und Bundesebene teilweise andere Begrifflichkeiten benutzt ("Neue Steuerungsinstrumente", "Moderner Staat", etc.). Letztlich lassen sich jedoch alle Varianten dieser Verwaltungsmodernisierung aus dem übergeordneten Konzept des "New Public Managements" (= NPM) ableiten, dessen Grundzüge im Kapitel 3 behandelt werden. Im Wesentlichen beziehen sich die Ausführungen auf die drei klassischen Dimensionen des Managements. Beim normativen Management werden Leitbilder thematisiert (Bedeutung, Ausrichtung, Wirkungen, Struktur und Entwicklung). Im Mittelpunkt des strategischen Managements stehen vor allem die Balanced Scorecard, die wirkungsorientierte Steuerung, das Qualitätsmanagement und die Produkte. Letztere werden als zentraler Ausgangspunkt des outputorientierten Steuerungssystems begriffen, an dem sich alle weiteren Aspekte des Managements (Finanz-, Personal- und Geschäftsprozessmanagement) orientieren sollen. Folgerichtig gehen die Darlegungen zum operativen Management vom Produktmanagement aus und umfassen u. a. das operative Controlling mit Budgetierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Kennzahlen und Berichtswesen.
Kapitel 4 widmet sich dem Organisationsmanagement. Nach einem Überblick über die traditionellen Grundlagen der Organisation werden insbesondere Problemstellungen und Lösungsansätze zum Projektmanagement sowie zum Prozessmanagement behandelt. Ein Abschnitt über Organisationscontrolling und eine Zusammenfassung der typischen Techniken zur Unterstützung des Prozesses des organisatorischen Wandels (darunter Erhebungs-, Analyse-, Zielfindungs- und Bewertungstechniken) runden dieses Kapitel ab.
"Die Strukturen und Prozesse, die im Rahmen der Verwaltungsmodernisierung eingerichtet werden, können nur in die Praxis umgesetzt werden, wenn die Mitarbeiter die dafür notwendigen Qualifikationen (Können) und Motivationen (Wollen) mitbringen. Auf der anderen Seite benötigen die Mitarbeiter Handlungsspielräume (Dürfen), um ihr Können und ihre Bereitschaft auch tatsächlich umsetzen zu können." (S. 281). Folgerichtig werden im Kapitel 5 "Personalmanagement", im Anschluss an die Erörterung der personalwirtschaftlichen Grundlagen, zentrale Fragen der Personalführung (Menschenbilder, Motivation, Führungsstil, Zielvereinbarung, Führungsverhalten) aufgearbeitet. Weitere Ausführungen beziehen sich auf die sonstigen Funktionen (Personalbedarfsplanung, Personalbedarfsdeckung und Personalentwicklung) und Instrumente (Stellenbeschreibung, Stellenbewertung, Personalcontrolling sowie Personalinformationssysteme) des Personalmanagements.
Insgesamt ist Prof. Dr. Dr. h.c. Helmut Hopp, Lehrstuhlinhaber für Verwaltungsmanagement und Prorektor an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg, und Dipl.-Kauffrau Astrid Göbel, Partnerin im Bereich Public Sector bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG in Berlin, ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Buch gelungen. Das Autorenteam, das sowohl die akademische Lehre und Forschung wie auch die Umsetzung der theoretischen Ansätze in der Verwaltungspraxis bestens repräsentiert, vermittelt nicht nur auf systematische Weise einen Überblick über den Stand der Praxis der kommunalen Verwaltungsmodernisierung, sondern führt diese durch innovative konzeptionelle Überlegungen weiter. Die Verfasser greifen wesentliche und aktuelle Erkenntnisse - insbesondere aus den Bereichen des Organisations- und Personalmanagements - auf und geben zugleich unmittelbar handlungsanleitende Hinweise für praktische Vorgehensweisen in der Kommunalverwaltung. Das Buch ist sehr gründlich und kompetent geschrieben; obwohl anspruchsvoll, lässt es sich aufgrund seiner Stringenz, der klaren Sprache und der vielen anschaulichen Umsetzungen anhand eines durchgängigen spezifischen Fallbeispiels gut lesen und nachhaltig verstehen. Die handwerkliche methodisch-didaktische Machart ist überzeugend. Den einzelnen Kapiteln sind jeweils konkrete Lernziele vorangestellt; Wiederholungsfragen zur individuellen Lernzielkontrolle sowie entsprechende Lösungshinweise am Ende jeweils eines Kapitels erleichtern die Aufarbeitung des umfangreichen Lehrstoffes.
In nur wenigen Jahren hat dieses Buch bereits eine dritte Neuauflage erreicht. Damit konnte den zwischenzeitlich eingetretenen Entwicklungen in Theorie und Praxis des NPM durch Aktualisierung und Erweiterung einer Reihe wichtiger Themen (z. B. Bestandsaufnahmen zur Einführung der Bausteine des Neuen Steuerungsmodells, Wirkungen der EU auf das Verwaltungsmanagement, Good Governance, Organisationscontrolling, Erfolgsfaktoren des Change Managements, Neuerungen zur Leistungs- und Potenzialbeurteilung) Rechnung getragen werden.
Im Vorwort benennen die Autoren als Zielgruppe ihres Buches insbesondere die Studierenden und Praktiker der öffentlichen Verwaltung bzw. halböffentlicher Verwaltungsorganisationen, welche sich mit Managementaufgaben befassen. Ihnen allen sei dieses Lehrbuch mit Nachdruck empfohlen. Es bietet nicht nur einen fundierten und aktuellen Überblick über die Grundzüge des New Public Managements, sondern liefert wertvolle Hilfestellungen bei der Lösung konkreter Gestaltungsprobleme.